Salesforce kommt nicht zur Ruhe. Mitten im schwierigen Umbau auf künstliche Intelligenz verliert der Software-Riese einen weiteren Top-Manager: Tableau-Chef Ryan Aytay verlässt das Unternehmen. Während Anleger befürchten, dass das traditionelle Geschäftsmodell durch KI bedroht wird, wachsen die Zweifel an der Stabilität der Führungsetage. Kann der radikale Schwenk zur „Agentforce“-Strategie den anhaltenden Kursverfall stoppen?
Strategiewechsel fordert Opfer
Der Verkaufsdruck auf die Aktie hält am heutigen Mittwoch an. Auslöser ist der bestätigte Abgang von Ryan Aytay, dem Leiter der wichtigen Tableau-Sparte. Nach fast zwei Jahrzehnten kehrt er dem Konzern den Rücken – nur wenige Monate, nachdem bereits die ehemalige Slack-Chefin Denise Dresser zu OpenAI gewechselt war. Diese Personalien wiegen schwer, da die Aktie bereits am Dienstag rund 7 Prozent verlor und sich bedrohlich nahe dem 52-Wochen-Tief bewegt.
Hinter den Kulissen vollzieht Salesforce eine aggressive Neuausrichtung. Der Fokus verschiebt sich weg von den teuer erkauften Tochtergesellschaften wie Tableau und Slack hin zur neuen KI-Initiative „Agentforce“. Marktbeobachter werten die jüngsten Abgänge als direkte Folge dieser internen Konsolidierung, bei der Ressourcen massiv in Richtung künstlicher Intelligenz umgeschichtet werden.
Die Angst vor der „SaaSpocalypse“
Die Nervosität der Investoren hat einen strukturellen Grund, der in Branchenkreisen oft als „SaaSpocalypse“ bezeichnet wird. Die Sorge ist konkret: Generative KI-Agenten könnten die klassischen, nutzerbasierten Lizenzmodelle (SaaS), auf denen der Erfolg von Salesforce basiert, obsolet machen. Wenn KI-Software Aufgaben automatisiert, für die früher viele menschliche Nutzerlizenzen nötig waren, bricht das Umsatzfundament weg.
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Dieser Trend belastet derzeit den gesamten IT-Sektor. Auch der indische Nifty IT Index korrigierte zur Wochenmitte scharf um über 6 Prozent, was die globale Angst vor einer Verdrängung traditioneller Software-Dienstleistungen durch Automatisierung unterstreicht.
Analysten gegen den Trend
Trotz eines Kursverlusts von über 40 Prozent in den letzten zwölf Monaten sehen nicht alle Experten schwarz. Analysten von BTIG stellen sich gegen die vorherrschende Meinung und halten den Pessimismus für überzogen. Sie argumentieren, dass die „Agentforce“-Strategie keine Verzweiflungstat, sondern eine funktionierende Verteidigungslinie gegen die KI-Disruption darstellt.
Für Salesforce werden die kommenden Quartale entscheidend sein, um zu beweisen, dass die neuen KI-Agenten schnell genug Umsatz generieren, um potenzielle Rückgänge im Kerngeschäft zu kompensieren. Gelingt dieser Nachweis nicht, drohen weitere Marktanteilsverluste an agile, KI-native Konkurrenten, die keine Rücksicht auf alte Geschäftsmodelle nehmen müssen.
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