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Rocket Lab Aktie: Auftragsbestand wächst 137 Prozent

Rocket Lab steigert Umsatz und Auftragsbestand deutlich, während steuerbedingte Aktienverkäufe der Führungskräfte kaum Aussagekraft haben.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Führungskräfte verkaufen Aktien steuerbedingt
  • Umsatz im zweiten Quartal deutlich gestiegen
  • Auftragsbestand erreicht rund 2,4 Milliarden Dollar
  • Neutron-Start könnte sich bis 2027 verschieben

Fünf Führungskräfte von Rocket Lab haben am 24. August innerhalb eines Tages Aktien im Wert von zusammen mehreren Millionen Dollar verkauft. Eine Woche später legten Frank Klein und Arjun Kampani nach, mit weiteren 41.592 Aktien im Wert von rund 2,8 Millionen Dollar. Wer nur die Schlagzeile liest, könnte daraus ein Warnsignal ableiten. Ich halte das für die falsche Lesart.

Steuerpflicht statt Vertrauensverlust

Die Transaktionen sind fast durchweg als „Sell-to-Cover“ deklariert – nicht-diskretionäre Verkäufe zur Begleichung von Steuerabzügen aus vestenden RSUs, größtenteils im Rahmen bestehender Rule-10b5-1-Pläne.

COO Frank Klein trennte sich am 24. August von 45.692 Aktien für 3,18 Millionen Dollar, President Marvin Bradford Clevenger von 15.051 Aktien für rund 1,05 Millionen Dollar, CFO Adam Spice von 9.677 Aktien für 674.000 Dollar. Das sind mechanische Vorgänge, ausgelöst durch RSU-Vesting-Termine, keine spontanen Entscheidungen aus Sorge um die Geschäftsentwicklung. Wer das operative Bild danebenlegt, findet dafür auch keine Begründung.

Die operativen Fakten sprechen eine andere Sprache

Rocket Lab meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 234 Millionen Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Der Auftragsbestand wuchs binnen Jahresfrist um 137 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Dollar, allein im Quartal kamen neue Aufträge über eine Milliarde Dollar hinzu, darunter eine 397-Millionen-Dollar-Vereinbarung mit der Space Force. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar in Aussicht.

Dazu kommen strategische Fortschritte auf der Regulierungsseite: Die kartellrechtliche Wartefrist für die rund 8 Milliarden Dollar schwere Iridium-Übernahme lief am 12. August ab, das Unternehmen reichte ein S-4-Registrierungsformular bei der SEC ein und stellte Anträge bei der FCC zur Übertragung von Iridiums Lizenzen. Für mich zeigt das ein Management, das operativ liefert und regulatorisch vorankommt – kein Bild, das zu Verkäufen aus Sorge passt.

Am 24. September werden die Iridium-Aktionäre über die Übernahme abstimmen, der Kurs von Rocket Lab reagierte seither mit einem moderaten Rückgang von 0,9 Prozent. Das ist keine dramatische Reaktion, sondern eher ein Zeichen, dass der Markt den Deal bereits eingepreist hatte.

Neutron bleibt der wunde Punkt

Nicht alles ist ungetrübt. Bloomberg berichtete, dass Rocket Lab Anfang August eine mögliche neue Verzögerung bei der Neutron-Rakete signalisierte: Die Auslieferung zur Startrampe ist für das vierte Quartal geplant, doch das Unternehmen vermied es, einen Start noch in diesem Jahr zu versprechen – ein Flug erst 2027 rückt damit in den Bereich des Wahrscheinlichen.

Für ein Unternehmen, dessen Bewertung auch von künftigem Wachstum jenseits des Electron-Programms lebt, ist das ein Punkt, den ich nicht kleinreden will.

Auch die Aktie selbst zeigt Schwäche: Sie notiert mit 55,10 Euro rund 59 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro und 18 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

Über zwölf Monate steht dennoch ein Plus von 33 Prozent zu Buche – die Korrektur der vergangenen Wochen relativiert sich, wenn man den längeren Zeitraum betrachtet.

Unterm Strich

Die Insider-Verkäufe sind für mich Rauschen, kein Signal. Steuerbedingte Sell-to-Cover-Transaktionen im Rahmen automatisierter Pläne sagen wenig über die Überzeugung des Managements aus. Entscheidender ist, dass Rocket Lab operativ liefert – Umsatzwachstum, Backlog-Ausbau, Space-Force-Verträge – und bei Iridium regulatorisch vorankommt.

Die eigentliche Risikoquelle bleibt Neutron: Verschiebt sich der Erststart tatsächlich in Richtung 2027, dürfte das die Wachstumsstory belasten, die über das Electron-Geschäft hinausreicht. Wer die Aktie beobachtet, sollte weniger auf Insider-Meldungen achten als auf die nächsten Neutron-Updates.

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Diskussion zu Rocket Lab

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.