RWE erhält für drei neue wasserstofffähige Gaskraftwerke eine langfristige Vergütung für bereitgestellte Leistung. Die gestern erteilten Zuschläge der Bundesnetzagentur sichern dafür einen Zeitraum von 15 Jahren. Für Anleger verbessert das die Planbarkeit des Ausbaus. Die spätere Umstellung auf Wasserstoff bleibt allerdings mit Infrastrukturfragen verbunden.
Kapazitätsvergütung stützt die Investitionsplanung
Die neuen Gas-und-Dampf-Kraftwerke entstehen in Voerde, Weisweiler und Werne in Nordrhein-Westfalen. Laut RWE umfassen die Zuschläge zusammen rund 2.100 rMW. Diese Ausschreibungsgröße berücksichtigt 85 % der installierten Gaskraftwerksleistung und ist deshalb nicht mit der gesamten technischen Leistung gleichzusetzen.
Die Anlagen sollen einspringen, wenn Wind und Sonne über längere Zeit nicht genügend Strom liefern. Damit vergütet die Ausschreibung die Bereitstellung gesicherter Leistung. Für die wirtschaftliche Einordnung ist diese Unterscheidung wichtig: Die Kapazitätsvergütung honoriert die Verfügbarkeit und nicht allein die tatsächlich erzeugte Strommenge.
RWE will in wenigen Wochen mit dem Bau der ersten Anlage beginnen. Bis 2031 plant das Unternehmen rund 9 Mrd. Euro für flexible Erzeugung, Batteriespeicher und Wasserstofferzeugung ein. Diese Summe umfasst damit ein breiteres Investitionsprogramm und bezeichnet nicht ausschließlich die Kosten der jetzt bezuschlagten Kraftwerke.
Die Zuschläge geben einem Teil dieses Programms einen langfristigen vertraglichen Rahmen. Sie sind jedoch keine Aussage über die spätere Rentabilität der einzelnen Standorte. Für Anleger stehen deshalb neben dem Auktionserfolg auch die Bauumsetzung und die künftigen Betriebsbedingungen im Mittelpunkt.
Wasserstofffähigkeit ist noch keine Umstellung
Die Kraftwerksprojekte sollen ab November 2031 verfügbar sein. Zunächst ist der Betrieb mit Erdgas vorgesehen, später sollen die Anlagen auf Wasserstoff umstellen. Für diesen nächsten Schritt fehlen bislang ausreichend Wasserstoffproduktion und die notwendige Infrastruktur.
Wasserstofffähigkeit beschreibt somit zunächst eine technische Perspektive. Sie bedeutet nicht, dass der entsprechende Brennstoff bereits in ausreichendem Umfang verfügbar ist. Der Aufbau der Versorgung bleibt eine Voraussetzung für die spätere Umstellung und damit ein eigenständiger Umsetzungsschritt.
Auch die Finanzierung des gesamten Ausschreibungsprogramms steht in der öffentlichen Diskussion. Das Handelsblatt verweist heute auf rund 12 Mrd. Euro über die Förderlaufzeit der ersten Auktion. Eine neue Umlage für Stromkunden soll ab 2031 erhoben werden; ihre Höhe ist noch offen.
Für RWE liegt der unmittelbare Fortschritt im gesicherten Vergütungsrahmen für neue Kapazität. Ob daraus attraktive Erträge entstehen, entscheidet sich erst mit Bau und Betrieb. Der Zuschlag schafft Planungssicherheit, ersetzt aber nicht die erfolgreiche Umsetzung.
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