Starke Kaufempfehlungen auf der einen Seite, ein massiver Kursverfall auf der anderen. Bei SAP klaffen Analystenmeinungen und Marktrealität derzeit weit auseinander. Die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns markierte am Donnerstag bei 130,80 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.
Mehrere Großbanken haben ihre Einstufungen in der vergangenen Woche bestätigt. Berenberg und UBS halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Sie verweisen auf das Cloud-Wachstum und stabile Abo-Erlöse. Das durchschnittliche Kursziel von 66 Analysten liegt bei rund 247 Euro.
Der Aktienkurs spiegelt das nicht wider. Im Gegenteil. Seit Jahresbeginn hat das Papier gut 35 Prozent an Wert verloren. Aktuell notiert die Aktie bei 131,02 Euro. Damit bewegt sie sich deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von rund 148 Euro. Ein schwacher Ausblick der Beratungsgesellschaft Accenture riss zuletzt die gesamte Software-Branche nach unten.
Juristische Baustellen wachsen
Neben dem trüben Branchenumfeld belasten juristische Konflikte den Kurs. In den USA muss sich SAP einer Kartellklage des Prozessanalytik-Anbieters Celonis stellen. Ein Bundesrichter ließ Vorwürfe des unlauteren Wettbewerbs zu. Der Prozess beginnt am 7. Dezember 2026. Das Gericht ordnete bereits eine umfangreiche Beweiserhebung an.
Parallel dazu prüft die Europäische Kommission das Geschäftsgebaren. Die Behörde befürchtet eine Einschränkung des freien Wettbewerbs. SAP blockiere angeblich den Wechsel zu konkurrierenden Wartungsanbietern. Das Unternehmen bestreitet dies. Die Bedenken betreffen laut SAP nur spezifische Richtlinien im traditionellen Geschäft, nicht das Cloud-Angebot.
Warten auf harte Fakten
Neue Impulse aus der Konzernzentrale fehlen derweil. SAP hat die offizielle Ruhephase vor den Quartalszahlen eingeläutet. Bis zur Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse Ende Juli schränkt das Management die Kommunikation ein. Diese Pause ist Standard. Die Folge: ein Informationsvakuum.
Die kommenden Q2-Zahlen Ende Juli liefern die nächsten harten Fakten. Als DAX-Schwergewicht setzt SAP damit den Ton für den europäischen Tech-Sektor. Verfehlt das Cloud-Wachstum die hohen Analystenerwartungen, verliert das durchschnittliche Kursziel von 247 Euro seine Grundlage.
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