Roche will mit einer Pille eine neue Standardbehandlung für fortgeschrittenen Lungenkrebs etablieren. Es ist der erste Vorstoß des Konzerns in ein junges Feld der Onkologie, das Investoren erst seit Kurzem intensiv beobachten.
Studiendaten aus Madrid
Auf dem Jahreskongress der European Society for Medical Oncology stellte Roche am Sonntag die Ergebnisse einer Spätphasenstudie zu Divarasib vor. Das Medikament senkte das Sterberisiko im Vergleich zu bestehenden Therapien von Amgen und Bristol Myers Squibb um 44 Prozent. Verglichen wurden Patienten mit einer bestimmten Form von Lungenkrebs, die bereits behandelt worden waren.
Auch bei der Verträglichkeit schnitt Divarasib laut Roche besser ab. Weniger Teilnehmer brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab als in den Vergleichsgruppen. Stefan Frings, Deputy Chief Medical Officer, zeigte sich überzeugt: „Die Daten werden die Praxis verändern.“
Divarasib ist ein orales Mittel. Es bindet an das Protein KRAS G12C und soll dessen tumorfördernde Signalwirkung abschalten. KRAS-Mutationen gehören zur RAS-Familie, einem Treiber der Tumorausbreitung, an dem sich die Branche lange die Zähne ausbiss.
Wettbewerb und Potenzial
Die Konkurrenz schläft nicht. Eli Lilly, Merck & Co. und Revolution Medicines entwickeln ebenfalls KRAS-Medikamente, wie Analysten von RBC Capital Markets in einer jüngeren Studie festhielten. Ein Durchbruch von Revolution Medicines bei Bauchspeicheldrüsenkrebs hatte das gesamte Feld zuletzt ins Blickfeld der Investoren gerückt.
Roche setzt deshalb breiter an. In der Pipeline stehen zwei weitere Kandidaten: einer, der verschiedene RAS-Mutationen blockieren soll, und ein zweiter gegen KRAS G12C. Beide befinden sich in frühen Studienphasen.
Beim Spitzenumsatz hatte Roche die Erwartungen bereits im September angehoben, auf 2 bis 3 Milliarden Franken jährlich. Zuvor waren es 1 bis 2 Milliarden. Frings verwies auf die Behandlungsdauer, die deutlich länger ausfalle als ursprünglich unterstellt. „Wir sind jetzt sicherlich hoffnungsvoller, dass es ein guter Blockbuster wird.“
Nächster Schritt: frühere Krankheitsstadien
Roche führt weitere Spätphasenstudien durch. Sie prüfen, ob Divarasib auch in früheren Krankheitsphasen wirkt, als Einzeltherapie oder kombiniert mit Keytruda von Merck & Co. Die jetzigen Daten und die im Juni auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology vorgestellten Ergebnisse stimmen das Management zuversichtlich, dass Divarasib in der Erstlinienbehandlung funktionieren könnte. Gelingt das, würde sich der adressierbare Markt für das Medikament deutlich vergrößern.
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