Salesforce steht an der Börse spürbar auf der Bremse. Nach einer Reihe schwacher Handelstage hat die Aktie ein neues Jahrestief markiert – obwohl das operative Geschäft zuletzt solide Zahlen geliefert hat. Im Mittelpunkt stehen weniger die aktuellen Ergebnisse als vielmehr Zweifel an der künftigen Wachstumsstory und am Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Technische Schwäche und Stimmungsumschwung
In den vergangenen Handelstagen hat sich der Abwärtstrend deutlich beschleunigt. Die Aktie rutschte auf ein neues 52‑Wochen‑Tief und durchbrach dabei wichtige charttechnische Unterstützungen. Der Schlusskurs von gestern lag bei 225,45 Euro und damit klar unter dem Niveau von vor einem Monat; auf 30‑Tage‑Sicht summiert sich das Minus auf rund 14 %.
Die Marktphase ist damit klar von negativem Momentum geprägt. Ein RSI von 69,6 signalisiert, dass sich der Titel kurzfristig im oberen Spannungsbereich bewegt, während die hohe annualisierte 30‑Tage‑Volatilität von mehr als 58 % die Nervosität der Anleger unterstreicht.
Zwei Faktoren treiben die Skepsis besonders:
- verhaltener Zuspruch für neue Ökosystem‑Werkzeuge
- Irritation über die deutlich vorsichtigen KI‑Äußerungen von CEO Marc Benioff
KI‑Strategie sorgt für Fragezeichen
Salesforce hatte zuletzt die Erweiterung seines Ökosystems und die Einführung der „Saltbox.One“-Plattform hervorgehoben. Ziel ist es, Implementierungen zu standardisieren und KI‑Funktionen stärker in bestehende Prozesse einzubetten. Berichte aus dem Partnerumfeld deuten jedoch auf eine gemischte Resonanz hin.
Hintergrund: Standardisierte Tools können zwar langfristig Effizienz und Skalierbarkeit steigern, kurzfristig aber den Beratungs- und Implementierungsumsatz belasten. In einem Umfeld, in dem Kundenbudgets eher straffer werden, reagieren Anleger empfindlich auf jedes wahrgenommene Ausführungsrisiko oder eine mögliche Wachstumsdelle.
Zusätzliche Unruhe brachte der Auftritt von Marc Benioff auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Anders als viele Tech‑Kollegen, die vor allem KI‑Euphorie verbreiten, forderte er klarere Regulierung und warnte vor den Gefahren ungebremster KI‑Entwicklung. Er verwies unter anderem auf Fälle, in denen Modelle als „Suicide Coaches“ agierten, und kritisierte den weitgehenden Haftungsschutz für Plattformen nach Section 230.
Diese Position ist ethisch nachvollziehbar, lässt aber Rückschlüsse auf die Unternehmensstrategie zu: Ein stärker regulierungsorientierter, vorsichtiger Ansatz kann bedeuten, dass Salesforce neue KI‑Funktionen langsamer und kontrollierter ausrollt als Wettbewerber, die aggressiv mit neuen Produkten an den Markt drängen. Genau diese mögliche Tempodifferenz im KI‑Wettlauf scheint derzeit im Kurs eingepreist zu werden.
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Insiderverkäufe verstärken die Unsicherheit
Auf der Eigentümerseite ergibt sich ein gemischtes Bild. Zwar hat Vest Financial LLC im dritten Quartal seine Position um 21 % aufgestockt. In den vergangenen drei Monaten dominieren aber die Meldungen über Verkäufe aus dem Management.
Führungskräfte wie Parker Harris und Marc Benioff selbst haben in Summe Aktien im Wert von rund 34,9 Mio. US‑Dollar veräußert. Solche Transaktionen müssen nicht zwangsläufig eine negative Perspektive widerspiegeln, werden vom Markt in einer bereits angespannten Lage jedoch oft als weiterer Belastungsfaktor interpretiert.
Fundamentaldaten und Bewertung im Kontrast
Auffällig ist der Gegensatz zwischen Kursentwicklung und operativer Lage. Während der S&P 500 in den vergangenen zwölf Monaten um 13,3 % zulegen konnte, ist Salesforce im gleichen Zeitraum um 32,2 % gefallen und notiert deutlich unter dem Hoch von gut 367 US‑Dollar aus Anfang 2025.
Dabei präsentierte das Unternehmen im fiskalischen dritten Quartal durchaus robuste Zahlen:
- Umsatz: 10,26 Mrd. US‑Dollar, ein Plus von 9,1 % gegenüber dem Vorjahr
- Ergebnis je Aktie: 3,25 US‑Dollar, über den Analystenschätzungen
- „Agentforce“ und Data 360 ARR: knapp 1,4 Mrd. US‑Dollar, Wachstum von 114 % im Jahresvergleich
Trotz dieser Wachstumsraten dominiert die Sorge, Salesforce könne bei Innovationstempo und Wahrnehmung im KI‑Bereich zurückfallen. Im „Cloud Wars“-Ranking vom 12. Januar rutschte das Unternehmen von Platz 8 auf 9 ab. Beobachter verweisen dort auf die Notwendigkeit, die Innovationskraft wieder klarer herauszuarbeiten.
Diese Erzählung einer möglichen Stagnation, kombiniert mit Benioffs Regulierungskurs, führt dazu, dass der Markt die Aktie zunehmend wie einen „Value“-Titel und weniger wie einen dynamischen KI‑Profiteur bewertet. Bemerkenswert: Nach vorliegenden DCF‑Berechnungen könnte die Aktie um mehr als 40 % unter ihrem geschätzten fairen Wert notieren – ein deutlicher Hinweis auf eine Kluft zwischen Stimmung und Modellbewertungen.
Blick auf die nächsten Monate
Der nächste wesentliche Prüfstein ist der Q4‑Bericht für das Geschäftsjahr 2026, der um den 4. März erwartet wird. Analysten kalkulieren derzeit mit einem Gewinn je Aktie von 2,14 US‑Dollar, was einem Rückgang von 3,6 % gegenüber dem Vorjahr entspräche. Gelingt es Salesforce nicht, diese ohnehin abgesenkten Erwartungen zu übertreffen, könnte der Druck auf den Kurs anhalten.
Gleichzeitig bleibt das Analystenbild überwiegend zuversichtlich: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 331,25 US‑Dollar und damit deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus, Häuser wie Deutsche Bank und Goldman Sachs sehen die Aktie weiter auf der Kaufseite mit Zielmarken jenseits von 325 US‑Dollar. Kurzfristig dürfte jedoch entscheidend sein, ob es dem Unternehmen gelingt, im Rahmen des Q4‑Berichts konkreter aufzuzeigen, wie KI‑Produkte wie „Agentforce“ skaliert und monetarisiert werden sollen – davon hängt maßgeblich ab, ob der Markt Salesforce wieder ein höheres Wachstums-Multiple zugesteht oder die aktuelle, defensivere Bewertung verfestigt wird.
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