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Salesforce Aktie: Zwischen KI und Regulierung

CEO Benioff fordert strengere KI-Regulierung, während Salesforce eigene KI-Produkte vorantreibt. Die Aktie notiert deutlich unter dem Jahreshoch bei gemischtem Investorensentiment.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • CEO warnt in Davos vor unregulierter KI
  • Institutionelle Käufe stehen großen Insiderverkäufen gegenüber
  • Kurs liegt ein Drittel unter dem 52-Wochen-Hoch
  • Blick auf Quartalszahlen und möglichen Aktiensplit

Salesforce steht im Zentrum einer doppelten Spannung: Einerseits kämpft die Aktie mit deutlichen Rücksetzern, andererseits positioniert sich CEO Marc Benioff in Davos als einer der lautesten Mahner in Sachen Künstliche Intelligenz. Während er vor „Selbstmord-Coaches“ durch unregulierte KI warnt, treibt das Unternehmen seine eigenen KI-Produkte offensiv voran. Genau dieses Spannungsfeld prägt aktuell die Wahrnehmung von Salesforce an der Börse.

Benioff warnt – und liefert KI-Produkte

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat Benioff am Mittwoch deutliche Worte gefunden. Ohne klare Regeln, so seine Botschaft, könnten KI-Modelle zu „Suicide Coaches“ werden – mit ähnlichen gesellschaftlichen Schäden wie zuvor unkontrollierte soziale Medien. Er griff dabei konkret den US-Rechtsrahmen (Section 230) an, der Technologieunternehmen weitgehend vor Haftung schützt, und stellte provokant die Frage, was wichtiger sei: „Wachstum oder unsere Kinder?“

Gleichzeitig zeigt Salesforce, dass es selbst tief in der KI-Offensive steckt. In Davos stellte der Konzern „EVA“ vor, eine KI-gestützte Concierge-App speziell für Kongressteilnehmer, die auf der Agentforce-360-Plattform aufsetzt. Das Unternehmen kombiniert damit ein klares Plädoyer für strengere Regulierung mit der aktiven Vermarktung fortgeschrittener KI-Agenten – genau diese Doppelstrategie prägt die aktuelle Story rund um die Aktie.

Charttechnisch bleibt der Titel unter Druck: Der Kurs liegt mit 225,45 Euro deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch von 345 Euro, was den anhaltenden Bewertungs- und Stimmungswechsel gegenüber dem Vorjahr unterstreicht.

Institutionelle Investoren und Insider: Geteiltes Bild

Auf Investorenseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Neue Daten vom 21. Januar deuten darauf hin, dass nicht alle großen Adressen Salesforce den Rücken kehren. So hat Anchor Capital Advisors im dritten Quartal seine Position spürbar ausgebaut und die Beteiligung um 48 % auf 43.499 Aktien erhöht. Das Investment beläuft sich damit auf rund 10,31 Millionen US‑Dollar und signalisiert Vertrauen in das langfristige Potenzial.

Ganz anders wirkt dagegen der Blick auf die Insidertransaktionen. In den vergangenen drei Monaten haben Führungskräfte und Unternehmensinsider insgesamt 147.677 Aktien im Volumen von knapp 34,9 Millionen US‑Dollar verkauft. Einen großen Anteil daran hatte Mitgründer Parker Harris, der sich von einem beträchtlichen Paket trennte. Solche Verkäufe können unterschiedliche Gründe haben, doch im Markt werden sie häufig als eher vorsichtiges Signal interpretiert.

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Wichtige Punkte im Überblick

  • Deutliches Sentiment-Gefälle: Institutioneller Zukauf vs. umfangreiche Insiderverkäufe
  • Kurs rund ein Drittel unter dem Niveau vor einem Jahr
  • Benioff als prominente Stimme für schärfere KI-Regeln – bei gleichzeitig aggressivem KI-Ausbau im eigenen Haus

Bewertung, AI-Tsunami und politischer Gegenwind

Fundamental betrachtet bewegt sich die Aktie in einem Spannungsfeld aus Wachstumsfantasie und Bewertungsabschlag. Ein von Simply Wall St zitiertes Discounted-Cashflow-Modell sieht den fairen Wert bei 383,89 US‑Dollar je Aktie – deutlich über dem aktuellen Niveau. Daraus leiten die Modellrechner eine Unterbewertung von mehr als 40 % ab. Auch das KGV von etwa 28,6 liegt unter dem Branchenschnitt von 30,9, was auf einen gewissen Bewertungsrabatt im Vergleich zu anderen Softwarewerten hinweist.

Parallel dazu verschärft sich der Druck rund um das Thema KI. IWF-Chefin Kristalina Georgieva sprach in Davos von einem „Tsunami“, mit dem KI den Arbeitsmarkt treffe. Laut Berichten stehen rund 4.000 Stellenstreichungen bei Salesforce in direktem Zusammenhang mit KI-Umstrukturierungen – ein Hinweis darauf, dass der Konzern seine Strukturen aktiv an die neue Technologie anpasst.

Komplex wird die Lage zusätzlich durch die regulatorische Gemengelage in den USA. Einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien und New York haben in den vergangenen Monaten eigene KI-Sicherheitsgesetze verabschiedet. Gleichzeitig hat Präsident Trump per Executive Order „übermäßige staatliche Regulierung“ gebremst. Unternehmen wie Salesforce bewegen sich damit zwischen unterschiedlichen politischen Vorgaben auf Landes- und Bundesebene – während Benioff öffentlich für strengere Regeln wirbt.

Ausblick: Q4-Zahlen und potenzieller Aktiensplit

Kurzfristig richtet sich der Blick auf den 4. März 2026. Dann will Salesforce die Zahlen für das vierte Quartal 2026 vorlegen. Das Management hat eine Gewinnspanne je Aktie (EPS) von 3,02 bis 3,04 US‑Dollar in Aussicht gestellt. Diese Prognose bildet die Messlatte dafür, ob der Konzern seine KI-Strategie – insbesondere rund um Agentforce – auch ergebnismäßig untermauern kann.

Auf der Bewertungsseite bleibt der Analystenkonsens trotz Kursrückgang verhalten positiv. Die Experten stufen den Titel im Schnitt weiterhin als „Moderate Buy“ ein, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 324,51 US‑Dollar. Zusätzlich kursieren strategische Hinweise auf einen möglichen 4:1-Aktiensplit im April 2026. Ein solcher Schritt würde die Zahl der ausstehenden Aktien vervierfachen und den Kurs optisch senken, ohne an der Fundamentallage etwas zu ändern – könnte aber die Handelbarkeit und Attraktivität für kleinere Anleger erhöhen, falls der Plan bestätigt wird.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.