Rolls-Royce verfolgt gleichzeitig zwei der ambitioniertesten Technologieprogramme seiner Geschichte — und beide nähern sich entscheidenden Meilensteinen. Während der Kurs nach wie vor deutlich unter seinem Jahreshoch notiert, rücken die strategischen Weichenstellungen in den Vordergrund.
UltraFan 30: Rückkehr in den Massenmarkt
Am 17. März sicherte sich Rolls-Royce 64 Millionen Euro aus dem EU-Förderprogramm Clean Aviation, um das UNIFIED-Konsortium zu leiten. Ziel ist die Entwicklung des UltraFan-30-Triebwerks — ein Programm, das den britischen Hersteller nach rund drei Jahrzehnten Abstinenz zurück ins Narrowbody-Segment bringen soll.
Das Gewicht dieser Entscheidung zeigt sich in der Investitionssumme: Rolls-Royce hat insgesamt 3 Milliarden Pfund für das Programm eingeplant. Geplant ist, den UltraFan-30-Demonstrator 2028 am Boden zu testen. Der Zeitplan ist dabei kein Zufall — er trifft genau das Fenster, in dem Airbus und Boeing voraussichtlich ihre Nachfolger für A320neo und 737 MAX ankündigen werden. Rolls-Royce will beim nächsten Generationswechsel im Kurzstreckenmarkt als Triebwerkslieferant dabei sein.
Das neue Triebwerk soll dank eines extrem hohen Nebenstromverhältnisses 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen verursachen als der Stand der Technik von 2020 — für Flugzeuge, die ab 2035 in Dienst gehen sollen.
SMR-Programm: Regulierung auf der Zielgeraden
Parallel dazu nähert sich die Nuklearsparte einem wichtigen Abschluss. Der 470-MWe-Kleinreaktor von Rolls-Royce SMR hat die zweite Stufe des britischen Generic Design Assessment abgeschlossen und befindet sich nun in der dritten und letzten Phase. Der Abschluss des Verfahrens ist für August 2026 geplant.
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Für den Standort Wylfa auf Anglesey in Wales hat Great British Energy-Nuclear bestätigt, dass dort drei Rolls-Royce-Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 1.440 MW errichtet werden sollen — genug, um rund 1,5 Millionen Haushalte zu versorgen. Die britische Regierung stellt in diesem Dreijahreszeitraum 2,5 Milliarden Pfund für das SMR-Programm bereit.
Politisch war die Entscheidung nicht unumstritten. Die US-Regierung hatte öffentlich Druck ausgeübt, den amerikanischen Anbieter Westinghouse Electric für Wylfa zu wählen. Der US-Botschafter veröffentlichte sogar eine Erklärung, in der er Großbritannien aufforderte, in Wales „einen anderen Weg“ einzuschlagen. London entschied sich dennoch für Rolls-Royce.
Ausblick auf die nächsten Monate
Für Investoren stehen drei konkrete Termine im Kalender: die Hauptversammlung am 30. April, der Halbjahresbericht am 30. Juli und der erwartete Abschluss des GDA-Verfahrens im August 2026. Letzterer gilt als Voraussetzung für die finale Investitionsentscheidung, die für 2029 angepeilt wird. Die Aktie notiert aktuell rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch — das technologische Momentum zeigt unterdessen in eine andere Richtung.
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