SanDisk-Aktien schlossen am Freitag bei 1.190,00 Euro, ein Minus von 4,03 Prozent. Binnen einer Woche verlor die Aktie 29,17 Prozent. Mitten in diesem Absturz taucht eine Nachricht auf, die für Diskussionsstoff sorgt: Meta Platforms hat sich SanDisk als langfristigen Lieferanten gesichert.
Meta baut sein Lieferanten-Netzwerk aus
Ein internes Meta-Memo, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, bringt Klarheit. Meta will ab September einen neuen KI-Chip produzieren und damit seine Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz bis nächstes Jahr auf 14 Gigawatt verdoppeln. Für die eigene Chip-Entwicklung hat der Facebook-Mutterkonzern ein Netzwerk aus Zulieferern aufgebaut. SanDisk gehört dazu.
Konkret hat Meta einen langfristigen Vertrag über Flash-Speicher für seine Rechenzentren abgeschlossen. Das passt zu einem Muster: SanDisk hatte beim April-Quartalsbericht bereits fünf mehrjährige Lieferverträge vermeldet. Drei davon wurden im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 unterschrieben, zwei danach.
Allein die drei älteren Verträge sollen Erlöse von mindestens 42 Milliarden Dollar bringen. Zum Vergleich: Der Umsatz der vergangenen zwölf Monate lag bei 13,2 Milliarden Dollar. Die Auftragspipeline übersteigt den laufenden Jahresumsatz damit um ein Vielfaches.
Sektorweiter Ausverkauf, kein Firmenproblem
Der Kurssturz hat wenig mit SanDisk selbst zu tun. Steigende Ölpreise und wachsende Spannungen zwischen den USA und dem Iran lösten einen breiten Risk-off-Trend bei Halbleiterwerten aus. Anleger nahmen nach der Rally der vergangenen Monate Gewinne mit.
Hinzu kommt Sorge vor chinesischer Konkurrenz im Speicherchip-Markt und vor sinkenden Preisen für Flash-Speicher. Die Aktie fiel dabei unter die als wichtig geltende Marke von 1.500 Dollar. Mit einem RSI von 38,8 nähert sich der Titel der überverkauften Zone – ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf technisch weit fortgeschritten ist.
Analysten erhöhen Kursziele trotz Absturz
Während der Kurs fiel, kletterten die Kursziele der Analysten in die andere Richtung. Dieser Kontrast ist auffällig: Der durchschnittliche Zielkurs stieg auf 2.144,14 Dollar, rund 33 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Mehrere Häuser haben in den vergangenen zwei Wochen kräftig nachgezogen:
- Evercore ISI (Amit Daryanani): Kursziel von 1.400 auf 3.100 Dollar angehoben, Rating „Outperform“ bestätigt
- Citi: Kursziel bei 2.500 Dollar bestätigt, verweist auf günstige Angebotsbedingungen und anhaltende KI-Nachfrage nach Speicher
- Goldman Sachs (James Schneider, 5. Juli): Kursziel von 1.200 auf 2.200 Dollar erhöht, Rating „Buy“ bestätigt, erwartet ein starkes Quartal wegen knapper NAND-Lieferketten
- Argus (Jim Kelleher): Coverage neu aufgenommen mit „Hold“, verweist auf einen Umsatzsprung von 251 Prozent im dritten Fiskalquartal
Nicht jeder teilt den Optimismus in vollem Umfang. Argus bleibt vorsichtiger positioniert als die übrigen Häuser, auch wenn Kelleher SanDisks Führungsposition bei NAND-Flash und hochkapazitiven SSDs lobt.
Kioxia-Partnerschaft liefert operative Fortschritte
Parallel zur Marktturbulenz meldet SanDisk technischen Fortschritt. Gemeinsam mit dem langjährigen Partner Kioxia hat der Konzern die Produktion der zehnten Generation von 3D-NAND-Flash-Speicher gestartet. Der Standort: die Fab2-Anlage im japanischen Kitakami-Komplex.
Die neuen Kapazitäten richten sich an Enterprise-Computing, Hyperscale-Cloud-Infrastruktur und KI-Anwendungen. Für Rechenzentren der nächsten Generation soll das zusätzliche Volumen entscheidend sein.
Zwei Termine im August entscheiden
Am 5. August legt SanDisk die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor, am 13. August folgt der Investor Day. Beide Termine geben dem Management Gelegenheit zu zeigen, ob Preise, Kundenverträge und Rechenzentrums-Nachfrage den aktuellen Speicher-Boom über den Zyklus hinaus tragen können.
Bis dahin dürfte die Aktie volatil bleiben. Der Meta-Vertrag liefert ein weiteres Argument für die These, dass langfristige Lieferverträge SanDisk vor den scharfen Preisschwankungen schützen, die die NAND-Branche traditionell prägen. Mit einem Abstand von über 40 Prozent zum Juni-Hoch zeigt der Markt aber deutlich: Überzeugt von einem Ende der Korrektur ist bislang niemand.
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