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Salesforce Aktie: Übernimmt Contentful und Fin

Salesforce steigert KI-ARR deutlich, schließt zwei Übernahmeverträge und plant weitere Schritte für Strategie und Aktienrückkauf.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Agentforce-ARR übersteigt 1,5 Milliarden Dollar
  • KI-Sparten wachsen um 240 Prozent
  • Contentful und Fin werden übernommen
  • Investorentag für September angesetzt

Es gibt Momente, in denen ein Konzern nicht nur Zahlen liefert, sondern eine ganze Branchen-Erzählung umschreibt. Genau das ist Salesforce diese Woche gelungen. Monatelang stand über der Softwarebranche die bange Frage im Raum, ob generative KI die klassischen SaaS-Anbieter nicht überflüssig macht, weil Unternehmen sich ihre Werkzeuge künftig selbst zusammenbauen.

Salesforce hat mit seinem jüngsten Quartalsbericht eine andere These geliefert: Wer die Kundendaten und die Prozesse besitzt, kann die KI-Welle reiten statt von ihr überrollt zu werden.

Der Kurs reagierte am Freitag mit einem weiteren Plus von 3,1 Prozent auf 223,05 Euro, nachdem er bereits am Donnerstag bei 216,40 Euro geschlossen hatte. Das ist die Fortsetzung einer Rally, die vor gut zwei Wochen mit JPMorgans Rückkehr zur Bewertung begann und seither rund 27,6 Prozent Kursgewinn gebracht hat.

Agentforce als Beweisstück

Die eigentliche Substanz hinter der Euphorie ist nicht der Gewinn pro Aktie von 5,90 Dollar, der die Erwartung von 3,27 Dollar pulverisierte, sondern die Dynamik hinter Agentforce.

Das ARR aus Agentforce-Plan und -Lösung übersprang die Marke von 1,5 Milliarden Dollar, kombiniert mit Data 360 liegen die beiden KI-Sparten bei über 3,9 Milliarden Dollar – ein Zuwachs von 240 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist keine Nebengeschäft-Fußnote mehr, das ist ein zweites Standbein, das schneller wächst als alles, was Salesforce bisher gebaut hat.

Damit rückt eine strukturelle Frage in den Vordergrund, die über das einzelne Unternehmen hinausweist: Wird KI zum Totengräber oder zum Turbolader etablierter Softwarehäuser? Salesforce hat mit der Partnerschaft namens Claudeforce, die dem Konzern die Modelle von Anthropic ins eigene Kundensystem verpflanzt, eine Antwort vorweggenommen.

Statt eigene Sprachmodelle von Grund auf zu bauen, kauft sich Salesforce die Intelligenz ein und verkauft sie verpackt in die eigene Enterprise-Infrastruktur weiter. Erste Pilotkunden nutzen das Angebot bereits, eine offene Betaphase ist für September angekündigt.

Zukäufe statt Abwarten

Parallel zur organischen Beschleunigung greift Salesforce auch extern zu. Mit Contentful und Fin wurden zwei separate Übernahmeverträge unterzeichnet, beide Transaktionen sollen unabhängig voneinander noch im dritten Geschäftsquartal abgeschlossen werden. Das passt zum Bild eines Konzerns, der nicht abwartet, wie sich der Markt sortiert, sondern selbst sortiert.

Auch beim Kapitalmanagement bleibt Salesforce aktiv: Die finale Abwicklung des 25-Milliarden-Dollar-Aktienrückkaufprogramms wird für Oktober erwartet. Für den 16. September ist zudem ein Investorentag in San Francisco angesetzt, bei dem der Konzern seine mittelfristige Strategie weiter ausbuchstabieren dürfte.

Nicht jeder Insider teilt den Optimismus in gleicher Wucht. Ein Salesforce-Manager kündigte Ende August den Verkauf von gut 5.000 Aktien im Rahmen der üblichen Vesting-Regularien an, und auch der Hedgefonds von George Soros hatte seine Position im zweiten Quartal bereits vollständig aufgelöst – Bewegungen, die eher Portfoliopflege als Misstrauensvotum sein dürften, angesichts der Dimension der jüngsten Kursbewegung aber dennoch auffallen.

Die eigentliche Wette

Der Kern der Geschichte bleibt trotzdem derselbe: Salesforce hat binnen weniger Tage bewiesen, dass sich Agentenbasierte KI in klingende ARR-Zahlen übersetzen lässt, und nicht nur in Konferenz-Folien.

Ob daraus ein dauerhafter struktureller Vorteil gegenüber schlankeren KI-Herausforderern wird oder nur ein Zwischenhoch vor der nächsten Ernüchterung, wird sich frühestens beim Investorentag im September zeigen.

Bis dahin bleibt die eigentliche Wette bestehen: Gewinnt die Firma, die die Kundenbeziehung besitzt – oder die Firma, die das beste Modell baut? Salesforce hat sich diese Woche entschieden, beide Rollen gleichzeitig zu spielen.

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Diskussion zu Salesforce

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.