Ein Kursanstieg von rund 1,7 Prozent klingt nach Erholung. Bei SAP relativiert sich das schnell: Die Aktie liegt seit Jahresbeginn fast 28 Prozent im Minus und notiert rund 45 Prozent unterhalb ihres Hochs vom Juli 2025.
Oracle als ungebetener Taktgeber
Den Ausverkauf der Vorwoche löste nicht SAP selbst aus. Oracle meldete am 10. Juni Rekordumsatz und einen Gewinn über den Erwartungen — brach nachbörslich dennoch ein. Der Grund: angekündigte Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für 2027.
Das schreckte Investoren sektorweit auf. Hohe KI-Ausgaben beim US-Konzern, eine Verlangsamung im Cloud-Softwaregeschäft und eine Sektorabstufung europäischer IT-Aktien durch die UBS drückten SAP in den Abwärtssog. JPMorgan-Analyst Toby Ogg wies darauf hin, dass der Schwung bei Oracles Cloud-Apps erstmals nachgelassen habe. Das sende auch ein leicht negatives Signal für SAPs kurzfristige Aussichten im Geschäft mit Unternehmenssoftware.
Eigene Zahlen sprechen eine andere Sprache
SAPs operative Kennzahlen aus dem ersten Quartal 2026 stehen im klaren Kontrast zur Kursentwicklung. Der Cloud-Umsatz wuchs um 27 Prozent. Der Gesamtumsatz kletterte auf 9,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Der Cloud-Backlog wuchs währungsbereinigt auf 21,9 Milliarden Euro — ein Auftragspolster, das zeigt: Kunden bestellen weiter.
Für das Gesamtjahr peilt SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an. Zur Finanzierung der laufenden KI-Akquisitionsstrategie platzierte SAP im Mai eine Anleihe über 3,5 Milliarden Euro in vier Tranchen.
Datenebene als strategische Wette
SAP hat zuletzt drei Übernahmen abgeschlossen. Reltio liefert Software für Master Data Management und hilft Kunden, Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen KI-tauglich zu machen. Dremio soll Echtzeitanalysen in der SAP Business Data Cloud ermöglichen. Prior Labs bringt Know-how bei KI-Modellen für strukturierte Daten ein.
Das Ziel: SAP will nicht nur Anwendungen mit KI-Funktionen ausstatten, sondern die Datenebene selbst kontrollieren.
Allerdings zeigt die kostenfreie Joule-Laufzeit bis Ende 2026, dass SAP die Nutzung seines KI-Assistenten aktiv anschieben muss. Ob daraus zahlungspflichtige Umsätze werden, entscheidet sich erst später.
Halbjahresbericht als nächster Kurstest
Am 23. Juli veröffentlicht SAP den Halbjahresbericht. Investoren achten dabei besonders auf den Cloud-Auftragsbestand und die Cloud-Bruttomarge — beides zeigt, ob die KI-Strategie kommerziell Fahrt aufnimmt. Hält das Wachstumstempo aus dem ersten Quartal, dürfte der Druck durch externe Sektorfaktoren schwerer zu rechtfertigen sein.
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