Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei Salesforce klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Softwarekonzern meldet Rekordwachstum bei seinen neuen KI-Produkten. Die Aktie rutscht parallel dazu in Richtung ihres 52-Wochen-Tiefs.
Der Härtetest im Gesundheitswesen
Salesforce weitet seine Zusammenarbeit mit dem US-Giganten CVS Health massiv aus. Das Ziel: Die KI-Plattform Agentforce soll die Callcenter des Gesundheitskonzerns steuern. Dieser Schritt markiert den bisher größten KI-Deal des Unternehmens in einer stark regulierten Branche.
Der Sektor gilt als komplex und datenintensiv. Funktioniert die Software hier reibungslos, liefert das einen starken Beweis für andere Industrien. Die Nachfrage nach der Technologie wächst rasant. Der wiederkehrende Jahresumsatz von Agentforce überstieg zuletzt die Marke von 1,2 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Verdreifachung zum Vorjahr.
Um dieses Wachstum zu monetarisieren, ändert der Konzern sein Geschäftsmodell. Salesforce kauft die Londoner Abrechnungsplattform m3ter. Damit verabschiedet sich das Unternehmen schrittweise von klassischen Software-Lizenzen pro Arbeitsplatz.
Künftig zahlen Kunden stattdessen für die tatsächliche Nutzung der KI-Agenten. CEO Marc Benioff verspricht sich davon massive Effizienzgewinne. Die neue Struktur fließt direkt in das Umsatzmanagement von Agentforce ein.
Rekordzahlen verpuffen an der Börse
Operativ liefert der Softwarekonzern ab. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 13 Prozent auf gut 11 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte sogar um die Hälfte nach oben. Damit übertraf Salesforce die Erwartungen der Analysten deutlich.
An der Börse honoriert das niemand. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 143,88 Euro. Auf Wochensicht verlor das Papier fast elf Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 33 Prozent auf der Anzeigetafel.
Der Kurs notiert damit nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 139,90 Euro. Das Management steuert mit massiven Kapitalmaßnahmen gegen.
Aktionäre erhalten eine Quartalsdividende von 0,44 US-Dollar. Wer am gestrigen Ex-Dividenden-Tag investiert war, bekommt die Zahlung am 2. Juli 2026 überwiesen. Flankiert wird dies von einem laufenden Aktienrückkaufprogramm über 25 Milliarden US-Dollar. Hält die technische Unterstützung beim April-Tief nicht, droht der Aktie trotz der operativen KI-Erfolge ein weiterer Abrutsch.
