Die SAP-Aktie hat am Freitag einen der stärksten Tage ihrer Geschichte hingelegt. Nach der Vorlage der Quartalszahlen schoss das Papier um 9,15 Prozent nach oben und schloss bei 140,80 Euro. Auslöser war ein Cloud-Geschäft, das die Erwartungen der Analysten spürbar übertraf – während der Ausblick für das Gesamtjahr gleichzeitig nach unten korrigiert wurde.
Cloud-Auftragsbestand auf Rekordniveau
Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Cloud-Auftragsbestand von SAP um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro und markierte damit einen neuen Höchststand. Der Cloud-Umsatz legte um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu, der Konzernumsatz insgesamt stieg um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Der freie Cashflow verbesserte sich um 27 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro, die Nettoliquidität lag bei 2,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente SAP nach IFRS 1,89 Euro je Aktie, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auf Non-IFRS-Basis lag der Gewinn je Aktie bei 1,59 Euro.
Hinter diesen Zahlen steht ein struktureller Treiber: Der Support für ältere SAP-Systeme läuft 2027 aus, was Unternehmen zusätzlich in Richtung Cloud-Migration drängt. Zugleich kaufte SAP im Berichtszeitraum 16,28 Millionen eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro zurück, was auf ein laufendes Rückkaufprogramm hindeutet.
Prognose gesenkt – operativer Gewinn unter Druck
Trotz der starken Auftragslage fiel der operative Gewinn mit 2,74 Milliarden Euro unter die bisherigen Erwartungen. SAP senkte zudem die Prognose für den Non-IFRS-Betriebsgewinn 2026 auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Grund sind die kürzlich abgeschlossenen Übernahmen von Prior Labs und Dremio, die das Ergebnis um rund 100 Millionen Euro belasten. Das Ziel für den Cloud-Umsatz 2026 von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro bestätigte der Konzern dagegen unverändert. Um die KI-Offensive zu finanzieren, kürzt SAP zudem Reise- und Einstellungsbudgets – betriebsbedingte Entlassungen sind nach Unternehmensangaben nicht geplant.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen gespalten aus. Jefferies bestätigte SAP mit „Buy“ und einem Kursziel von 210 Euro und verwies auf die starke Auftragsentwicklung im zweiten Quartal sowie eine aus Sicht der Analysten günstige Bewertung. JPMorgan stufte die Aktie dagegen auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 175 Euro zurück und begründete dies mit dem schwächeren Ergebnis und dem Margenrückgang – das Ebit-Ziel für 2026 setze eine deutliche Gewinnbeschleunigung im zweiten Halbjahr voraus, so die Einschätzung der Bank.
SAP-Chef Klein sprach von einer voranschreitenden KI-Transformation: Die hauseigene Business Data Cloud sei mittlerweile in 90 Prozent der 50 größten Vertragsabschlüsse enthalten, bis Ende 2026 sollen mehr als 400 autonome Agenten der Autonomous Suite verfügbar sein. Finanzvorstand Dominik Asam mahnte gleichzeitig zur Nüchternheit: Künstliche Intelligenz müsse über einfache Chatbot-Anwendungen hinausgehen, um echte Renditen zu erzielen, ein Großteil der bisherigen KI-Nutzung entfalle noch auf naheliegende, wenig anspruchsvolle Anwendungsfälle. Nach konzerneigenen Untersuchungen könne KI eine Kapitalrendite von 31 Prozent erzielen, bei durchschnittlichen Ausgaben von 26,7 Millionen Dollar pro Unternehmen. Asam verwies zudem auf den Nahost-Konflikt als Belastungsfaktor für Investitionsentscheidungen von Kunden, auch wenn die Pipeline insgesamt stabil bleibe.
Charttechnisches Bild bleibt angeschlagen
Der Kurssprung vom Freitag ändert wenig am Gesamtbild des Jahres: Seit Jahresbeginn steht die SAP-Aktie noch immer mit 32,42 Prozent im Minus. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bleibt mit 18,98 Prozent deutlich negativ – ein Zeichen dafür, dass der übergeordnete Abwärtstrend trotz des kräftigen Tagesgewinns noch nicht gebrochen ist. Ob aus dem starken Cloud-Momentum eine nachhaltige Trendwende wird, dürfte sich erst zeigen, wenn SAP die für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellte Gewinnbeschleunigung tatsächlich liefert.
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