Streaming ist längst kein Nebenprojekt mehr, sondern das Herzstück der RTL-Strategie. Umso bemerkenswerter ist der Schritt, mit dem der Konzern jetzt eine wichtige Technologie-Frage juristisch klären lassen will. Im Kern geht es darum, wie teuer Streaming-Standards künftig werden könnten – und wer am Ende die Hand dafür aufhält.
RTL zieht gegen Huawei vor das UPC
Aus Unterlagen des Einheitlichen Patentgerichts (Unified Patent Court, UPC) geht hervor, dass RTL Group eine Nichtigkeitsklage gegen ein europäisches Huawei-Patent (EP2945339) eingereicht hat. Veröffentlicht wurden die Vorgänge am 18. Februar; die Einreichung selbst datiert laut Gerichtsakten bereits auf den 11. November 2025 und liegt bei der Zentralabteilung in Paris.
Der Streit dreht sich um ein Patent zu „Method and Device for Regulating Streaming Media Data Transmission“ und betrifft den Standard MPEG-DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP). Diese Technik ist relevant für adaptive Videoübertragung – also genau das Feld, in dem RTL seine Streaming-Angebote wie RTL+ (u.a. in Deutschland und Ungarn) sowie M6+ in Frankreich ausbaut.
Wichtig an der Konstruktion: Eine Nichtigkeitsklage beim UPC ist ein eigenständiges Verfahren und nicht bloß eine Reaktion auf eine Klage wegen Patentverletzung. RTL hat den Schritt also proaktiv gewählt – ohne dass zuvor eine Klage von Huawei bekannt geworden wäre. Das dürfte spannend werden, weil es darauf hindeutet, dass Lizenzfragen im Hintergrund bereits eine Rolle spielen könnten.
Warum das Thema für RTL so sensibel ist
Huawei gilt als technischer Beiträger zur Plattform Avanci Video, die Lizenzen für mehrere Video- und Streaming-Standards bündelt – darunter auch MPEG-DASH. Genau hier liegt die Brisanz: Wenn Streaming zum Wachstumsmotor wird, werden Patente und Lizenzmodelle schnell zu einem Kostenfaktor, der Margen beeinflussen kann.
RTL selbst unterstreicht mit seinen Zahlen, wie stark der digitale Umbau voranschreitet: 2024 meldete der Konzern einen Umsatz von 6,254 Mrd. Euro. Der Streaming-Umsatz lag bei 403 Mio. Euro, ein Plus von 42% gegenüber dem Vorjahr. In der ersten Hälfte 2025 stieg die Zahl der zahlenden Streaming-Abonnenten auf 7,2 Mio. – ein Zuwachs von 15,3% im Jahresvergleich.
Auch die angekündigte Übernahme von Sky Deutschland (Juni 2025) passt in dieses Bild. Nach Abschluss würde RTL laut eigener Darstellung auf rund 11,5 Mio. zahlende Abonnenten kommen. Die EU-Kommissionsprüfung wird im ersten Halbjahr 2026 erwartet.
Nächster Fixpunkt: Zahlen am 12. März
Der Rechtsstreit trifft in eine Phase, in der Anleger ohnehin auf wichtige Updates warten. Am 12. März 2026 will RTL die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2025 vorlegen. Es wird zugleich der erste umfassende Blick auf die Entwicklung nach der im November gesenkten Prognose: RTL reduzierte damals den Ausblick für das Adjusted EBITA auf 650 Mio. Euro – nach zuvor rund 780 Mio. Euro – und verwies auf schwächere TV-Werbemärkte in Deutschland und Frankreich.
Parallel steht ein Führungswechsel an: Clément Schwebig soll im Mai 2026 Thomas Rabe als CEO ablösen (Ankündigung vom 13. November 2025).
An der Börse bewegt sich der Titel zuletzt wenig: Mit 36,70 Euro liegt die Aktie in den vergangenen 30 Tagen leicht im Minus (-0,41%), seit Jahresbeginn aber im Plus (+5,31%).
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