Rolls-Royce klettert von Hoch zu Hoch. Am Dienstag schloss die Aktie bei 17,84 Euro, nur knapp unter dem Rekordwert von 18,02 Euro vom Vortag. Binnen zwölf Monaten legte der Kurs um fast 43 Prozent zu. Damit ist der britische Triebwerksbauer einer der auffälligsten Industriewerte Europas.
Der jüngste Schub kam nach den Halbjahreszahlen der vergangenen Woche. Inzwischen richtet sich der Blick weniger auf die operative Entwicklung als auf die Bewertung selbst.
Die Bewertung wird zum Risiko
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei 49,5. Für 2026 rechnen Analysten mit einem KGV von 36,8, für 2027 mit 33,4 — beides auf Basis des heutigen Aktienkurses. Diese Multiplikatoren setzen das Management unter Druck.
Verfehlt Rolls-Royce seine ambitionierten Ziele, drohen heftige Kursreaktionen. Selbst ein nur leichtes Übertreffen der Erwartungen könnte den Markt enttäuschen. Die Messlatte liegt inzwischen sehr hoch.
Ratingagenturen bestätigen die Trendwende
Während die Bewertung Fragen aufwirft, liefert die Bilanz klare Fortschritte. Moody’s hob das Rating im Berichtszeitraum auf A3 an, Fitch auf A-. Beide vergaben einen stabilen Ausblick. S&P Global bestätigte sein BBB+-Rating und hob den Ausblick auf positiv.
Solche Heraufstufungen senken künftige Finanzierungskosten. Sie stärken zudem das Vertrauen der Investoren in die finanzielle Widerstandsfähigkeit des Konzerns. Für ein Unternehmen, das vor wenigen Jahren noch ums Überleben kämpfte, ist das eine bemerkenswerte Entwicklung.
Die Nettoliquidität stieg auf 2,1 Milliarden Pfund, nach 1,9 Milliarden Ende 2025. Die Bruttoverschuldung liegt bei 2,7 Milliarden Pfund. Rolls-Royce zahlte Anleihen im Volumen von 1,1 Milliarden Pfund aus eigenen Mitteln zurück und begab neue Bonds über eine Milliarde Euro mit Laufzeiten bis 2031 und 2036.
Die Gesamtliquidität summiert sich auf 9,0 Milliarden Pfund, davon 6,5 Milliarden Pfund in Cash und liquiden Mitteln. Die TCC/GM-Kennzahl, ein Maß für die Kapitaleffizienz, verbesserte sich von 0,35 auf 0,27 — laut Unternehmen ein Spitzenwert in der Branche.
Aktienrückkäufe laufen, Skeptiker bleiben
Parallel zur verbesserten Bilanz wachsen die Ausschüttungen an Aktionäre. Im September zahlt Rolls-Royce eine Zwischendividende von 6,0 Pence je Aktie. Das mehrjährige Rückkaufprogramm läuft weiter — für den Zeitraum 2026 bis 2028 sind zwischen 7 und 9 Milliarden Pfund vorgesehen.
Nicht alle Marktteilnehmer glauben an weiteres Kurspotenzial. Morningstar sah die Aktie zuletzt deutlich über dem fairen Wert gehandelt. Trotz starker operativer Dynamik bewegte sich der Kurs nach Einschätzung der Analysten in einer Höhe, aus der Anleger kaum noch profitieren könnten. Diese Einschätzung stammt aus der Zeit vor der jüngsten Anhebung der Unternehmensprognose — die Debatte um die Bewertung hat sich seither eher verschärft.
Mit einem RSI von 67 nähert sich die Aktie zudem einer technisch überkauften Zone. Der Kurs liegt gut 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Das deutet auf eine Rally hin, die kurzfristig an Tempo verloren haben könnte.
Rolls-Royce steht damit an einem Punkt, an dem zwei Geschichten aufeinandertreffen. Die eine erzählt von einer Bilanz, die sich in Rekordzeit saniert hat. Die andere von einem Aktienkurs, der einen Großteil dieser guten Nachrichten bereits vorweggenommen hat.
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