SAP notiert am Donnerstag bei 132,60 Euro — nur 1,36 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 34 Prozent verloren. Jefferies senkt das Kursziel, die Branchenstimmung trübt sich ein, und ausgerechnet jetzt bringt SAP eine neue Regulierungslösung auf den Markt.
CBAM-Lösung: Neues Produkt, schwieriges Umfeld
SAP hat heute eine integrierte Lösung für den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der EU vorgestellt. Die Anwendung richtet sich an Unternehmen, die von der CO2-Grenzausgleichsteuer betroffen sind. Sie basiert auf dem „SAP Sustainability Footprint Management“ und dem „SAP Green Ledger“.
Das Ziel: automatisierte Emissionsverfolgung, Zertifikatsmanagement und direkte Verbuchung von CBAM-Verbindlichkeiten. Der Bedarf an ESG-Software wächst, da Unternehmen ihre CO2-Bilanzen entlang der gesamten Lieferkette dokumentieren müssen. Operativ macht SAP hier Fortschritte — der Kurs bewegt sich dennoch in die andere Richtung.
Jefferies senkt Kursziel auf 210 Euro
Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für SAP von 230 auf 210 Euro gesenkt. Die Kaufempfehlung bleibt bestehen. Als Begründung nennen die Analysten eine allgemeine Skepsis gegenüber dem europäischen Softwaresektor. Die Erwartungen für die Q2-Berichtssaison sind verhalten. Wachsende Konkurrenz im Bereich Künstliche Intelligenz verstärkt die Unsicherheit.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei 183,79 Euro beträgt inzwischen fast 28 Prozent. Der RSI liegt bei 35,2 — kurz vor der technischen Überverkauft-Zone bei 30.
Migration und Wettbewerb als Langfristthema
Ein struktureller Treiber bleibt die S/4HANA-Migration. Der Support für das alte ECC-System endet 2030. Bestandskunden müssen handeln. Allerdings konkurriert SAP dabei mit Drittanbietern wie Accenture, Capgemini und NTT DATA. Diese begleiten Übergänge schrittweise und setzen zunehmend auf KI-Automatisierung.
SAP plant, im dritten Quartal 2026 eigene Migrationstools für Großkunden zu veröffentlichen. Parallel positioniert sich der Konzern als Anbieter sogenannter „Sovereign-by-Design“-Lösungen — ein Argument, das angesichts US-Exportbeschränkungen für KI-Modelle an Gewicht gewinnt.
Hinzu kommt ein strukturelles Argument: Deutschland investiert laut Deutscher-Bank-Chefvolkswirt Robin Winkler weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung in Software. Schweden kommt auf rund vier Prozent. Der Nachholbedarf ist real — und könnte SAP mittelfristig Rückenwind geben, sofern der Mittelstand tatsächlich zu investieren beginnt.
Die nächste Bewährungsprobe kommt mit den Q2-Zahlen. Überrascht SAP positiv, könnte das den RSI aus der Gefahrenzone ziehen. Enttäuscht das Unternehmen, dürfte das 52-Wochen-Tief bei 130,82 Euro schnell zur Marke werden.
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