Christian Klein tritt heute in Paris auf — und die Erwartungen sind hoch. Der SAP-Chef spricht beim BNP Paribas Exane CEO Conference, nur wenige Tage nach einer milliardenschweren Anleiheemission. Investoren wollen wissen, wohin das Geld fließt.
3,5 Milliarden Euro für Wachstum
Am 28. Mai schloss SAP eine Euro-Anleihe über 3,5 Milliarden Euro ab. Vier Tranchen, Laufzeiten von zwei bis sieben Jahren. Der Erlös soll für allgemeine Unternehmenszwecke genutzt werden — ausdrücklich auch für die Finanzierung von Akquisitionen.
Das Timing ist kein Zufall. SAP hat zuletzt in kurzer Folge zugekauft. Die Übernahme von Reltio, einem Anbieter von Master-Data-Management-Software, ist bereits abgeschlossen. Reltio soll Unternehmensdaten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen KI-tauglich machen. Der Kauf von Dremio folgt voraussichtlich im dritten Quartal 2026 — behördliche Genehmigungen stehen noch aus. Dremio bringt eine offene Datenschicht in die SAP Business Data Cloud ein.
Parallel läuft eines der größten Aktienrückkaufprogramme der deutschen Börsengeschichte. Bis Ende 2027 will SAP eigene Aktien im Wert von bis zu 10 Milliarden Euro zurückkaufen. Die erste Tranche ist abgeschlossen: 16,3 Millionen Aktien zu durchschnittlich 161,16 Euro.
KI-Plattform rollt aus
Im Juni startet der operative Rollout von Joule Studio 2.0. Die allgemeine Verfügbarkeit plant SAP für das zweite Halbjahr 2026. Kunden und Partner erhalten bis Ende 2026 kostenlosen Design-Time-Zugang, inklusive KI-gestützter Entwicklungsfähigkeiten.
Ferner stellte SAP die Autonomous Suite vor. Sie rüstet bestehende Geschäftsanwendungen mit KI-Agenten aus, die Prozesse von Anfang bis Ende durchlaufen. Mehr als 50 domänenspezifische Assistenten in Bereichen wie Finanzen, Lieferkette und Personalwesen sollen dabei über 200 spezialisierte Agenten orchestrieren.
Das operative Fundament stimmt. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Current Cloud Backlog um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz legte 19 Prozent zu, die Cloud-ERP-Suite sogar 23 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro.
Aktie weit vom Hoch entfernt
Die Kursentwicklung erzählt eine andere Geschichte. Die SAP-Aktie notiert bei 156,40 Euro — rund 42 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 271,60 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie knapp 23 Prozent verloren, während der DAX nahe Rekordständen handelt.
Marktbeobachter sehen den Haupttreiber in der sogenannten KI-Angst: die Sorge, dass spezialisierte KI-Agenten klassische Unternehmenssoftware verdrängen oder deren Preissetzungsmacht untergraben könnten. Kleins Auftritt heute ist damit auch eine Gelegenheit, dieser Sorge direkt zu begegnen.
Am 23. Juli veröffentlicht SAP die Ergebnisse für das zweite Quartal. Dann werden Cloud-Umsätze und konkrete Hinweise auf neue Preismodelle zeigen, ob die KI-Strategie beim Markt ankommt.
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