Ein Hedgefonds-Star verkauft seine komplette Position. Ein Wall-Street-Journal-Bericht über riesige versteckte Verbindlichkeiten der Tech-Branche schickt den Kurs auf Talfahrt. Und mittendrin: eine Aktie, die im laufenden Jahr trotzdem um mehrere hundert Prozent gestiegen ist. Sandisk erlebt gerade eine der wildesten Wochen seiner Börsengeschichte.
Am Freitag notiert die Aktie bei 1.380 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent. Der Kurs liegt damit rund 4,7 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.448,70 Euro. Zur Einordnung: Vom Rekordhoch bei 2.060 Euro aus Ende Juni trennen die Aktie noch immer 33 Prozent.
Vom Investoren-Tag zum Ausverkauf
Ausgelöst hatte die jüngste Rally ein Investorentag mit starken Quartalszahlen. Die Kursgewinne zogen schnell die Aufmerksamkeit der Wall Street auf sich – allerdings nicht nur positiv.
Morgan Stanley veröffentlichte einen Bericht zur institutionellen Positionierung. Die Kernaussage: Große Fonds halten in Sandisk eine überproportional hohe Gewichtung, gemessen an der Aktie im S&P 500. Das weckte Sorgen vor überfüllten Positionen und einem möglichen Angebotsüberhang, sollte es zu Gewinnmitnahmen kommen.
Dann kam der nächste Schlag. Das Wall Street Journal berichtete, führende Tech-Konzerne trügen zusammen drei Billionen Dollar an bilanzunwirksamen KI-Verpflichtungen. Sandisk brach daraufhin um 9 Prozent ein – Marktbeobachter werteten dies als klassische Gewinnmitnahme angesichts der enormen Kursgewinne seit Jahresbeginn. Steigende Anleiherenditen verschärften den Druck zusätzlich. Sandisk fiel gemeinsam mit Micron, weil höhere Treasury-Renditen die Bewertungen im gesamten Halbleitersektor drückten. Das war ein Zins-Thema, keine unternehmensspezifische Nachricht.
Erste Stabilisierungsversuche
Am Mittwoch gab es nach einem brutalen Kurseinbruch von über 9 Prozent am Vortag eine erste Erholung. Zum Vergleich: Die Aktie steht trotz der Turbulenzen noch immer 591 Prozent höher als zu Jahresbeginn.
Am Donnerstag legte der Kurs im vorbörslichen Handel um mehr als 1 Prozent zu. Einen klaren unternehmensspezifischen Auslöser gab es dafür nicht – es wirkte wie ein reiner Erholungsversuch nach der Talfahrt. Charttechnisch blieb die Aktie über ihrer langfristigen Trendlinie, allerdings unter einem wichtigen mittelfristigen gleitenden Durchschnitt.
Tepper verabschiedet sich
Zur Verunsicherung trug eine weitere Nachricht bei: David Tepper hat mit seinem Fonds Appaloosa Management die komplette Sandisk-Position aufgelöst. Die Quartalsmeldung vom 14. August zeigte keine einzige Aktie mehr im Portfolio – zuvor hielt der Fonds 281.250 Stück.
Der Ausstieg passt nicht recht zur Welle optimistischer Analystenkommentare, die dem Investorentag folgte. Kein Wunder, dass Anleger die Divergenz aufmerksam registrieren.
Das eigentliche Argument: Langfristverträge
Trotz aller Volatilität bleibt die strategische Story hinter der Rally intakt. Sandisk hatte am Investorentag ein neues Geschäftsmodell vorgestellt, das auf mehrjährigen Lieferverträgen mit fixen Mengen und Preisen basiert.
Acht Kunden haben bereits unterschrieben. Zusammen entsprechen ihre Verträge rund 50 Prozent der erwarteten NAND-Bit-Lieferungen bis zum Geschäftsjahr 2027 und etwa zwei Dritteln für 2028. Der Gesamtwert dieser Verträge liegt zum Mindestpreis bei 93,9 Milliarden Dollar – das Vierfache des für 2026 erwarteten Jahresumsatzes. Die durchschnittliche Vertragslaufzeit übersteigt vier Jahre.
Analysten sind sich uneinig, wie tragfähig dieses Modell in einem künftigen Branchenabschwung wirklich ist. Manche Trader sehen den Kursrückgang als Kaufgelegenheit nahe wichtiger charttechnischer Unterstützung. Andere zweifeln daran, dass Sandisk sein neues Margenziel von 80 Prozent halten kann, sobald sich der NAND-Markt eintrübt.
Die Volatilität der vergangenen Woche – bei einer annualisierten Schwankungsbreite von 142 Prozent über 30 Tage – dürfte vorerst anhalten. Der Markt muss zwei Dinge gleichzeitig verdauen: die strukturelle Wachstumsstory rund um KI-getriebene NAND-Nachfrage und das kurzfristige Risiko weiterer Gewinnmitnahmen nach einer der spektakulärsten Kursrallys des Jahres.
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