Neue Kaufempfehlungen treffen auf hohe Erwartungen und schwache Fundamentaldaten: Rigetti Computing erlebt einen deutlichen Stimmungswechsel – doch das Bild bleibt widersprüchlich. Analysten sehen Kurschancen, während Insider Kasse machen und operative Risiken klar sichtbar sind. Wie belastbar ist diese neu entfachte Zuversicht?
Frischer Rückenwind von der Analystenseite
Am Freitag legte die Aktie um rund 6,5 % auf 23,60 US‑Dollar zu und setzte damit ihren jüngsten Aufwärtstrend fort. Auslöser war eine Welle neuer Analysteneinstufungen großer Häuser.
- Wedbush startete die Beobachtung mit „Outperform“ und einem Kursziel von 35 US‑Dollar.
- Mizuho zeigte sich noch optimistischer und setzte bei ebenfalls „Outperform“ die Marke bei 50 US‑Dollar, mit Verweis auf das Potenzial in supraleitenden Qubits.
- Jefferies blieb zurückhaltender und stufte mit „Hold“ und einem Kursziel von 30 US‑Dollar ein.
Im Schnitt liegen die neuen Zielmarken damit deutlich über dem aktuellen Kurs, was den jüngsten Kaufdruck plausibel erklärt. Gleichzeitig nutzt das Managementumfeld die gestiegene Nachfrage: Am 2. Januar veräußerte Director Fitzgerald Alissa knapp 60.000 Aktien und griff damit die erhöhte Liquidität auf. Bereits Ende 2025 hatte Director Helene Gail Sandford bei höheren Kursen verkauft. Marktbeobachter werten die wiederholten Verkäufe als Hinweis darauf, dass interne Akteure Kursanstiege gezielt zur Monetarisierung nutzen.
Charttechnisch wirkt der jüngste Sprung wie eine Erholung innerhalb eines stark schwankenden Trends. Die Aktie liegt nur knapp über dem 50‑Tage‑Durchschnitt von 23,03 US‑Dollar, bleibt aber mehr als 50 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 48,36 US‑Dollar.
Auftragsbuch vs. verpasste Meilensteine
Operativ ergibt sich ein gemischtes Bild. Einerseits sorgen Berichte für Unruhe, dass Rigetti seine interne Frist verfehlt hat, bis Ende 2025 ein System mit über 100 Qubits und 99,5 % Gate-Fidelity vorzustellen. Solche technischen Zielmarken sind für die Story entscheidend, weil sie die technologische Führungsrolle untermauern sollen.
Andererseits zeigt das Auftragsbuch Aktivität:
- Rund 5,7 Mio. US‑Dollar an Bestellungen für Novera‑Systeme mit geplanter Auslieferung im ersten Halbjahr 2026
- Ein weiterhin laufender Auftrag über 5,8 Mio. US‑Dollar mit dem US Air Force Research Lab als wichtigem Umsatztreiber
Damit gibt es zumindest eine sichtbare Pipeline für die nächsten Monate, auch wenn die Volumina gemessen an der Börsenbewertung überschaubar bleiben.
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Finanziell steht Rigetti vor typischen Herausforderungen junger Quanten-Player. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 1,95 Mio. US‑Dollar, ein Rückgang um 18,1 % gegenüber dem Vorjahr. Zugleich fiel ein Nettoverlust von über 200 Mio. US‑Dollar an, bei einer EBIT‑Marge von unter –4.000 %. Diese Werte unterstreichen, dass das Geschäftsmodell aktuell weit von Profitabilität entfernt ist.
Positiv zu werten ist die sehr hohe kurzfristige Liquidität: Eine Current Ratio von 39,2 signalisiert, dass kurzfristige Verbindlichkeiten deutlich durch Umlaufvermögen gedeckt sind. Das verschafft Zeit, um Technologie und Produktportfolio weiterzuentwickeln – allerdings ohne Garantie, dass der Sprung zur kommerziellen Nutzung rechtzeitig gelingt.
Bewertung und Marktposition im Quanten-Sektor
Mit einer Marktkapitalisierung um 7,8 Mrd. US‑Dollar und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 1.000 auf Quartalsbasis (rund 850x auf Trailing-Basis) bewegt sich Rigetti in Bewertungsregionen, die weit über dem klassischen Tech-Sektor liegen. Die Aktie preist damit heute schon erhebliches zukünftiges Wachstum und technologische Führerschaft ein.
Auffällig ist die unterschiedliche Herangehensweise verschiedener Anlegergruppen:
Während viele Privatanleger gezielt auf „Pure Play“-Quantenwerte wie Rigetti oder IonQ setzen, tendieren große Adressen laut Berichten eher zu etablierten Tech-Konzernen wie Alphabet (Google), um am Thema Quantencomputing zu partizipieren. Der Grund: Das kommerzielle Potenzial gilt zwar als enorm, ist aber zeitlich und technologisch schwer abschätzbar. Gleichzeitig konkurrieren relativ kleine Spezialisten wie Rigetti mit finanzstarken Großkonzernen, die eigene Quantenprogramme aufbauen.
Die Kursentwicklung 2025 spiegelt dieses Spannungsfeld wider. Die Aktie legte im Jahresverlauf zwar um rund 50 % zu, blieb aber deutlich unter den Höchstständen und weist eine annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 95 % auf. Der jüngste Anstieg der vergangenen Woche – rund 5,4 % auf Sieben-Tage-Sicht – passt in dieses hochschwankende Muster.
Ausblick: Technikziele im Fokus
Kurzfristig mahnen die technischen Indikatoren zur Vorsicht. Die Signale vom Freitag deuteten auf einen überkauften Markt und ein bearishes Crossover hin, was eine Phase der Konsolidierung zu Wochenbeginn begünstigen könnte.
Inhaltlich rücken zwei Punkte in den Vordergrund:
Entscheidend wird, ob Rigetti im ersten Halbjahr 2026 die angekündigten Novera‑Lieferungen planmäßig realisiert und damit die Umsatzpipeline bestätigt. Parallel dazu steht das Nachholen der verpassten Technikmeilensteine – insbesondere ein System mit über 100 Qubits und hoher Fidelity – im Raum. Nur wenn diese Fortschritte im ersten Quartal 2026 sichtbar werden, lassen sich die aggressiven Kursziele von Mizuho und Wedbush fundamental untermauern.
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