Über 1,3 Milliarden Dollar an Rüstungsaufträgen in wenigen Wochen — und die Aktie notiert trotzdem rund 23 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Bei Rocket Lab klaffen operative Dynamik und Kursentwicklung derzeit weit auseinander.
Raketenabwehr als neues Kerngeschäft
Das Herzstück der jüngsten Vertragsoffensive ist die Zusammenarbeit mit der Space Development Agency. Rocket Labs Lösung für die sogenannte Tracking Layer Tranche 3 — ein Satellitennetzwerk zur Erkennung und Verfolgung von Hyperschallraketen — bestand den System Requirements Review und wurde als technische Referenzlösung für das Programm festgelegt. Das sicherte einen Auftrag über 816 Millionen Dollar, zusätzlich zu einem bereits zuvor erteilten Vertrag über 515 Millionen Dollar. Das Satellitennetzwerk basiert auf Rocket Labs eigenem Lightning-Bus.
Hinzu kommt ein 90-Millionen-Dollar-Auftrag der U.S. Space Force: Rocket Lab soll zwei geostationäre Satelliten bauen, die den Heimdall-Sensor zur Weltraumüberwachung tragen. Es ist der erste Produktionsauftrag des Unternehmens für die geostationäre Umlaufbahn — eine neue Dimension für das bislang auf niedrige Erdumlaufbahnen spezialisierte Geschäftsmodell.
Zukauf stärkt die Fertigungstiefe
Parallel schloss Rocket Lab die Übernahme von Motiv Space Systems ab, einem kalifornischen Entwickler von Weltraumrobotik. Das Unternehmen — jetzt unter dem Namen Rocket Lab Robotics — lieferte Technologie für den NASA-Rover Perseverance und das CADRE-Mondprogramm. Mit dem Zukauf holt sich Rocket Lab auch die Fertigung von Solarantriebseinheiten ins Haus, die Solarpanele auf Satelliten zur Sonne ausrichten. Die Akquisition reiht sich in eine Serie von Übernahmen ein, darunter Mynaric, Geost, Optical Support und SolAero Technologies.
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Rekordquartal als Fundament
Die Vertragserfolge stützen sich auf ein starkes erstes Quartal. Der Umsatz stieg um 63,5 Prozent auf einen Rekordwert von 200,3 Millionen Dollar. Das Raumfahrtsystemsegment trug dabei 136,7 Millionen Dollar bei, die Startsparte 63,7 Millionen — ein Verhältnis, das den Wandel vom Raketenstarter zum Satellitenbauer eindrücklich belegt. Der Auftragsbestand überstieg 2,2 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Rocket Lab verfügt über mehr als 2 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln.
Auf Jahressicht steht die Aktie in Euro gerechnet noch immer rund 59 Prozent im Plus. Allerdings hat die jüngste Korrektur seit dem 52-Wochen-Hoch Anfang vergangener Woche rund 20 Prozent des Kurswerts abgetragen — bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 130 Prozent keine Ausnahme, sondern das übliche Muster.
Neutron als entscheidender Prüfstein
Der nächste große Katalysator ist die Erstmission der Neutron-Rakete, die für das vierte Quartal 2026 geplant ist. Die FAA-Genehmigungsanträge sind bereits eingereicht, und fünf Startverträge liegen vor — obwohl die Rakete noch nie geflogen ist. Gelingt der Erstflug planmäßig, dürfte das die Diskussion über die aktuelle Bewertung neu entfachen. Scheitert er oder verzögert sich das Programm, steht das Unternehmen vor einer anderen Rechnung — trotz aller Vertragsmilliarden.
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