Rocket Lab sammelt derzeit Aufträge wie kaum ein anderer Player im New-Space-Segment. Innerhalb weniger Wochen kamen milliardenschwere Verträge mit dem US-Militär, eine milliardenschwere Übernahme und mehrere Analysten-Kommentare zusammen. Für mich ergibt sich daraus ein Bild, das mehr Nuancen verdient als die reine Aufzählung guter Nachrichten vermuten lässt.
Ein Auftragsbuch, das kräftig wächst
Am heutigen Donnerstag wurde bekannt, dass die US Space Force Rocket Lab mit 397 Millionen US-Dollar beauftragt hat, eine Konstellation sogenannter „Flatellites“ für das Programm Space-Based Airborne Moving Target Indicator (SB-AMTI) zu entwickeln, zu starten und zu betreiben. Die Starts sollen auf der neuen Neutron-Rakete stattfinden, die damit früh eine militärische Nutzlast erhält. Erst gut eine Woche zuvor, am 27. Juli, hatte sich das Unternehmen zusätzlich einen 266-Millionen-Dollar-Auftrag der Rocket Systems Launch Program der US Space Force für suborbitale Missionen gesichert – nach eigenen Angaben der größte reine Startauftrag in der Firmengeschichte. Ergänzt wird das Bild durch eine Mehrfachstart-Vereinbarung mit dem japanischen Institute for Q-shu Pioneers of Space (iQPS) vom 30. Juli, die drei dedizierte Electron-Missionen für QPS-SAR-Erdbeobachtungssatelliten vorsieht.
Für mich zeigt diese Kadenz vor allem eines: Rocket Lab ist nicht mehr nur ein Startdienstleister, sondern positioniert sich als militärisch relevanter Systemanbieter. Das erklärt, warum der Kurs zuletzt Auftrieb bekam – innerhalb der vergangenen sieben Tage legte die Aktie um 15,51 Prozent zu und notiert aktuell bei 64,80 Euro.
Die Beck-Strategie: schlank statt spendierfreudig
Passend dazu erklärte Firmenchef Sir Peter Beck am heutigen Donnerstag laut SatNews, man wolle SpaceX und Blue Origin nicht über hohe Investitionsausgaben, sondern über architektonische Innovation und hochverdichtete Bauteile ausstechen. Diese Aussage lässt sich als Antwort auf die naheliegende Sorge lesen, ein kleinerer Anbieter könne im Wettlauf um Kapazität finanziell überfordert werden. Ob die „lean“-Strategie tatsächlich reicht, um mit Konzernen dieser Größenordnung Schritt zu halten, bleibt aus meiner Sicht die eigentliche Wette hinter dem Investment Case.
Kursziel-Korrektur und Übernahme-Kontext
Am heutigen Tag kursierte zudem ein Konsensbericht, der die vertikale Integration nach der rund 8 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Iridium Communications als abgeschlossen darstellte. Der bereinigte Analystenkonsens auf Basis von 18 Häusern beziffert das durchschnittliche Kursziel auf 111,31 US-Dollar – ein deutlich moderaterer Wert, als einzelne Medienmeldungen suggerierten. Auch einzelne Häuser bewegen sich in diese Richtung: KGI Securities hob die Aktie am 27. Juli von „Neutral“ auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 107,00 US-Dollar an. Piper Sandler hatte die Coverage am 16. Juli mit „Neutral“ und einem Kursziel von 83,00 US-Dollar aufgenommen – ein Wert, der inzwischen als historischer Ausgangspunkt zu lesen ist, nicht als aktuelle Einschätzung. Die Iridium-Übernahme selbst, am 22. Juli bestätigt, soll das Geschäft mit Satellitenkommunikation und wiederkehrenden Umsätzen deutlich ausbauen – strategisch nachvollziehbar, finanziell aber ein Kraftakt für ein Unternehmen dieser Größe.
Insiderverkauf kurz vor den Zahlen
Was mich stutzig macht: Zwischen dem 6. und 8. Juli verkaufte CEO Peter Beck laut SEC-Meldung 3.275.779 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 87,43 US-Dollar, insgesamt rund 286,4 Millionen US-Dollar. Solche Insiderverkäufe sind nicht automatisch ein Warnsignal, doch sie relativieren die Euphorie der jüngsten Auftragsmeldungen. Am 10. August legt Rocket Lab die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, Analysten erwarten einen Verlust von 0,0583 US-Dollar pro Aktie bei 231,6 Millionen US-Dollar Umsatz. Charttechnisch notiert die Aktie derzeit 4,07 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rebound den mittelfristigen Abwärtstrend noch nicht vollständig gebrochen hat.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Rocket Lab ein Unternehmen, das operativ beeindruckend liefert – Militäraufträge, internationale Partnerschaften, eine ambitionierte Übernahme. Die Kombination aus hoher Volatilität, einem noch nicht bestätigten Neutron-Erfolg und dem Insiderverkauf des CEO spricht aber dafür, die Berichtszahlen am 10. August als eigentlichen Prüfstein abzuwarten, bevor man die Auftragsflut unreflektiert als Bewertungsargument nimmt.
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