Starke Quartalszahlen, ein Milliardenauftrag des Bundes, 85.000 Ericsson-Nutzer auf der KI-Plattform — und trotzdem notiert die SAP-Aktie nur knapp über ihrem Jahrestief. Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung ist das zentrale Rätsel um Europas wertvollsten Softwarekonzern.
Mit 141,52 Euro schloss das Papier am Freitag nur 4,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 135,52 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 30 Prozent verloren — deutlich schlechter als der Branchendurchschnitt.
Staatlicher Großauftrag, privater Skalierungsbeweis
T-Systems und SAP sicherten sich einen Bundesauftrag für eine souveräne KI-Cloud. Das Bundesdigitalministerium investiert 250 Millionen Euro in die Plattform, die Dokumentenverarbeitung und Genehmigungsverfahren in Behörden beschleunigen soll. Ein Konkurrenzkonsortium mit Google hatte zunächst Rechtsmittel eingelegt — zog diese aber zurück.
Parallel liefert Ericsson einen handfesten Beweis für die Skalierbarkeit von SAPs KI-Assistent Joule. Mehr als 85.000 Nutzer arbeiten bei dem Telekommunikationskonzern bereits live mit dem System. Ericsson nutzt dabei eine föderierte Datenarchitektur: Daten bleiben am Entstehungsort, die Steuerung läuft zentral.
Milliarden für die KI-Offensive
SAP finanziert seine Wachstumsstrategie über den Kapitalmarkt. Im Mai 2026 platzierte der Konzern eine Euro-Anleihe über 3,5 Milliarden Euro in vier Tranchen — mit Laufzeiten von zwei bis sieben Jahren.
Das Geld fließt in Akquisitionen. SAP schloss die Übernahme von Reltio ab, einem Spezialisten für Master Data Management. Die Übernahme von Dremio soll im dritten Quartal 2026 folgen. Hinzu kommt Prior Labs, ein deutsches KI-Startup, das SAP als eigenständige Einheit weiterführt. Über vier Jahre plant SAP mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um daraus ein KI-Labor für strukturierte Daten aufzubauen.
Zahlen stark, Stimmung schwach
Die Q1-Zahlen 2026 unterstreichen das Tempo. Der Current Cloud Backlog wuchs um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Die Cloud-Erlöse legten währungsbereinigt um 27 Prozent zu. Für das Gesamtjahr erwartet SAP Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro sowie einen Free Cashflow von rund 10 Milliarden Euro.
Der Markt honoriert das bislang nicht. Der RSI liegt bei 39,4 — technisch überverkauft, aber ohne nachhaltige Gegenbewegung. Der aktuelle Kurs liegt rund 25 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Den Q2-Bericht legt SAP voraussichtlich im Juli 2026 vor. Konkrete Zahlen zur KI-Monetarisierung dürften dann zeigen, ob der Markt seinen Pessimismus revidiert.
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