Nach dem tiefsten Stand seit einem Jahr dreht SAP am Freitag kräftig ins Plus. Der Kurssprung kommt jedoch nicht aus dem Nichts — er folgt auf einen Ausverkauf, den externe Faktoren ausgelöst haben, nicht die eigenen Zahlen.
Erholung nach dem Absturz
Am Donnerstag fiel die SAP-Aktie auf 130,80 Euro — ein neues 52-Wochen-Tief. Am Freitag klettert das Papier auf 135,58 Euro, ein Tagesplus von 3,65 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von knapp 33 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch bei 266,00 Euro fehlen noch rund 49 Prozent.
Jefferies-Analyst Charles Brennan hatte kurz vor dem Tief das Kursziel von 230 auf 210 Euro gesenkt — die „Buy“-Empfehlung blieb. Er verwies auf ein schwaches Umfeld im Softwaresektor. Die bevorstehende Berichtssaison liefere kaum kurzfristige Impulse, solange Makrounsicherheiten und Transformationsdruck anhalten. Berenberg hält ebenfalls an „Buy“ fest, mit einem Kursziel von 215 Euro. Beide Ziele liegen damit weit über dem aktuellen Kurs.
Druck von außen, Stärke von innen
Die eigentlichen Belastungsfaktoren kamen von außen. Oracle kündigte Investitionen von 95 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur bis 2027 an — das erhöht den Druck auf SAP, beim Kapitaleinsatz mitzuhalten. Goldman Sachs senkte daraufhin die Bruttomarge-Prognose für SAP im zweiten Halbjahr 2026 von 73,3 auf 72,8 Prozent. Als Gründe nannte Goldman höhere Hardwarekosten und Schwäche bei einem Großkunden im Nahen Osten. Obendrein belastete ein schwacher Ausblick von Accenture den gesamten europäischen Softwaresektor.
Operativ läuft es bei SAP besser. Im ersten Quartal stiegen die Cloud-Erlöse um 27 Prozent. Der operative Gewinn legte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Die Jahresziele stehen: SAP erwartet einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro sowie einen operativen Gewinn von bis zu 12,3 Milliarden Euro.
EU-Verfahren und Halbjahresbericht im Blick
Beim laufenden EU-Kartellverfahren untersucht die Europäische Kommission, ob SAP Kunden am Wechsel zu alternativen Wartungsanbietern hindert. SAP weist die Vorwürfe zurück. Gelingt eine Einigung, könnte das Verfahren ohne Bußgeld enden — ursprünglich stand eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes im Raum.
Seit dem 22. Juni befindet sich SAP in der Quiet Period. Neue Aussagen zur Geschäftsentwicklung gibt es erst mit den Halbjahreszahlen am 23. Juli. Bis dahin richtet sich der Blick vor allem auf den Cloud-Auftragsbestand, der im ersten Quartal auf 21,9 Milliarden Euro gestiegen war. Ob das Wachstumstempo hält, wird der Julibericht zeigen.
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