Entspannungssignale rund um die Straße von Hormus und die Aussicht auf wieder anziehende Lieferungen aus dem Nahen Osten haben den jüngsten Anstieg der Ölpreise gestoppt. Am Donnerstagmorgen sank der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November um 0,6 Prozent auf 102,45 Dollar. Nach den deutlichen Aufschlägen des Vortags setzte bereits im frühen asiatischen Handel eine spürbare Gegenbewegung ein.
Beruhigung an den Versorgungsrouten
Maßgeblich für den Rücksetzer sind Aussagen aus Washington zum Schiffsverkehr in der Golfregion. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, dass weiterhin große Mengen Rohöl die strategisch wichtige Straße von Hormus passieren. Teilweise würden täglich 17 Millionen Barrel durch diese Meerenge transportiert. Marktbeobachter schätzen das tatsächliche Volumen allerdings deutlich geringer ein.
Die Äußerungen reichten dennoch aus, um die Nervosität der Händler zu dämpfen. Am Vortag hatten die Notierungen noch deutlich zugelegt. Auslöser war eine Rede des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian vor den Vereinten Nationen, in der er die anhaltenden Differenzen zwischen Teheran und Washington hervorhob. Zuvor hatten direkte Gespräche zwischen Vertretern beider Staaten am Rande der UN-Generalversammlung kurzzeitig Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung geweckt.
Warten auf Signale aus Saudi-Arabien
Der Markt baut nun einen Teil des zuvor eingepreisten geopolitischen Risikoaufschlags wieder ab. Marktanalysten wie Priyanka Sachdeva vom Finanzdienstleister Phillip Nova führen den Preisrückgang darauf zurück, dass sich das Angebot aus den Golfstaaten allmählich stabilisiert, während zugleich Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA und dem Iran fortbestehen.
Entscheidend für die kurzfristige Angebotslage bleibt die Lage in Saudi-Arabien. Dort warten Händler auf offizielle Neuigkeiten zur geplanten Wiederaufnahme der Exporte über die Ost-West-Pipeline. Die Verbindung transportiert Öl quer durch das Land bis an die Küste des Roten Meeres. Die Leitung war Anfang September bei Angriffen beschädigt worden und fiel seither als wichtige Ausweichroute aus.
