Oracle lieferte Rekordquartale — und löste damit eine Verkaufswelle im europäischen Softwaresektor aus. SAP traf es besonders hart.
Warum Oracle SAP belastet
Oracle meldete am 10. Juni Rekordumsatz und einen Gewinn über den Erwartungen. Trotzdem brach die Aktie nachbörslich ein. Der Grund: Oracle kündigte Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 an — weit über den Schätzungen der Wall Street.
Das Signal an den Markt war eindeutig. Hohe Capex-Ausgaben bedeuten steigende Kosten im gesamten Sektor. Margen geraten unter Druck. Hinzu kam eine Abstufung europäischer IT-Aktien durch die UBS.
Goldman Sachs senkte daraufhin die Bruttomargenprognose für SAP. Als Begründung nannte die Bank erhöhte Hardwarekosten in der zweiten Jahreshälfte 2026. JPMorgan ließ die Bewertung bei „Neutral“ und das Kursziel bei 175 Euro unverändert. Analyst Toby Ogg stellte fest, dass sich das Wachstum im Cloud-Anwendungsgeschäft von Oracle erstmals im laufenden Geschäftsjahr etwas abgeschwächt hat — ein mögliches Warnsignal für den gesamten Sektor.
Obendrein revidierte Goldman Sachs seine Zinsprognose für die US-Notenbank. Zinssenkungen verschiebt die Bank vollständig aus 2026 in das Jahr 2027. Für hoch bewertete Wachstumstitel wie SAP erhöht das den Abzinsungsfaktor — und drückt auf die Bewertung.
Kurs nahe am 52-Wochen-Tief
SAP schloss zuletzt bei 139,10 Euro. Das entspricht einem Minus von rund 31 Prozent seit Jahresbeginn und fast 45 Prozent unter dem Stand vor zwölf Monaten. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 135,52 Euro — der aktuelle Kurs ist nur knapp 2,6 Prozent davon entfernt.
Starke Fundamentaldaten, schwacher Kurs
Die operative Entwicklung erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Cloud-Umsatz um 27 Prozent. Der Gesamtumsatz erreichte 9,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 24 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu.
Der Cloud-Backlog kletterte währungsbereinigt auf 21,9 Milliarden Euro. Kunden bestellen also weiter — trotz makroökonomischer Unsicherheit.
Für das Gesamtjahr peilt SAP einen Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an. Der Free Cashflow soll rund 10 Milliarden Euro erreichen.
Akquisition und Anleihe stärken die Basis
SAP treibt parallel seine Datenstrategie voran. Im Mai schloss der Konzern die Übernahme von Reltio ab — einem Anbieter von Master Data Management Software. Reltio hilft Unternehmen, Daten aus verschiedenen Quellen zu vereinheitlichen und für KI-Anwendungen vorzubereiten.
Zur Finanzierung dieser und weiterer Akquisitionen hat SAP eine Eurobond-Transaktion über 3,5 Milliarden Euro in vier Tranchen abgeschlossen. Die Ratings von Moody’s (A1, stabil) und S&P (A+, stabil) blieben dabei unberührt.
Am 23. Juli 2026 veröffentlicht SAP die Ergebnisse des zweiten Quartals. Entscheidend wird sein, ob Cloud-Auftragsbestand und Cloud-Bruttomarge das Tempo aus dem ersten Quartal halten — denn daran misst der Markt, ob die KI-Strategie kommerziell trägt.
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