Nach einem turbulenten Monat schöpfen SanDisk-Anleger am heutigen Montag neue Hoffnung. Die Aktie legt um 6,67 Prozent auf 1.120,00 Euro zu und gleicht damit einen Teil der jüngsten Verluste aus. Der Kurssprung kommt zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten Bilanz zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, die SanDisk am Mittwoch nach US-Börsenschluss vorlegen will.
Trotz der Erholung bleibt die Bilanz der vergangenen Wochen deutlich negativ: Auf Monatssicht notiert die Aktie noch immer 32,53 Prozent im Minus, zum Rekordhoch von 2.060,00 Euro aus dem Juni fehlen 45,63 Prozent. Der Absturz traf die gesamte Speicherchip-Branche und wurde durch panikartige Verkäufe in Südkorea zusätzlich verschärft.
Zwangsverkäufe und Korea-Crash belasten den Sektor
Der südkoreanische Leitindex Kospi brach am heutigen Montag um 5 Prozent ein, Samsung und SK Hynix verloren an ihrer Heimatbörse jeweils rund 9 Prozent. Der Rückgang kehrte einen Teil der Rekordrally von Freitag um, als der Kospi einen historischen Anstieg von 178 Prozent verzeichnet hatte. Verschärft wurde der Ausverkauf durch Zwangsverkäufe des Hedgefonds Situational Awareness von Leopold Aschenbrenner. Der Fonds verlor im Juli 67 Prozent und musste nach Margin Calls seine gehebelten Positionen in SK Hynix, CoreWeave und SanDisk größtenteils an Citadel abgeben.
Morgan Stanley bezeichnete den Ausverkauf als „weitgehend technisch“ und als „Leverage-Washout“. Die Bank stufte koreanische Aktien auf Overweight hoch und sieht für den Kospi ein Erholungspotenzial von 36 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Auch die US-Konkurrenz geriet in den Sog des Abverkaufs: Mehrere große Speicherchip-Titel gaben am Montag zwischen 5 und 6 Prozent nach.
SanDisk selbst rutschte im frühen US-Handel zeitweise um 1,5 Prozent auf 1.197 Dollar ab, bevor die Aktie drehte und im weiteren Tagesverlauf bis auf 1.316,44 Dollar kletterte. Dieses Hin und Her unterstreicht die Nervosität der Anleger vor den anstehenden Zahlen.
Blick auf die Quartalszahlen am Mittwoch
Für das vierte Quartal stellt SanDisk einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar in Aussicht – der Mittelwert entspräche einem Plus von 320 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die von Analysten erwartete Marke liegt minimal darüber. Die bereinigte Gewinnprognose reicht von 30 bis 33 Dollar pro Aktie, spürbar über dem Vorjahreswert von 0,29 Dollar. Die Bruttomarge soll auf einem hohen Niveau bleiben.
Im dritten Quartal hatte SanDisk einen Umsatz von 5,95 Milliarden Dollar erzielt – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorquartal – bei einem Gewinn von 23,41 Dollar pro Aktie und einer Bruttomarge von 78,4 Prozent. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft trieb das Wachstum: Der Umsatz mit Speicherlösungen für Rechenzentren kletterte auf 1,47 Milliarden Dollar – mehr als siebenfach so viel wie vor einem Jahr.
Rückenwind erhält SanDisk zudem von fünf langfristigen Abnahmeverträgen, die nach Unternehmensangaben Mindestumsätze von 62 Milliarden Dollar sowie Garantien und Vorauszahlungen von über 11 Milliarden Dollar sichern. Das Flashprodukt BiCS8 befindet sich zudem in der Qualifizierung bei zwei Hyperscalern, das Gemeinschaftsunternehmen mit Kioxia wurde bis Dezember 2034 verlängert.
Analysten bleiben trotz Crash optimistisch
Evercore-Analyst Amit Daryanani votiert mit einem Kursziel von 3.100 Dollar für Kaufen. Das Analysehaus Zacks Investment Research stuft die Aktie auf die Bestnote Strong Buy mit Wachstumsnote A. Der durchschnittliche Kurszielkonsens an der Wall Street liegt bei 2.397,27 Dollar und impliziert ein Aufwärtspotenzial von 99,3 Prozent – mehrere Häuser haben ihre Ziele in den vergangenen Monaten trotz des Ausverkaufs deutlich angehoben.
Der Optionsmarkt preist für die Reaktion auf die Zahlen am Mittwoch eine Bewegung von rund 18 Prozent in beide Richtungen ein. Das zeigt, wie hart die Wall Street mit einem entscheidenden Kurssprung rechnet – unabhängig davon, ob SanDisk die hoch gesteckten Erwartungen am Ende übertrifft oder verfehlt.
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