Selten lagen Rekordgewinn und Stellenabbau bei einem Konzern so nah beieinander wie aktuell bei Samsung Electronics. Während die Chipsparte einen historischen Gewinnsprung verbucht, fallen in den USA hunderte Jobs weg – und die Aktie steckt mitten in einem breiten Ausverkauf koreanischer Halbleiterwerte.
Jobabbau im Zuge des Texas-Umzugs
Der Auslöser für die Kürzungen liegt in der geplanten Verlegung der US-Zentrale von New Jersey nach Texas. In Englewood Cliffs treffen die Einschnitte 739 Stellen, ein Großteil der Betroffenen erhielt jedoch ein Umzugsangebot statt einer Kündigung. Am Standort Plano in Texas verloren zusätzlich rund 100 Beschäftigte ihren Job, darunter auch Mitarbeiter der Mobilsparte. Parallel kündigte die IT-Tochter Samsung SDS America den Abbau von 179 Stellen in Ridgefield Park an – laut Konzern ausschließlich wegen der eigenen Nordamerika-Zentrale und ohne Zusammenhang zu einer größeren Restrukturierung.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die betroffenen Mitarbeiter in New Jersey waren erst vor weniger als einem Jahr in neue Büros umgezogen. Texas ist für Samsung kein Neuland – der Bundesstaat beherbergt bereits Chipfabriken und den Mobilfunk-Standort des Konzerns, ähnlich wie bei Tesla lockten dort niedrigere Steuern und eine unternehmensfreundlichere Regulierung.
Chipsparte boomt, Mobilgeschäft schwächelt
Der Kontrast zum eigenen Kerngeschäft könnte größer kaum sein. Samsung hatte bereits Anfang Juli einen enormen Anstieg des Betriebsgewinns im zweiten Quartal in Aussicht gestellt, getrieben von der Nachfrage nach KI-Speicherchips. Die Mobil- und Unterhaltungselektroniksparte dagegen dürfte erstmals überhaupt einen Verlust ausweisen – belastet von höheren Chip-Einkaufspreisen und dem Konkurrenzdruck durch Apple sowie chinesische Hersteller bei Fernsehern und Haushaltsgeräten. Intern soll das Auseinanderdriften der Sparten bereits Streit über Bonuszahlungen ausgelöst haben.
Kursverlust im Sog des Kospi-Ausverkaufs
An der Börse in Seoul kam die Aktie am Montag deutlich unter Druck und fiel auf einen Bereich zwischen 243.000 und 245.000 Won, ein Minus von rund 4 bis 5 Prozent. Der breitere Kospi-Index verlor im gleichen Umfeld knapp 5 Prozent. Ausgelöst wurde die Bewegung auch durch massive Verluste bei gehebelten Einzelaktien-ETFs auf Halbleiterwerte, die zuvor von der Rallye rund um KI-Speicherchips profitiert hatten und nun heimische Privatanleger empfindlich treffen. Südkoreas Aufsichtsbehörden reagierten bereits mit strengeren Einlagepflichten für solche Hebelprodukte.
Bis zur Veröffentlichung der vollständigen Quartalszahlen bleibt die Aktie zwischen zwei Erzählungen gefangen: Rekordgewinn in der Chipsparte auf der einen, Sparzwang und Verluste im Konsumgütergeschäft auf der anderen Seite.
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