Die SAP-Aktie hat am Freitag eine deutliche Wende vollzogen. Der Kurs schoss um 9,15 Prozent nach oben, auf 140,80 Euro. Nach Wochen mit massiven Verlusten liefert der aktuelle Quartalsbericht endlich Argumente für eine Bodenbildung.
Noch Mitte der Woche markierte das Papier ein neues Jahrestief. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz des Freitagssprungs mit 32,42 Prozent im Minus. Diese Zahl zeigt: Der Kurssprung ändert nichts an der schwierigen Jahresbilanz. Er liefert aber ein starkes Signal, dass die Talsohle erreicht sein könnte.
Cloud-Geschäft widerlegt die Kritiker
Kritiker befürchteten, SAP könne im Wettlauf um Künstliche Intelligenz gegenüber spezialisierten Cloud-Anbietern zurückfallen. Die Zahlen für das zweite Quartal sprechen eine andere Sprache. Der Cloud-Backlog wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Dieser Wert umfasst bereits fest vereinbarte, aber noch nicht verbuchte Umsätze. Er zeigt: Die Nachfrage der Unternehmenskunden bleibt intakt.
Besonders bemerkenswert: Laut CEO Christian Klein enthalten mittlerweile über 90 Prozent der Top-Deals KI-Komponenten. Das bestätigt die Strategie, SAP zum „Autonomous Enterprise“ umzubauen. Anleger gewichten das Potenzial der „Business AI“ offenbar stärker als die reinen Betriebskosten.
Der Token-Deckel für KI-Kosten
Ein weiterer Vertrauensfaktor kommt aus dem Finanzressort. SAP führt einem Bericht zufolge ein internes Budgetierungssystem für KI-Nutzungskosten ein. Mitarbeiter erhalten je nach Rolle ein monatliches Budget zwischen 100 und 5.000 Euro. Damit will Finanzchef Dominik Asam die Kosten für KI-Modelle deckeln, bevor sie aus dem Ruder laufen. Der Schritt zeigt: SAP behält die Marge im Blick, trotz massiver Investitionen in die KI-Strategie.
Test am 50-Tage-Durchschnitt
Am Wochenende ruht der Handel. Die kommende Woche bringt aber einen wichtigen technischen Test. Die Aktie nähert sich dem 50-Tage-Durchschnitt bei 144,01 Euro, aktuell fehlen noch 2,23 Prozent. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke wäre für mich das stärkste Signal, dass der mittelfristige Abwärtstrend endet.
Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. Barclays sieht ein Kursziel von 255 Dollar, TD Cowen eines von 210 Dollar. Beide Häuser senden damit optimistische Signale. Andere Stimmen mahnen zur Vorsicht. Der Vorstand senkte die Gewinnprognose für 2026 leicht, auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, wegen der Zukäufe von Dremio und Prior Labs.
Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die Chancen. Die operative Stärke im Cloud-Geschäft und die Kostendeckelung bei KI-Tokens liefern Rückenwind, um die massiven Verluste des vergangenen Jahres schrittweise aufzuholen. Solange das Cloud-Wachstum die KI-Zusatzkosten übertrifft, dürfte sich die Erholung fortsetzen. Nervenstärke bleibt trotzdem gefragt: Die hohe Schwankungsbreite der Aktie zeigt, wie schnell sich das Bild wieder drehen kann.
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