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SanDisk Aktie: KI-Algorithmus belastet

Ein neuer KI-Algorithmus von Google drückt die Kurse von Speicherchip-Herstellern. Große Investmentbanken sehen darin jedoch eine fundamentale Fehleinschätzung und verweisen auf das Jevons-Paradoxon.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Googles TurboQuant reduziert KI-Speicherbedarf drastisch
  • SanDisk-Aktie verliert rund 15 Prozent auf Wochensicht
  • Banken sehen Abverkauf als Einstiegsgelegenheit
  • Robuste Fundamentaldaten und KI-Superzyklus stützen Geschäft

Ein neuer KI-Algorithmus von Google hat diese Woche die gesamte Speicherchip-Branche auf Talfahrt geschickt. Die Technologie verspricht massive Einsparungen beim Speicherbedarf und weckte bei Anlegern sofort Sorgen um die zukünftige Nachfrage. Während die Papiere von Branchengrößen wie SanDisk deutlich nachgaben, sehen große Wall-Street-Banken in der Marktreaktion jedoch einen fundamentalen Denkfehler.

Effizienz-Sprung mit Nebenwirkungen

Am 24. März präsentierte Google mit „TurboQuant“ eine Innovation, die den Speicherbedarf von großen Sprachmodellen drastisch reduziert. Der Algorithmus komprimiert bestimmte Datenstrukturen ohne Genauigkeitsverlust auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe. Für Hersteller von Speicherchips klang das zunächst nach einer handfesten Bedrohung für ihr Geschäftsmodell.

Zusätzlich sorgte eine strategische Entscheidung bei SanDisk für Zurückhaltung. Das Unternehmen investierte eine Milliarde US-Dollar in den taiwanesischen Entwickler Nanya Technology. Der Kauf sichert zwar langfristig wichtige DRAM-Komponenten mit einem Preisabschlag, bindet das Kapital aber durch eine dreijährige Haltefrist. Diese Kombination aus technologischer Unsicherheit und Kapitalbindung drückte den Kurs auf Wochensicht um rund 15 Prozent, wobei die Aktie am gestrigen Donnerstag bei 603,17 US-Dollar aus dem Handel ging.

Das Jevons-Paradoxon greift

Führende Investmentbanken halten den Abverkauf für eine klare Fehlinterpretation. Analysten von Morgan Stanley und Wells Fargo verweisen auf ein bekanntes ökonomisches Prinzip: das Jevons-Paradoxon. Dieses besagt, dass eine höhere Ressourceneffizienz letztlich zu einem Anstieg des Gesamtverbrauchs führt.

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Konkret bedeutet das: Wenn KI-Modelle durch TurboQuant effizienter und günstiger arbeiten, dürfte dies die weltweite Implementierung der Technologie massiv beschleunigen. Zudem betrifft der Algorithmus lediglich die Anwendungsphase der KI. Das rechenintensive Training der Modelle und der dafür benötigte Hochleistungsspeicher bleiben davon unberührt. Morgan Stanley rät Kunden daher, den jüngsten Kursrutsch als Einstiegsgelegenheit zu betrachten.

Fundamentaldaten bleiben intakt

Auch abseits der Algorithmus-Debatte zeigt sich das operative Geschäft robust. Bei jüngsten Investorentreffen mit der Bank of America bestätigte das SanDisk-Management die bestehenden Prognosen. Das Unternehmen profitiert weiterhin von einer starken Preisentwicklung bei NAND-Speichern und dem Wunsch vieler Kunden nach langfristigen Lieferverträgen.

Für das laufende dritte Quartal peilt der Konzern einen Umsatz von bis zu 4,8 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von 66 Prozent an. Getragen wird dieses Wachstum vom ungebrochenen KI-Superzyklus. Da Technologiegiganten wie Meta, Microsoft und Alphabet in diesem Jahr gemeinsam rund 650 Milliarden US-Dollar in ihre Infrastruktur investieren, bleibt die Nachfrage nach Hochleistungsspeichern gesichert. Mit einem Kursplus von gut 119 Prozent seit Jahresbeginn ist der übergeordnete Aufwärtstrend der Aktie weiterhin intakt.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.