SAP schloss am Montag bei 140,64 Euro. Das sind nur noch 7,52 Prozent über dem jüngsten Jahrestief von 130,80 Euro.
Dieses Tief markierte die Aktie erst am 25. Juni. Am 23. Juli folgt der nächste große Termin: SAP meldet dann die Zahlen zum zweiten Quartal – ein Termin, der über die nächste Kursrichtung entscheiden dürfte.
Bis dahin bewegt sich SAP in der sogenannten Quiet Period. Das Management äußert sich nicht zu Umsatz oder Marge. Anleger müssen sich also vorerst mit den vorhandenen Daten begnügen.
Die entscheidende Frage
Der weitere Kursverlauf hängt vor allem vom Cloud-Wachstum ab. Im ersten Quartal 2026 wuchs das währungsbereinigte Cloud-Geschäft kräftig. Für das Gesamtjahr peilt SAP weiterhin Clouderlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an, was einer Wachstumsrate von 23 bis 25 Prozent entspricht.
Hält dieses Tempo im zweiten Quartal, wäre das ein starkes Signal. Die These vom robusten Cloud-Geschäft bliebe trotz des massiven Kursverfalls intakt. Verlangsamt sich das Wachstum dagegen spürbar, dürfte das eine alte Sorge neu befeuern – dass klassische Unternehmenssoftware im KI-Zeitalter an Relevanz verliert.
Bullisches Szenario
Für eine Stabilisierung spricht zunächst die Charttechnik. Der Kurs notiert nur noch 3,86 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 146,29 Euro. Der RSI liegt bei 48,3 – weder überkauft noch überverkauft, was Raum für eine weitere Erholung lässt.
Binnen sieben Handelstagen legte die Aktie bereits um 4,01 Prozent zu. Das geschah, nachdem sie zuvor ein neues Jahrestief markiert hatte.
Operativ dürfte der Konzern zudem vom laufenden Aktienrückkauf profitieren. Bislang kaufte SAP rund 16,28 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurück – ein Volumen von etwa 2,6 Milliarden Euro. Bei den aktuell deutlich niedrigeren Kursen kauft der Konzern nun günstiger ein als in der ersten Tranche.
Hinzu kommt ein Großauftrag von Nokia. Der Deal soll laut Berichten für gute Stimmung im Konzern gesorgt und die Aktie zuletzt gestützt haben. Auf der Übernahmeseite hat SAP zudem die Zukäufe von Prior Labs und Dremio angekündigt, mit denen der Konzern seine KI-Plattformstrategie stärken will.
Zeigt sich am 23. Juli, dass Cloud-Auftragsbestand und Marge stabil bleiben, könnte das als Beweis gewertet werden: Die fundamentale Substanz hätte sich vom Kursverfall abgekoppelt.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die Warnung, dass sich das Wachstumstempo bereits abschwächt. SAP hatte im Juni selbst bestätigt, dass sich die Dynamik zuletzt verlangsamt habe. Entsprechend groß ist die Spannung, wie sich die Kennzahl im zweiten Quartal entwickelt hat. Setzt sich die Verlangsamung im Cloud-Auftragsbestand fort, dürfte der fragile Aufwärtsimpuls schnell wieder kippen.
Dazu kommt die Bewertungssituation. SAP notiert weiterhin 22,13 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 180,62 Euro.
Zum 52-Wochen-Hoch von 266,00 Euro liegt die Aktie sogar 47,13 Prozent zurück. Das zeigt, wie stark der Markt die Bewertung bereits zurückgenommen hat.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 45,73 Prozent. Kursausschläge in beide Richtungen bleiben damit wahrscheinlich. Strukturell hängt zudem eine ältere Sorge über der gesamten Softwarebranche: Künstliche Intelligenz könnte klassischen Anbietern Marktanteile abnehmen. Ein enttäuschender Ausblick beim Quartalsbericht könnte den jüngsten Rebound schnell wieder infrage stellen und einen erneuten Test der Tiefstände wahrscheinlicher machen.
Ausblick
Solange die Aktie über der Marke von 130,80 Euro bleibt, spricht mehr für eine vorsichtige Stabilisierung. Das nächste Etappenziel wäre der 50-Tage-Durchschnitt bei 146,29 Euro. Kippt das Cloud-Wachstum jedoch spürbar unter die eigene Zielspanne, wird ein erneuter Test der Jahrestiefs wahrscheinlicher.
Der nächste Prüfstein ist der Quartalsbericht am 23. Juli. Dann zeigt sich, ob Cloud-Auftragsbestand und Marge das Tempo aus dem ersten Quartal halten können. Auch die aktualisierte Jahresprognose des Managements dürfte dann Klarheit bringen – ob sie die zuletzt gesunkenen Erwartungen bestätigt oder weiter dämpft.
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