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SAP Aktie: 178,66 Euro – RSI 74,9 signalisiert Überkauf

SAP-Aktie steigt dank Aktienrückkauf auf DAX-Spitze, obwohl die operative Ergebnisspanne leicht gesenkt wurde. Analysten warnen vor überkauftem Niveau.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursrally ohne operative Neuigkeiten
  • Rückkaufprogramm über zehn Milliarden Euro
  • CEO Klein äußert Wettbewerbsdruck
  • RSI signalisiert überkaufte Aktie

Wer in dieser Woche auf die SAP-Aktie geschaut hat, konnte sich die Augen reiben: Am Freitag führte das Papier den DAX an, kletterte auf den höchsten Stand seit rund einem halben Jahr und schloss bei 178,66 Euro – ein Tagesplus von 3,46 Prozent. Bemerkenswert dabei: Es gab an diesem Tag keine neuen Geschäftszahlen, die diesen Sprung erklären würden. Für mich ist genau das der eigentliche Punkt dieser Geschichte. Der Auslöser lag nicht in operativer Substanz, sondern in einer Kapitalmarktmitteilung, mit der SAP am Dienstag ein neues Aktienrückkaufprogramm ankündigte. Ich finde, diese Unterscheidung verdient mehr Aufmerksamkeit, als ihr derzeit geschenkt wird.

Wie viel Substanz steckt im Rückkauf?

Der Rückkauf ist kein einmaliges Signal, sondern läuft seit Monaten. Am Donnerstag meldete SAP, dass in der vergangenen Woche 2,18 Millionen eigene Aktien erworben wurden – im Zeitraum vom 27. bis 31. Juli über Xetra, für rund 344,3 Millionen Euro. Der durchschnittlich gezahlte Kurs lag bei 157,62 Euro je Aktie, deutlich unter dem aktuellen Niveau. Insgesamt läuft ein Programm über zehn Milliarden Euro bis Ende 2027, von dem SAP nach eigenen Angaben bereits 2,6 Milliarden Euro investiert hat. Aus meiner Sicht ist das ökonomisch klug: Wer im Juli zu 157 Euro einkauft und die Aktie im August bei fast 179 Euro sieht, hat den Aktionären real Wert zugeführt. Aber ein Rückkauf schafft keine neuen Kunden, keine neuen Cloud-Verträge – er verknappt lediglich das Angebot an Aktien. Dass allein diese Ankündigung reicht, um den DAX anzuführen, sagt für mich mehr über die Marktstimmung als über das Geschäft.

Hinzu kommt: Die Guidance für das laufende Jahr wurde am vergangenen Dienstag im Zuge der Quartalszahlen nicht angehoben, sondern leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro operatives Ergebnis eingeengt – zuvor war eine Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Der starke Cloud-Auftragsbestand, der die Erwartungen übertraf, bleibt zweifellos ein positives Signal. Doch dass eine leicht gesenkte Ergebnisspanne und ein Rückkaufprogramm zusammen eine derartige Rally auslösen, zeigt für mich ein gewisses Missverhältnis zwischen Nachrichtenlage und Kursreaktion.

Kleins Warnruf passt nicht zur Kursparty

Parallel dazu hat mich ein anderes Detail aufhorchen lassen. Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte CEO Christian Klein am Mittwoch offen: „Ich spüre den Druck.“ Er warnte, niemand in den USA oder China warte auf SAP, alle wollten das Unternehmen schlagen. Den KI-Umbau nannte er eine noch größere Transformation als den früheren Wechsel zur Cloud. Das ist eine ungewöhnlich unverblümte Ansage eines Vorstandschefs – gerade in einer Woche, in der die eigene Aktie als stärkster DAX-Wert gefeiert wird. Für mich passt das nicht recht zusammen: Ein Management, das öffentlich Wettbewerbsangst formuliert, während der Kurs auf technische Höchststände klettert. Auf der anderen Seite hat ein Vorstandsmitglied Ende Juli, konkret am 24. Juli, 2.435 eigene Aktien zu 133,56 Euro gekauft – ein Vertrauenssignal, das zumindest zeitlich vor der aktuellen Rally lag und damit an Aussagekraft gewinnt.

Mein Fazit: Rally mit Risiko

Unterm Strich sehe ich zwei Wahrheiten gleichzeitig. Die Cloud-Sparte wächst solide, das Rückkaufprogramm ist real und mit über zwei Milliarden Euro bereits weit fortgeschritten – das ist keine leere Ankündigung. Gleichzeitig ist der jüngste Kurssprung technisch überzogen: Ein RSI von 74,9 signalisiert eine klar überkaufte Aktie, und ein Kursfeuerwerk ohne neue operative Zahlen als Treiber ist per Definition fragil. Für mich überwiegt aktuell die Skepsis gegenüber der kurzfristigen Dynamik, ohne dass ich die mittelfristige Story – Cloud-Wachstum, KI-Investitionen, Kapitalrückführung – infrage stelle. Wer jetzt auf die Aktie schaut, sollte meiner Einschätzung nach zwischen der nachhaltigen Geschichte und dem kurzfristigen, rückkaufgetriebenen Kursschub unterscheiden. Beides zusammen in einen Chart zu packen, verzerrt das Bild.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.