Salesforce plant die größte Anleiheemission seiner Geschichte: bis zu 25 Milliarden US-Dollar, um eigene Aktien zurückzukaufen. Das Unternehmen setzt damit auf eine fundamental neue Finanzstrategie – und nimmt dafür Bonitätsabstufungen bewusst in Kauf.
Der Plan: Schulden für Aktienrückkäufe
Der Schritt ist Teil eines umfassenderen Kapitalrückführungsprogramms, das Salesforce gemeinsam mit den Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 angekündigt hatte. Das Unternehmen legte ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 50 Milliarden Dollar auf und erhöhte die Quartalsdividende um 5,8 Prozent auf 0,44 Dollar je Aktie. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr flossen mehr als 14 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurück – das entsprach 99 Prozent des freien Cashflows.
Für die geplante Anleihe hat Salesforce fünf Großbanken mandatiert, darunter JPMorgan Chase und Bank of America. Zuletzt hatte das Unternehmen 2021 Anleihen begeben – damals 8 Milliarden Dollar zur Finanzierung der Slack-Übernahme. Das aktuelle Volumen wäre mehr als dreimal so groß.
CEO Marc Benioff begründete den Kurswechsel damit, dass Salesforce seine Bilanz bisher zu wenig genutzt habe. Tatsächlich lag die Verschuldungsquote vor der Ankündigung bei lediglich 0,29 – ein historisch konservativer Wert.
Ratingagenturen reagieren mit Abstufungen
Die Reaktion der Ratingagenturen ließ nicht lange auf sich warten. Moody’s stufte Salesforce um eine Notch auf A2 herab und bezeichnete die schuldenfinanzierte Rückkaufstrategie als „wesentliche Verschiebung in der Finanzpolitik“. S&P Global Ratings senkte den Ausblick auf negativ. Beide Agenturen sehen die bislang konservative Bilanzstrategie als aufgegeben an.
Parallel dazu senkten mehrere Analysten ihre Kursziele: Northland Securities auf 229 Dollar, TD Cowen auf 250 Dollar, DA Davidson auf 200 Dollar. Als Begründung nennen die Analysten Bedenken zur Wachstumsdynamik und zur Bewertung – vor dem Hintergrund einer zunehmend skeptischen Haltung gegenüber KI-getriebenen Softwareunternehmen.
Starke Zahlen, schwache Bewertung
Das Paradoxe an der Lage: Die Geschäftszahlen sind stark. Im vierten Quartal erzielte Salesforce einen Umsatz von 11,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2026 stand ein Umsatz von 41,5 Milliarden Dollar zu Buche – das schnellste Wachstum seit zwei Jahren. Der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf mit 3,81 Dollar die Konsenserwartung von 3,04 Dollar deutlich.
Besonders das KI-Produkt Agentforce entwickelt sich dynamisch: Innerhalb von 15 Monaten nach dem Launch schloss Salesforce mehr als 29.000 Deals ab, der wiederkehrende Jahresumsatz des Produkts stieg um 169 Prozent auf 800 Millionen Dollar.
Dennoch notiert die Aktie rund 22 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau und deutlich unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 liegt weit unter dem historischen Dreijahresschnitt von 132 – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Wachstumsperspektiven des Unternehmens derzeit deutlich skeptischer bewertet als noch vor wenigen Jahren.
Bewusste Wette auf die eigene Unterbewertung
Salesforce setzt darauf, dass der aktuelle Aktienkurs die tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens nicht widerspiegelt. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 45,8 und 46,2 Milliarden Dollar – ein weiteres Wachstum von rund zehn Prozent. Ob die schuldenfinanzierte Rückkaufstrategie die Bewertungslücke schließt oder neue Risiken schafft, wird sich zeigen, wenn die Anleihe platziert ist und der Markt die veränderte Kapitalstruktur einpreist.
Salesforce-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Salesforce-Analyse vom 11. März liefert die Antwort:
Die neusten Salesforce-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Salesforce-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Salesforce: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
