SAP hat am Donnerstag nach US-Börsenschluss Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Der Konzern senkt seinen Gewinnausblick wegen zweier frischer Übernahmen. Trotzdem reagierten Anleger positiv – die Aktie hatte zuvor gerade ein neues 52-Wochen-Tief markiert.
Cloud-Geschäft wächst zweistellig
Der Cloud-Auftragsbestand kletterte auf 22,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, währungsbereinigt waren es 26 Prozent.
Die Clouderlöse legten um 22 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zu. Die Cloud-ERP-Suite wuchs sogar um 25 Prozent.
Der operative Gewinn nach IFRS stieg um 8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.
Der freie Cashflow im Quartal legte um 27 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro zu. Damit bleibt die operative Substanz des Geschäfts intakt.
Zukäufe drücken auf den Ausblick
SAP passt den Ausblick für das operative Ergebnis 2026 an. Grund ist der Verwässerungseffekt aus den im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. SAP schätzt diesen Effekt auf mehr als 100 Millionen Euro.
Konkret erwartet der Konzern nun ein operatives Ergebnis von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro zu konstanten Wechselkursen. Zuvor hatte SAP eine Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Die übrigen Ziele bleiben unverändert:
- Clouderlöse: 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro zu konstanten Wechselkursen
- Cloud- und Softwareerlöse: 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro
- Freier Cashflow: rund 10 Milliarden Euro zu tatsächlichen Wechselkursen
Das Management erklärte in der Telefonkonferenz, warum die Marge kurzfristig nicht steigt. Dremio und Prior Labs belasten die zweite Jahreshälfte 2026 mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. SAP investiert parallel stark in die eigene KI-Transformation – für eine spürbare Anhebung der organischen Marge bleibt daher aktuell kein Spielraum.
Kurs nahe am Jahrestief
Die SAP-Aktie notiert nur 1,55 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 37,84 Prozent zu Buche. Nachbörslich in den USA reagierten Anleger auf die Zahlen zunächst deutlich positiv – ein spürbarer Kontrast zum schwachen Jahresverlauf.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Mit einem RSI von 36,2 nähert sich die Aktie der überverkauften Zone. Das deutet auf erhöhte Nervosität hin, nicht auf eine stabile Trendwende.
Dremio soll SAP-Daten mit Fremddaten verknüpfen
Das Management erläuterte auch den strategischen Nutzen der Zukäufe. Unternehmen brauchen bei Aufgaben wie Nachschubplanung oder Finanzprognosen oft nicht nur SAP-Daten, sondern auch Daten aus Fremdsystemen. Dremio soll genau das ermöglichen: Echtzeit-Zugriff auf diese Daten, ohne sie kopieren zu müssen.
Zum unmittelbaren Umsatzbeitrag machte das Management jedoch eine klare Ansage. Dremio und Prior Labs tragen kaum zum Cloud-Auftragsbestand bei. Das unterscheidet die beiden Zukäufe von der früheren Übernahme Reltio, die immerhin einen Zuwachs von knapp einem Prozentpunkt beisteuerte.
Entscheidend für die Aktie wird, ob sich das robuste Cloud-Wachstum in den kommenden Quartalen in einer stabileren Marge niederschlägt. Bis dahin drücken die frischen Übernahmen das Ergebnis spürbar – ein Belastungsfaktor, den das Management für die zweite Jahreshälfte 2026 bereits eingepreist hat.
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