Rocket Lab bekommt am Freitag ein Buy-Rating von Seeking-Alpha-Analysten, während die Aktie im Wochenverlauf zweistellig verliert. Der Widerspruch zeigt, wie gespalten der Markt die Raumfahrtfirma derzeit einschätzt: Die einen sehen wachsendes Auftragspolster und Mars-Ambitionen, die anderen einen überteuerten Titel ohne fliegende Rakete.
Die Aktie schloss am Freitag bei 62,40 Euro, nahezu unverändert zum Vortag, doch binnen sieben Tagen büßte das Papier zehn Prozent ein. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 1,8 Prozent, seit Jahresbeginn liegt Rocket Lab knapp im Grünen.
Der Kurs notiert derzeit rund 13 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 71,40 Euro – ein Zeichen, dass die kurzfristige Dynamik gekippt ist, während der langfristige Aufwärtstrend mit einem Plus von 74 Prozent auf Jahressicht intakt bleibt.
Backlog wächst, Neutron lässt weiter warten
Im Zentrum der Aufwertung steht der Auftragsbestand: Rocket Lab meldete zuletzt einen Backlog von 2,36 Milliarden Dollar, ein Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte auf 234 Millionen Dollar, ein Zuwachs von 62 Prozent. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen tief in den roten Zahlen: Der Nettoverlust im ersten Halbjahr summierte sich auf 94 Millionen Dollar.
Belastend wirkt weiterhin die Verzögerung der neuen Trägerrakete Neutron, deren Erstflug sich laut Marktbeobachtungen auf 2027 verschieben könnte. Für ein Unternehmen, dessen Bewertung maßgeblich von künftigem Wachstum abhängt, ist das kein triviales Detail.
Die Seeking-Alpha-Analysten, die am Freitag ihr Rating auf Buy anhoben, betonen dennoch, dass die Mars-Ambitionen und das wachsende Backlog die verspätete Neutron-Zeitlinie aufwiegen. Sie nennen dabei einen Kursziel-Unterstützungsbereich von 57 Dollar.
Zu den strategischen Weichenstellungen zählen die Übernahmen von Mynaric, Motiv Space Systems und der geplante Kauf von Iridium Communications im Volumen von acht Milliarden Dollar, der Mitte 2027 abgeschlossen werden soll.
Auf der Raumfahrtseite kommen NASA-Studienverträge für einen Mars Telecommunications Orbiter, geplant für 2028, sowie eine Beteiligung an Mars-Sample-Return-Missionen in den 2030er-Jahren hinzu.
Bewertung spaltet die Analystengemeinde
Der Konsens unter den Analysten bleibt uneinheitlich zwischen „Strong Buy“ und vorsichtigeren Einstufungen wie dem Hold-Rating von BTIG. Kritiker verweisen darauf, dass Rocket Lab beim aktuellen Marktwert von umgerechnet 44,32 Milliarden Euro etwa das 59-Fache des Umsatzes der vergangenen zwölf Monate kostet – eine Bewertung, die kaum Fehlertoleranz für weitere Verzögerungen lässt.
Befürworter argumentieren dagegen mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 12,4, das unter vergleichbaren Wachstumswerten von rund 20 liegt, und verweisen auf DCF-Modelle, die eine Unterbewertung von bis zu 38 Prozent nahelegen.
Institutionelle Investoren bauten ihre Positionen im zweiten Quartal weiter aus. Neben größeren Bestandshaltern wie BlackRock und Vanguard erhöhten mehrere kleinere Fonds und ausländische Staatsfonds ihre Anteile, während gleichzeitig Insider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von rund 351 Millionen Dollar verkauften. Der Anteil institutioneller Eigentümer liegt inzwischen bei knapp 72 Prozent.
Die Volatilität von 78 Prozent auf 30-Tage-Basis unterstreicht, wie nervös der Handel mit dem Papier bleibt. Für Anleger bedeutet das: Die fundamentale Wachstumsgeschichte über Backlog, Mars-Projekte und Übernahmen bleibt intakt, doch der Weg dorthin führt über eine noch unbewiesene Rakete und eine Bewertung, die wenig Spielraum für weitere Rückschläge lässt.
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