Die Strategie von RWE wird klarer. Der Essener Energiekonzern baut sein reguliertes Netzgeschäft in Deutschland aus. Gleichzeitig deutet sich ein Rückzug aus dem US-Offshore-Windmarkt an. Für Investoren ist das eine klare Botschaft: mehr Stabilität, weniger Risiko.
Die Aktie reagiert positiv. Am Montag legte das Papier um 1,96 Prozent auf 55,26 Euro zu. In den vergangenen sieben Tagen verlor die RWE-Aktie allerdings 3,66 Prozent. Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 17,95 Prozent.
Amprion-Anteil soll auf über 40 Prozent steigen
RWE prüft den Kauf eines weiteren Pakets am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Konkret geht es um 16,5 Prozent der Anteile. Die werden derzeit von einem Konsortium unter Führung der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe gehalten.
Über ein Joint Venture mit dem US-Investor Apollo hält RWE bereits 25,1 Prozent an Amprion. Ein Zukauf würde die Beteiligung auf über 40 Prozent anheben. Das Volumen wird auf einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag geschätzt.
Analysten bewerten den Schritt positiv. Das regulierte Netzgeschäft gilt als Garant für stabile, planbare Erträge. In einem volatilen Energiemarkt ist das ein wertvoller Anker.
Kehrtwende in den USA
Parallel dazu verdichten sich die Anzeichen für einen Rückzug aus den USA. RWE verhandelt Berichten zufolge mit der US-Regierung über die Rückgabe von Offshore-Windlizenzen. Der Wert der Leasingverträge: rund eine Milliarde US-Dollar.
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Der Hintergrund: veränderte politische Rahmenbedingungen in den USA. Die dortige Administration setzt verstärkt auf fossile Energieträger. Umweltorganisationen hatten RWE in einem offenen Brief zur Standhaftigkeit gemahnt.
Investoren reagieren erleichtert. Sie sehen das Kapital aus risikobehafteten US-Projekten lieber in stabilen europäischen Netzen.
Analysten sehen Aufwärtspotenzial
Barclays hat die Kaufempfehlung für RWE bestätigt. Die britische Investmentbank bleibt bei „Overweight“ und setzt ein Kursziel von 66 Euro. Die Analysten argumentieren: Eine höhere Gewichtung des Netzgeschäfts senkt das Risikoprofil und untermauert die Wachstumsstory.
RWE hat einen Börsenwert von rund 39 Milliarden Euro. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,5 Milliarden Euro stützt den Kurs zusätzlich.
Eine finale Entscheidung über den Amprion-Zukauf könnte in den kommenden Wochen fallen. Die zuständigen Gremien tagen voraussichtlich noch im Juni. Gelingt RWE beides – der Netzausbau in Deutschland und die Optimierung der Kapitalallokation in den USA – könnte die Aktie eine nachhaltige Neubewertung erfahren. Die selbst gesetzte Verschuldungsobergrenze soll trotz der Milliardeninvestitionen stabil bleiben.
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