Wenn ein Unternehmen binnen zwei Wochen einen Satellitenbus für den Space Force herstellt, eine Optik-Kommunikationsdemonstration abwickelt und acht Plattformen für Globalstar ins All schießt, könnte man meinen, die Aktie müsste jubeln.
Bei Rocket Lab zeigt sich stattdessen ein anderes Bild: Der Kurs schloss gestern bei 56,90 Euro, nach einem Wochenrückgang von 9,0 Prozent. Genau dieser Widerspruch zwischen operativem Momentum und Kursschwäche ist die eigentliche Geschichte hinter dem Raumfahrtkonzern in diesen Tagen.
Ein Auftragsbestand, der sich mehr als verdoppelt hat
Die Substanz ist unbestreitbar. Rocket Lab brachte am 20. August seine 93. Electron-Mission erfolgreich von der neuseeländischen Startanlage ins All, um einen Erdbeobachtungssatelliten für das japanische Institut iQPS in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen.
Nur wenige Tage zuvor war das Unternehmen in das Space Data Network Consortium der US-Space-Force aufgenommen worden, verbunden mit zwei Lieferaufträgen über insgesamt 12 Millionen Dollar für optische Kommunikationstests mit der Photon-Plattform.
Viasat wählte Rocket Lab zudem als Bauer eines Satellitenbusses auf Basis der Lightning-GEO-Plattform für ein Programm des Space Force aus, und das Unternehmen wurde in den NITE-STAR-Rahmenvertrag mit einem Programmvolumen von bis zu 981 Millionen Dollar aufgenommen.
Diese Dichte an Regierungsaufträgen erklärt, warum Seeking Alpha am 22. August die Einstufung auf „Buy“ anhob. Als Begründung nannte der Analysedienst einen deutlich verbesserten Sicherheitsabstand nach dem jüngsten Kursrückgang sowie einen auf 2,36 Milliarden Dollar gewachsenen Auftragsbestand – ein Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für ein Unternehmen, dessen operatives Geschäft noch immer von einzelnen Großaufträgen geprägt ist, ist ein derart schnell wachsendes Backlog ein handfestes Signal für künftige Umsätze, auch wenn es noch keine Gewinne garantiert.
Manager verkaufen, aber nicht aus Überzeugung gegen das Unternehmen
Parallel dazu meldeten mehrere Führungskräfte Aktienverkäufe. Am 24. August verkaufte Betriebschef Frank Klein 45.692 Aktien im Wert von rund 3,18 Millionen Dollar, Präsident Marvin Bradford Clevenger trennte sich von 15.051 Aktien für etwa 1,05 Millionen Dollar, Finanzchef Adam C. Spice von 9.677 Aktien und der Senior Vice President Arjun Kampani von 7.754 Aktien.
Entscheidend ist der Grund: Es handelte sich um sogenannte „Sell-to-Cover“-Transaktionen, mit denen Steuerverbindlichkeiten aus vestenden Restricted Stock Units begleichen werden – ein routinemäßiger Vorgang, kein Signal mangelnden Vertrauens der Führungsebene.
Trotzdem passt das Timing in ein Umfeld, in dem die Meinungen der Beobachter deutlich auseinanderlaufen. Wall Street Zen stufte die Aktie am 15. August von „Hold“ auf „Sell“ herunter und verwies auf einen breiteren als erwarteten bereinigten Verlust von 0,08 Dollar pro Aktie im jüngsten Quartal sowie hohe Bewertungsmultiplikatoren.
Am selben Tag hob Pluang das Kursziel auf 209 Dollar an und bekräftigte „Buy“, gestützt auf einen Rekordumsatz von 234,1 Millionen Dollar im zweiten Quartal und einen schneller als erwarteten Ausbau vertikal integrierter Infrastruktur. Diese Kluft zeigt, wie unterschiedlich Analysten die Bewertung von Wachstum gegenüber operativen Verlusten gewichten.
Der Iridium-Deal als nächste Weichenstellung
Über allem schwebt die geplante Übernahme von Iridium Communications. Die Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino-Gesetz ist abgelaufen, und Rocket Lab hat bei der FCC Anträge zur Übertragung der Iridium-Lizenzen eingereicht. Die Aktionäre von Iridium stimmen am 24. September über den Zusammenschluss ab – ein Termin, der über die künftige strategische Ausrichtung des Unternehmens mitentscheiden dürfte.
Charttechnisch notiert die Aktie derzeit rund 18 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI von 35,3 deutet auf eine eher überverkaufte Lage hin. Der Blick der Anleger dürfte sich nun auf den 9. November richten, wenn Rocket Lab die Zahlen für das dritte Quartal vorlegt.
Das Management hatte zuvor einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar in Aussicht gestellt – eine Guidance, an der sich zeigen wird, ob das operative Momentum tatsächlich in nachhaltiges Wachstum mündet oder ob die skeptischeren Stimmen am Markt recht behalten.
Rocket Lab-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rocket Lab-Analyse vom 27. August liefert die Antwort:
Die neusten Rocket Lab-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rocket Lab-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 27. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rocket Lab: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
