Während Wettmärkte im Netz auf weitere Kursverluste setzen, sehen Analysten das Unternehmen deutlich höher bewertet als aktuell. Dazwischen steht ein Geschäft, das operativ kräftig wächst, aber weiterhin rote Zahlen schreibt.
Kursrutsch im gesamten Raumfahrtsektor
Der Ausverkauf trifft nicht nur Rocket Lab. SpaceX fiel unter seinen IPO-Preis, AST SpaceMobile verlor rund ein Drittel, und der gesamte Raumfahrtsektor büßte binnen eines Monats geschätzt rund 600 Milliarden US-Dollar an Wert ein. Auslöser waren unter anderem ein abgebrochener Starship-Testflug sowie generelle Sorgen um die Rentabilität hoher KI- und Infrastrukturinvestitionen, die zuletzt auch Chip-Werte belasteten.
Rocket Lab blieb von dieser Marktstimmung nicht verschont. Allein in den vergangenen 30 Tagen brach der Kurs um 36,85 Prozent ein. Vom Rekordhoch bei 133,80 Euro, das die Aktie Ende Mai 2026 markiert hatte, trennen das Papier inzwischen 55,68 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 30,2 deutet auf eine überverkaufte Marktlage hin.
Prognosemärkte erwarten weiteren Rückgang
Auf der Handelsplattform Polymarket rechnen Teilnehmer mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent damit, dass die Rocket-Lab-Aktie eine Marke von 64 US-Dollar erreicht. Für einen Rückgang auf 60 Dollar sehen die Wettenden eine Wahrscheinlichkeit von 64,5 Prozent, während nur 5,2 Prozent einen Anstieg auf 108 Dollar für wahrscheinlich halten. Bemerkenswert dabei: Historisch lagen die Polymarket-Prognosen bei vergleichbaren Ereignissen nur in 28,6 Prozent der Fälle richtig.
Ganz anders fällt der Blick der Wertpapieranalysten aus. Deren durchschnittliches Kursziel liegt bei 116,57 US-Dollar und impliziert ein Aufwärtspotenzial von 73,1 Prozent gegenüber dem zuletzt in dieser Auswertung genannten Kursniveau. Zwischen kurzfristiger Markterwartung und langfristiger Analystenmeinung klafft damit eine ungewöhnlich große Lücke.
Wachstum trotz Verlusten
Operativ zeigt Rocket Lab weiterhin Dynamik. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 200,35 Millionen US-Dollar, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Verlust je Aktie lag bei 0,07 Dollar, der Auftragsbestand summierte sich auf 2,20 Milliarden Dollar.
Auf Basis der vergangenen zwölf Monate kam Rocket Lab laut einer Analyse von Simply Wall St auf einen Konzernumsatz von 679,6 Millionen Dollar. Davon entfielen 452,5 Millionen auf das Segment Space Systems und 227,1 Millionen auf das Launch-Geschäft. Diese Zwölfmonatsbetrachtung unterscheidet sich von den reinen Quartalszahlen und bildet einen längeren Zeitraum ab.
Simply Wall St führte Rocket Lab in seiner Analyse als einen von drei unterbewerteten Cashflow-Werten für Privatanleger an, neben TTM Technologies und United States Antimony. Das Unternehmen sei zwar weiterhin defizitär, verfüge jedoch über Aufträge von NASA und Space Force sowie über die geplante Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium für rund 8 Milliarden US-Dollar. Diese Transaktion gilt als einer der Gründe, warum Analysten trotz der jüngsten Kursschwäche an ihren optimistischen Kurszielen festhalten.
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