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Rocket Lab Aktie: 50,75% unter 52-Wochen-Hoch

Rocket Lab verzeichnet Rekordaufträge und milliardenschwere Übernahme, während der Aktienkurs deutlich unter dem Hoch bleibt. Die Q2-Zahlen am 10. August könnten die Diskrepanz auflösen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rekordaufträge von US Space Force und iQPS
  • Iridium-Übernahme für 8 Milliarden Dollar
  • Analysten uneins: Hold vs. Buy-Rating
  • Q2-Zahlen am 10. August erwartet

Kaum ein Raumfahrtwert liefert derzeit so viele positive Schlagzeilen wie Rocket Lab – und trotzdem tut sich der Kurs schwer, das in nachhaltige Stärke umzumünzen. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 65,90 Euro, ein Plus von 1,54 Prozent. In den vergangenen sieben Handelstagen legte das Papier um 16,84 Prozent zu, bleibt damit aber rund 50,75 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Für mich ist genau diese Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und Kursrealität der spannendste Punkt an dieser Aktie – und sie dürfte sich am 10. August, wenn Rocket Lab nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt, weiter zuspitzen.

Auftragsbücher füllen sich im Rekordtempo

Was in den vergangenen Wochen an Meldungen zusammenkam, liest sich wie ein Best-of der Wachstumsstory. Anfang August sicherte sich das Unternehmen einen 397-Millionen-Dollar-Vertrag der US Space Force im Rahmen des Space-Based Airborne Moving Target Indicator Program – die sogenannten Flatellites sollen künftig auf der noch in Entwicklung befindlichen Neutron-Rakete ins All gebracht und von Rocket Lab selbst betrieben werden. Nur wenige Tage zuvor, am 27. Juli, hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben seinen bislang größten Startvertrag überhaupt verkündet: 266 Millionen Dollar für suborbitale Raketenstarts im Rahmen der Raketenabwehr. Dazu kommt eine dritte Mehrfachstart-Buchung des japanischen Kunden iQPS innerhalb weniger als eines Jahres, verkündet am 30. Juli. Am Donnerstag brachte Rocket Lab bereits die 13. Electron-Mission des Jahres ins All – erneut für iQPS, wenn auch fünf Wochen später als ursprünglich geplant. Der nächste Start für denselben Kunden ist frühestens Ende August von der Startanlage in Neuseeland vorgesehen. Wer auf Auftragsdichte schaut, findet bei Rocket Lab derzeit kaum ein Gegenbeispiel unter den börsennotierten „New Space“-Werten.

Zwischen Rekordauftrag und Iridium-Milliardendeal

Der eigentliche Elefant im Raum bleibt aber die im Juni angekündigte Übernahme von Iridium Communications. Für 54 Dollar je Aktie in bar und Aktien will Rocket Lab die gesamten ausstehenden Iridium-Anteile übernehmen, was einem Unternehmenswert von rund 8,0 Milliarden Dollar entspricht. Zur Finanzierung liegen Zusagen für eine 364-tägige Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar von Deutsche Bank und Wells Fargo vor. Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Iridium-Aktionäre und der üblichen regulatorischen Freigaben. Für das anstehende Quartalsergebnis rechnet der Marktkonsens laut Zacks mit einem Verlust von 3 Cent je Aktie – ein Sprung von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bei einem Umsatz von 231,6 Millionen Dollar, was einem erwarteten Zuwachs von 60,3 Prozent entspräche. Analysten verweisen zudem darauf, dass die im April abgeschlossene Übernahme von Mynaric AG und die im Mai vollzogene Akquisition von Motiv Space Systems die Fähigkeiten des Unternehmens bereits im zweiten Quartal erweitert haben könnten.

Analysten uneins: Zwischen Hold und Kursverdopplung

Wie gespalten der Markt die Aktie derzeit einschätzt, zeigt der Blick auf zwei aktuelle Analystenurteile. Piper Sandler-Analyst Alexander Potter nahm die Coverage kürzlich mit einem Hold-Rating und einem Kursziel von 83 Dollar auf – ein Aufwärtspotenzial von 17,8 Prozent, aber eben auch ein deutliches Signal zur Zurückhaltung. Clear Street-Analyst Gregory Pendy hält dagegen: Er bekräftigte sein Buy-Rating mit einem Kursziel von 129 Dollar, was einem Potenzial von über 80 Prozent entspräche, und begründet dies mit dem erwarteten schnelleren Wachstum bis 2030 angesichts steigender Startnachfrage und eines wachsenden Auftragsbestands.

Mein Fazit: Vertrauen in die Story, Geduld mit dem Kurs

Unterm Strich sehe ich bei Rocket Lab zwei Zeitebenen, die derzeit auseinanderlaufen. Operativ liefert das Unternehmen Woche für Woche neue Beweise dafür, dass es vom Nischenanbieter zum diversifizierten Raumfahrt- und Verteidigungskonzern reift – Militäraufträge, kommerzielle Mehrfachbuchungen und die ambitionierte Iridium-Übernahme sprechen für sich. Der Kursverlauf dagegen spiegelt vor allem Unsicherheit über Integrationsrisiken, Finanzierungslast und den Zeitpunkt des Neutron-Erststarts wider. Die Reaktion des Marktes auf den jüngsten Raketenstart – ein moderates Plus statt eines Ausbruchs – deutet für mich darauf hin, dass Anleger die guten Nachrichten mittlerweile fast schon erwarten und stattdessen auf harte Zahlen warten. Der 10. August dürfte zeigen, ob das operative Momentum auch in der Bilanz ankommt. Bis dahin bleibt die Aktie das, was sie seit Monaten ist: eine Wachstumswette mit hoher Schwankungsbreite, bei der die Chancen aus meiner Sicht überwiegen – aber eben nicht ohne Risiko.

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Diskussion zu Rocket Lab

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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