Rocket Lab USA hat einen weiteren Regierungsauftrag an Land gezogen. Die US Space Force vergab einen Festpreisvertrag über 266 Millionen Dollar für zwölf suborbitale Starts, mit einer Option auf sechs weitere Missionen. Die Nachricht sorgte am Dienstag für kräftige Kursbewegung – und wirft ein Schlaglicht auf ein Unternehmen, das zwischen Rekordumsätzen und Anlegersorgen um Verwässerung und Verzögerungen beim neuen Neutron-Trägersystem gefangen ist.
Auftrag mit klarer Zeitachse
Der Vertrag mit der Vertragsnummer FA8818-26-C-B003 sieht Starts vom Pacific Spaceport Complex in Alaska vor, die Fertigstellung ist bis zum 31. Dezember 2028 terminiert. Von der Gesamtsumme sind bereits 112 Millionen Dollar aus dem Forschungs- und Entwicklungsbudget des Fiskaljahres 2025 verpflichtet. Die Vergabe erfolgte im Wettbewerb, drei Anbieter hatten Angebote eingereicht, den Zuschlag erteilte das Space Systems Command. Für die Missionen soll die suborbitale HASTE-Rakete zum Einsatz kommen, eine Ableitung der Electron-Plattform, die Rocket Lab bereits für Hyperschall- und Testflüge nutzt.
Der Auftrag reiht sich in eine wachsende Liste von Regierungsgeschäften ein. Erst wenige Wochen zuvor hatte Rocket Lab im Rahmen des „Tactically Responsive Space“-Programms einen Satelliten für die Space Force innerhalb von nur 17 Stunden nach Auftragserteilung gestartet – ein Rekordwert für schnelle Einsatzbereitschaft. Zudem wurde der Vergaberahmen der Space Force für Startaufträge kürzlich auf 17 Milliarden Dollar verdreifacht, wobei Rocket Lab neben SpaceX, ULA, Blue Origin und weiteren Anbietern im sogenannten Lane-1-Pool für Missionen gelistet ist.
An der Börse reagierte die Aktie zunächst mit einem Plus von 5,14 Prozent auf einen Schlusskurs von 69,12 US-Dollar, im nachbörslichen Handel legte der Titel nach Bekanntwerden des Vertrags noch einmal deutlich zu. Der jüngste Rutsch des Relative-Stärke-Index auf 33,3 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, was die heftige Reaktion auf positive Nachrichten miterklärt.
Wachstum trotz roter Zahlen
Operativ zeigt Rocket Lab weiterhin deutliches Umsatzwachstum. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz auf 200,35 Millionen Dollar, ein Plus von 63,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Verlust je Aktie lag bei 0,07 Dollar und traf damit die Erwartungen der Analysten. Der Auftragsbestand liegt weiterhin über einer Milliarde Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 850 und 900 Millionen Dollar sowie ein EBITDA zwischen 90 und 110 Millionen Dollar in Aussicht.
Trotz dieser Wachstumsdynamik notiert die Aktie derzeit rund 54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 151,00 US-Dollar, das Ende Mai 2026 markiert wurde. Der Grund liegt vor allem in der Verzögerung des Neutron-Programms: Die größere, wiederverwendbare Trägerrakete mit einer Nutzlast von 28.000 Pfund sollte ursprünglich im Februar 2026 starten, der Erstflug wurde jedoch auf das späte Jahr 2026 verschoben. Firmenchef Peter Beck betonte jüngst, wie entscheidend die laufenden Teststände für die Neutron-Entwicklung seien und wie sehr der Zeitplan über künftiges Wachstum entscheide. Konkrete neue Termine nannte er dabei nicht. Konkurrenten wie Firefly Aerospace, Relativity Space, Stoke Space, Isar Aerospace und Blue Origin treiben derweil eigene Trägerraketenprogramme voran.
Verwässerungssorgen bremsen die Erholung
Parallel zur operativen Stärke belasten Sorgen um eine mögliche Kapitalverwässerung die Stimmung. Rocket Labs Akquisitionsstrategie und der anhaltende Cash-Verbrauch nähren Spekulationen über weitere Kapitalmaßnahmen. Hinzu kommen Insiderverkäufe: Firmenchef Peter Beck veräußerte am 8. Juli 990.960 Aktien zu je 82,86 Dollar, Insider insgesamt verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 362,8 Millionen Dollar, ohne dass Käufe gegenüberstanden.
Der Analystenkonsens bleibt dennoch mehrheitlich positiv: Von 22 erfassten Analysten votieren drei für „Strong Buy“ und zwölf für „Buy“, sechs sehen ein „Hold“ und einer ein „Sell“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 110,18 US-Dollar. Die Analysten von Simply Wall St setzen den fairen Wert der Aktie aktuell bei 105,00 US-Dollar an – deutlich über dem zuletzt gehandelten Kursniveau. Ob der neue Verteidigungsauftrag reicht, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie belastbar der Neutron-Zeitplan in den kommenden Monaten tatsächlich bleibt.
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