Zwei Nachrichten aus den vergangenen Wochen zeichnen ein zwiespältiges Bild für SAP-Anleger: Auf der einen Seite räumt das Bundeskartellamt einen wettbewerbsrechtlichen Vorwurf aus dem Weg, auf der anderen Seite bleibt die Analystenzunft trotz kräftig wachsendem Cloud-Geschäft skeptisch, was die Bewertung angeht.
Kartellamt stellt Voruntersuchung ein
Die deutsche Wettbewerbsbehörde hat am Montag eine Voruntersuchung gegen SAP beendet. Im Zentrum stand der Vorwurf, der Softwarekonzern behindere die Datenextraktion aus seinen Systemen – Beschwerden, die unter anderem von Wettbewerbern wie Celonis angestoßen worden waren. Das Kartellamt fand nach eigenen Angaben keine hinreichenden Anzeichen für einen Missbrauch der Marktstellung. Für SAP ist das eine regulatorische Entlastung, die zumindest eine Unsicherheit aus dem Investment Case nimmt.
Parallel dazu kursierten in den vergangenen Wochen Berichte über hausinterne Sparmaßnahmen. Laut einem internen Memo, das nach Medienberichten am Abend des 2. Juli intern verschickt wurde, hat das Management einen weitgehenden Stopp für Dienstreisen und Neueinstellungen außerhalb der KI-Kernbereiche verhängt. Als Grund werden massiv steigende Kosten für die Nutzung von KI-Token in produktiven Kunden-Szenarien genannt, wie das Fachmagazin AI Weekly berichtete. Der Vorgang wirft ein Licht darauf, wie teuer der operative Betrieb generativer KI-Anwendungen für einen Konzern dieser Größenordnung inzwischen geworden ist – selbst wenn das Unternehmen zugleich kräftiges Cloud-Wachstum ausweist.
Starke Quartalszahlen, aber vorsichtigere Kursziele
Genau dieses Wachstum hatte SAP am 23. Juli mit der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 demonstriert. Der Cloud-Backlog stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten währungsbereinigt um 24 Prozent zu. Der Gesamtumsatz wuchs währungsbereinigt um 11 Prozent. Auf den ersten Blick sind das Wachstumsraten, die im europäischen Softwaresektor ihresgleichen suchen.
Trotzdem reagierte Barclays fünf Tage nach der Zahlenvorlage mit Zurückhaltung: Das Analystenhaus senkte am 28. Juli sein Kursziel für SAP von 255,00 auf 220,00 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Overweight“. Die Kürzung nach ohnehin starken Quartalszahlen deutet darauf hin, dass die Bewertung der Aktie zuvor bereits sehr ambitioniert eingepreist war – ein Muster, das sich angesichts der jüngsten Kursrally nachvollziehen lässt.
Kursrally trifft auf hohe Bewertungsansprüche
Genau diese Rally ist der Hintergrund, vor dem die Analystenreaktion einzuordnen ist. Die Aktie schloss am Freitag bei 178,66 Euro, ein Plus von 3,46 Prozent an nur einem Handelstag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier um 29,31 Prozent zugelegt, allein in der vergangenen Woche waren es 12,17 Prozent. Seit Jahresbeginn steht SAP dennoch mit 14,72 Prozent im Minus, und zum 52-Wochen-Hoch von 257,70 Euro vom 7. August 2025 fehlen der Aktie weiterhin fast 31 Prozent.
Diese Kombination aus starker kurzfristiger Erholung und deutlichem Abstand zum Jahreshoch erklärt, warum Analysten trotz robuster operativer Zahlen bei den Kurszielen vorsichtiger werden. Ein RSI von 74,9 signalisiert zudem eine kurzfristig überkaufte Marktlage, was allerdings vor allem für kurzfristig orientierte Trader relevant ist. Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick der Anleger nun auf den 21. Oktober, wenn SAP die Ergebnisse für das dritte Quartal und die ersten neun Monate 2026 vorlegen wird. Bis dahin dürfte die Frage im Vordergrund stehen, ob das kräftige Cloud-Wachstum die gestiegenen KI-Kosten langfristig rechtfertigen kann – und ob die aktuelle Bewertung diesen Spagat bereits vorwegnimmt.
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