SAP hat eine Erholungsphase hinter sich, die von zwei entgegengesetzten Nachrichten geprägt ist. Die Aktie legte seit dem Mehrjahrestief im Juli rund 40 % zu, begünstigt durch das Ende regulatorischer Unsicherheit. Gleichzeitig sorgt eine neu entdeckte Sicherheitslücke in der SAP Commerce Cloud für frischen Gegenwind. Am heutigen Mittwoch gibt die Aktie mit einem Rückgang von 1,52 Prozent auf 178,58 Euro einen Teil der jüngsten Gewinne wieder ab.
Kartellsorgen vom Tisch
Den Grundstein für die Kurserholung legte der Abschluss der Vorermittlungen des Bundeskartellamts sowie die Einstellung der EU-Wettbewerbsuntersuchung zu SAPs On-Premise-Wartungspraktiken. Beide Behörden verzichteten auf die Einleitung eines Missbrauchsverfahrens.
Für Anleger war das ein wichtiges Signal: Die regulatorische Belastung, die den Kurs monatelang gedrückt hatte, ist damit von der Agenda. Der Kurs steht damit inzwischen 3,65 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen dafür, dass sich der mittelfristige Trend wieder gedreht hat.
Kritische Lücke in der Commerce Cloud
Nur wenige Tage nach der Entlastung durch die Kartellbehörden meldete sich eine neue Baustelle: Sicherheitsforscher entdeckten eine kritische Schwachstelle in der SAP Commerce Cloud, über die unauthentifizierte Angreifer beliebigen Code ausführen könnten.
SAP forderte betroffene Kunden auf, Patches einzuspielen und die sogenannte „Secure Transformer“-Eigenschaft zu konfigurieren. Solche Sicherheitslücken sind für ein Unternehmen, dessen Geschäft stark auf Vertrauen in kritische Unternehmenssoftware fußt, ein sensibles Thema – auch wenn sich die unmittelbaren Kursreaktionen bislang in Grenzen halten.
Kostendisziplin trotz KI-Offensive
Parallel zu den regulatorischen und sicherheitstechnischen Themen hält SAP an strikter Kostendisziplin fest. Internen Berichten zufolge gilt weiterhin ein weitgehender Einstellungsstopp, ergänzt durch Reisebeschränkungen – Ausnahmen gibt es nur für Projekte, die direkt mit Künstlicher Intelligenz verknüpft sind.
Diese Strategie passt zu einer Reihe von KI-Partnerschaften, die SAP zuletzt geschlossen hat: Mit Conduct.AI kündigte das Unternehmen eine Zusammenarbeit an, bei der KI-Agenten manuell aufwendige Aufgaben in komplexen SAP-Transformationsprojekten übernehmen sollen.
Zudem baute SAP die Kooperation mit Google Cloud im Bereich „Agentic Marketing“ aus, wobei Gemini-Modelle mit Geschäftsdaten aus SAP-Systemen verknüpft werden.
Weniger rund lief es dagegen bei einer anderen Partnerschaft: Berichten zufolge arbeitete ein SAP-Team parallel an einem Konkurrenzprodukt zum Partner n8n, während die Zusammenarbeit öffentlich beworben wurde. Bestätigt wurde zudem eine Investition von SAP in das KI-Startup Parloa.
Aktionärsstruktur und Rückkaufprogramm
Auf der Kapitalseite bleibt SAP für Großinvestoren interessant. BlackRock reduzierte seine Stimmrechtsanteile leicht auf 6,74 Prozent, während Harald Tschira zuvor eine Beteiligung von 4,22 Prozent gemeldet hatte. Das Unternehmen selbst treibt sein laufendes Aktienrückkaufprogramm weiter voran, wie aus einer aktuellen Kapitalmarktinformation hervorgeht.
Fundamental bleibt das Bild solide: Zu den Zahlen für das zweite Quartal 2026 hatte SAP einen währungsbereinigten Anstieg des Current Cloud Backlog um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro gemeldet, während der Cloud-Umsatz in der ERP-Suite um 25 Prozent zulegte.
Der IFRS-Betriebsgewinn wuchs um 8 Prozent. Die nächsten Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026 werden voraussichtlich am 21. Oktober veröffentlicht – bis dahin dürfte der Wechsel zwischen regulatorischen Entlastungen und operativen Herausforderungen die Kursentwicklung weiter prägen.
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