RWE startet mit einem klaren Signal in Richtung Energiewende ins neue Jahr. Mit der Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe der bislang größten grünen Wasserstoffanlage Europas und neuen Projekten in Großbritannien schärft der Konzern sein Profil in Zukunftsfeldern. Gleichzeitig bleibt ein großes US-Offshore-Projekt vorerst gestoppt – wie wirkt sich dieser Mix auf die Investmentstory aus?
Grüner Wasserstoff: Lingen als Schlüsselprojekt
Am Standort Lingen in Niedersachsen hat RWE einen 100-Megawatt-Elektrolyseur in Betrieb genommen. Es handelt sich um die erste Phase des GET H2 Nukleus-Projekts.
Die Eckpunkte:
- Erste Ausbaustufe: 100 Megawatt Elektrolyseleistung
- Geplante Gesamtkapazität bis 2027: 300 Megawatt
- Geplanter Start der kommerziellen Wasserstoffproduktion: 2026
Wichtig ist die bereits gesicherte Abnahme. Ein langfristiger Vertrag mit TotalEnergies bildet das wirtschaftliche Fundament des Projekts:
- Laufzeit des Abnahmevertrags: 15 Jahre
- Geplante Liefermenge: 30.000 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr ab 2030
- Transport: über eine rund 600 Kilometer lange Pipeline zur Leuna-Raffinerie
- Einbindung: Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz
RWE hat die Lieferkette früh aufgebaut. Die Bestellung der Elektrolyseure erfolgte bereits 2022 – noch bevor staatliche Fördermittel endgültig bestätigt waren.
Kostenstruktur und Speicherung
Die Kehrseite des ambitionierten Ausbaus sind hohe Produktionskosten. Aktuell liegen diese bei 7,54 Euro pro Kilogramm grünen Wasserstoffs. Das unterstreicht den finanziellen Druck beim Hochlauf der europäischen Wasserstoffwirtschaft und die Abhängigkeit von Skaleneffekten, technologischem Fortschritt und Förderregimen.
Zur Absicherung der Versorgung plant RWE ab 2027 die Integration von Speicherkapazitäten am Salzkavernen-Standort Gronau-Epe. Dies soll die Flexibilität im System erhöhen und Lastspitzen abfedern.
Aktienrückkauf stützt Kapitalstruktur
Parallel setzt RWE das im November 2024 beschlossene Aktienrückkaufprogramm um. Die dritte Tranche läuft seit dem 2. Dezember 2025.
Zwischen dem 22. und 26. Dezember wurden:
- 188.288 Aktien
- zu einem gewichteten Durchschnittspreis von rund 44 Euro
zurückgekauft. Seit Start der dritten Tranche summiert sich das Volumen auf 1.429.384 Aktien.
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Das gesamte Programm ist auf bis zu 1,5 Milliarden Euro ausgelegt und soll innerhalb von 18 Monaten abgeschlossen werden. Der Rückkauf reduziert die ausstehende Aktienzahl und kann damit mittelfristig den Gewinn je Aktie stützen.
Großbritannien: Offshore-Wind und Batteriespeicher
In Großbritannien meldet RWE zwei operative Fortschritte.
Five Estuaries Offshore-Windpark
Für den Offshore-Windpark Five Estuaries hat die britische Regierung am 18. Dezember die Baugenehmigung erteilt. Das Projekt erweitert das britische Offshore-Portfolio und stärkt die Position in einem der wichtigsten europäischen Windmärkte.
Pembroke Battery Storage
Am Standort Pembroke in Wales entsteht RWEs bislang größtes Batteriespeicherprojekt in Großbritannien. Die Eckdaten:
- Spitzenleistung: 350 Megawatt
- Speicherkapazität: 700 Megawattstunden
- Investitionsvolumen: rund 200 Millionen Pfund
- Geplanter Baubeginn: erste Jahreshälfte 2026
- Geplante Inbetriebnahme: zweite Jahreshälfte 2028
Mit dieser Anlage adressiert RWE die zunehmende Bedeutung von Speicherlösungen für die Integration erneuerbarer Energien in das Netz.
USA: Community Offshore Wind ausgebremst
Weniger dynamisch zeigt sich derzeit das US-Offshore-Engagement. Das 3-Gigawatt-Projekt Community Offshore Wind, an dem RWE 73 Prozent hält, liegt weiterhin auf Eis. Hintergrund sind die Marktbedingungen im US-Offshore-Sektor, die Investitionsentscheidungen erschweren.
CEO Markus Krebber sieht aktuell keinen Bedarf für Abschreibungen auf den Buchwert von 800 Millionen Euro, da der Baubeginn noch nicht erfolgt ist. Der Wert der Projektrechte bleibt damit vorerst unverändert in den Büchern.
Bewertung und Analystensicht
Die Aktie notiert derzeit bei rund 44,80 Euro. Daraus ergeben sich:
- Marktkapitalisierung: etwa 33 Milliarden Euro
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: 15,2
- Gewinn je Aktie: 2,96 Euro
- Dividendenrendite: 2,46 Prozent
Die bekannten Analysten-Kursziele bewegen sich in einer Spanne von 39,50 bis 56 Euro, der Durchschnitt liegt bei 49,14 Euro. Die Deutsche Bank hat ihre Beobachtung wieder aufgenommen und empfiehlt den Titel zum Kauf mit einem Kursziel von 50 Euro.
Fazit: Wachstum mit Gegenwind
RWE treibt den Ausbau von grünem Wasserstoff, Offshore-Wind und Speicherkapazitäten sichtbar voran und untermauert diese Strategie mit einem laufenden Aktienrückkaufprogramm. Hohe Produktionskosten im Wasserstoffsegment und das pausierte US-Offshore-Projekt zeigen jedoch, dass der Umbau des Portfolios auch Risiken und Kapitalbindung mit sich bringt. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung dürfte sein, wie schnell Projekte wie Lingen, Five Estuaries und Pembroke in Erträge übergehen und wie sich die Rahmenbedingungen für Offshore-Wind in den USA konkretisieren.
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