Nach schwachen Monaten kommt bei SAP wieder Bewegung in die Aktie. Die Quartalszahlen vom 23. Juli haben die Erwartungen übertroffen, vor allem im Cloud-Geschäft. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu, und auch der Cloud-Auftragsbestand entwickelte sich kräftig. Der Markt honorierte das mit einer spürbaren Kurserholung: Binnen 30 Tagen hat das Papier um 18,70 Prozent zugelegt. Aktuell notiert die Aktie bei 169,58 Euro und damit knapp unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt, von dem sie nur noch 2,20 Prozent entfernt liegt – ein Signal dafür, dass sich der mittelfristige Abwärtstrend allmählich auflöst.
Widerstandszone und Kursziele
Charttechnisch hat sich bei 170 Euro eine Widerstandszone gebildet. Gelingt der Ausbruch, sehen Beobachter Potenzial bis 193 Euro. Der Analystenkonsens geht im Schnitt von einem Kursziel um 201,55 Euro aus – ein Aufwärtspotenzial von rund 17 Prozent gegenüber dem Niveau nach den Zahlen. Andere Stimmen sind vorsichtiger und verorten den Konsens bei rund 190 Euro, was einem Plus von etwa 12 Prozent entspräche. Trotz der Kluft zwischen den Schätzungen zeigt die Richtung übereinstimmend nach oben, getragen vom starken Cloud-Momentum.
Parallel zur Erholung setzt der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm fort. Zwischen dem 27. und 31. Juli erwarb SAP 2,18 Millionen eigene Aktien über Xetra für insgesamt 344,3 Millionen Euro, zu einem Durchschnittskurs von 157,62 Euro. Die Käufe nahmen im Wochenverlauf spürbar zu: Am 27. Juli erwarb SAP noch knapp 79.400 Aktien, am 31. Juli bereits gut 670.000. Für Anleger ist das ein Signal, dass der Vorstand die eigene Aktie trotz der Kursschwäche der vergangenen zwölf Monate als unterbewertet einstuft.
Klein macht den KI-Umbau zur Chefsache
Hinter der Kurserholung steht allerdings ein Unternehmen, das sich selbst unter Druck sieht. Vorstandschef Christian Klein hat zum 1. Juli die Leitung des internen Projekts Fuji übernommen, das die Business Suite und die Transaktionsplattform von SAP neu ausrichtet. Entwicklungschef Alam gibt diese Zuständigkeit ab, bleibt aber laut Vertrag bis März 2027 an Bord. Klein begründet den Schritt mit dem Tempo der Konkurrenz: „Niemand in den USA oder China wartet auf uns“, sagte er und betonte, die KI-Transformation sei größer als der frühere Umstieg auf die Cloud, aus dem SAP 2025 einen Umsatz von 21,02 Milliarden Euro zog. Sein Anspruch: SAP-eigene KI-Anwendungen sollen Geschäftsprozesse besser verstehen als allgemeine Agenten etwa von Anthropic.
Wie ernst es SAP mit eigenständigen KI-Werkzeugen meint, zeigt ein Fall aus der jüngeren Vergangenheit. Der Konzern hatte über 60 Millionen Euro in den Automatisierungsspezialisten n8n investiert und hält daran einen Anteil von knapp 1,3 Prozent bei einer Bewertung von 4,5 Milliarden Euro. Zugleich baute ein internes Team heimlich, unterstützt von KI-Coding-Werkzeugen wie Claude Code, Cursor und Codex, ein Konkurrenzprodukt zu n8n auf – bis der Vorstand das Projekt stoppte. Der Vorfall unterstreicht, wie schnell sich SAP im eigenen Ökosystem bewegen will, aber auch, wie unkoordiniert dieser Ehrgeiz zeitweise ablief.
Konkurrenzdruck bei Oracle als Kontrastfolie
Im Wettbewerbsumfeld liefert vor allem Oracle einen Kontrast zur SAP-Strategie. Der US-Rivale trägt langfristige Verbindlichkeiten von 167,4 Milliarden Dollar und zahlt rund 1,5 Milliarden Dollar Zinsen pro Quartal. Die Ratingagentur S&P senkte die Kreditwürdigkeit auf BBB-, nur eine Stufe über Ramschniveau, während die Ausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen ein Rekordhoch erreichten – Werte, die selbst das Niveau der Finanzkrise übertreffen. Für SAP, das seinen Umbau bislang aus eigener Kraft und über Aktienrückkäufe finanziert, wirkt das wie ein Beleg dafür, dass der KI-Wettlauf auch finanzielle Risiken birgt, wenn er zu aggressiv fremdfinanziert wird. Auf internationaler Ebene bleibt SAP zudem im Geschäft: Malaysia signalisierte jüngst Interesse an einer engeren Zusammenarbeit zur digitalen Transformation des öffentlichen Sektors – ein Hinweis darauf, dass das Kerngeschäft parallel zum KI-Umbau weiterläuft.
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