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Symbolbild, KI-generiert

Rheinmetall taumelt, Siemens Energy hält: Der Zins sortiert die Gewinner neu

Steigende Renditen belasten Rheinmetall und Vonovia, während Siemens Energy stabil bleibt und Deutsche Bank sowie Bitcoin im Fokus stehen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rheinmetall verliert trotz Rekordauftragsbestand
  • Siemens Energy zeigt relative Kursstabilität
  • Deutsche Bank profitiert vom Zinsumfeld
  • Bitcoin fällt vom Dreimonatshoch zurück

Sehr geehrte Damen und Herren,

zehnjährige Bundesanleihen rentieren derzeit so hoch wie zuletzt 2011 – und die vergangenen Tage liefern den Beweis, dass ein steigender Diskontsatz keineswegs jede kapitalintensive Wachstumsstory gleich behandelt. Rheinmetall und Siemens Energy, beide Symbolaktien der deutschen Transformation, beide auf Jahre hinaus verschuldete Zukunftsversprechen, laufen seit Ende vergangener Woche in entgegengesetzte Richtungen. Genau das ist die Lektion, die Anleger aus dieser Woche mitnehmen sollten – nicht der x-te Blick auf die Fed.

Rheinmetall: Rekordauftragsbuch schützt nicht mehr vor der Bewertungsfrage

Die Rheinmetall-Aktie ist in der vergangenen Woche mehrfach unter die psychologische Marke von 1.100 Euro gerutscht und pendelt aktuell (Dienstag) bei rund 1.028 Euro – nach einem Vorwochenschluss von 1.023 Euro. Über die vergangenen 30 Tage steht ein Kursverlust von rund 10 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 34 Prozent, binnen zwölf Monaten bei 42 Prozent. Dabei war der Auftragsbestand zum Jahresende 2025 mit 63,8 Milliarden Euro auf Rekordniveau, der Umsatz legte 2025 um 29 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis sogar um 33 Prozent. Der Widerspruch löst sich auf, sobald man auf die Bewertung schaut: Ein für 2026 in Aussicht gestelltes Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent rechtfertigt bei einem erwarteten KGV von rund 32,5 nur dann den aktuellen Kurs, wenn Zinsen niedrig bleiben und die Lieferpipeline hält. Beides steht derzeit infrage: Kritik an Lieferschwierigkeiten bei zwei zentralen Rüstungsprogrammen belastet die Stimmung zusätzlich zum Renditeanstieg, und selbst ein neuer US-Navy-Auftrag über Rheinmetall Canada für Ersatzteile mit Auslieferung bis Ende 2028 konnte den Ausverkauf am vergangenen Freitag nicht bremsen. Deutsche Bank Research hält mit „Buy“ und Kursziel 1.800 Euro dagegen, der breitere Analystenkonsens liegt bei 8 Kauf- zu 2 Halten-Voten und einem Durchschnittsziel von 1.645 Euro – die Kluft zum aktuellen Kurs zeigt, wie unversöhnlich der Markt gerade Zukunftsgewinne mit dem höheren Diskontsatz abrechnet. Diese Woche, vom 8. bis 10. September, stehen Investorenkonferenzen an. Dort muss sich zeigen, ob das Management die Margen- und Pipeline-Sorgen entkräften kann.

Siemens Energy: politischer Gegenwind, aber der Kurs bleibt stabil

Ganz anders die Lage bei Siemens Energy. Die Aktie notiert aktuell bei knapp 148 Euro, seit Jahresbeginn ein Plus von 23 Prozent, binnen zwölf Monaten sogar 65 Prozent – trotz eines ähnlich kapitalintensiven Geschäftsmodells rund um Netzausbau und Energiewende. Konzernchef Christian Bruch positionierte sich am Wochenende ungewöhnlich politisch: Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bezeichnete er das Wirtschaftsprogramm der AfD als „dramatisch falsche Botschaft“, warnte vor Risiken für Export, Fachkräfte und Investoren und bekam dafür Rückendeckung von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Bruch mahnte zudem mehr Resilienz gegen zunehmende hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur an – ein Thema, das mit Blick auf die 27.000 Mitarbeiter des Konzerns in Deutschland auch operativ relevant ist. Bemerkenswert für Anleger: Trotz der politischen Debatte hat sich die Aktie binnen 30 Tagen nur moderat um 4,9 Prozent abgeschwächt, deutlich weniger als Rheinmetall. Der Markt unterscheidet damit offenbar zwischen Unternehmen, deren Wachstumsstory an politische Börsenrisiken gekoppelt ist, und solchen mit konkreten Lieferproblemen. Wer auf die deutsche Energiewende setzt, bekommt trotz Zinsdruck relative Stabilität – ein Kontrapunkt zur Rheinmetall-Schwäche.

US-Jobs-Report: Der Fed-Zinsschritt ist so gut wie eingepreist

Der eigentliche Auslöser des jüngsten Renditeschubs kam am Freitag aus den USA: Die August-Beschäftigung stieg um 162.000 Stellen, dreimal so viel wie die Konsensschätzung von rund 55.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent, die Löhne legten um 3,1 Prozent im Jahresvergleich zu, und die Revisionen für Juni und Juli fielen mit zusammen plus 55.000 überraschend positiv aus. Auffällig war der KI-exponierte Informationssektor: Mit minus 23.000 Stellen baute er so schnell Jobs ab wie seit Beginn der Reihe nicht mehr – ein Fingerzeig auf strukturelle Verschiebungen durch Automatisierung, der den robusten Gesamtwert relativiert. An der Wall Street reagierten die Indizes am Freitag mit Verlusten, angeführt vom Dow mit rund 0,5 Prozent, während die von Ökonomen taxierte Wahrscheinlichkeit für einen Fed-Zinsschritt am 15./16. September von 49,4 auf 58,4 Prozent sprang. Die zehnjährige US-Rendite kletterte auf rund 4,78 bis 4,80 Prozent. Für Anleger heißt das: Die Zinssitzung der Fed ist keine Unsicherheit mehr, sondern ein nahezu eingepreistes Ereignis. Spannend wird nun, wie die US-Inflationsdaten dieser Woche das Bild vor der Entscheidung noch verschieben.

EZB vor dem Zinsschritt am Donnerstag: Banken profitieren, Immobilien leiden

Parallel bereitet sich die Eurozone auf die EZB-Sitzung am Donnerstag vor, bei der eine Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent von den Märkten vollständig eingepreist ist. Der Markt geht sogar weiter als die meisten Ökonomen und wettet auf zwei weitere Zinsschritte bis Mitte 2027 auf einen Einlagensatz von 3,0 Prozent – getrieben von einer Euro-Inflation von 3,3 Prozent im August. Diese Gemengelage erklärt auch die Rotation innerhalb des DAX: Während Goldman Sachs Vonovia am Montag von „Buy“ auf „Neutral“ abstufte und das Kursziel von 29,50 auf 21,20 Euro kappte, weil steigende Zinsen die Immobilienbewertung direkt belasten, ziehen die Bankanalysten in die Gegenrichtung. Warburg Research hob das Kursziel für die Deutsche Bank am Montag auf 41,50 Euro an, zuvor 39 Euro, mit „Buy“-Votum, JPMorgan bestätigte am Dienstag „Overweight“ mit Ziel 41 Euro – beide mit dem Argument steigender Zinsüberschüsse im Euroraum. Die Deutsche-Bank-Aktie selbst notiert aktuell bei 35,35 Euro, nur knapp unter ihrem am Freitag markierten 52-Wochen-Hoch von 35,74 Euro, und hat seit Jahresbeginn rund 6 Prozent zugelegt. Der Zinszyklus schafft damit klare Gewinner und Verlierer innerhalb desselben Marktes – Bankaktien statt Immobilien ist aktuell die naheliegende Rotation.

Bitcoin: der Rückzug vom Dreimonatshoch

Auch der Kryptomarkt spürt den Zinsdruck. Bitcoin war in der vergangenen Woche kurz über 82.000 Dollar geklettert, ein Dreimonatshoch, ehe der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht am Freitag die Fed-Zinsfantasie neu befeuerte und die Notierung seither sukzessive auf aktuell rund 78.300 Dollar drückte – ein Tagesverlust von 2,5 Prozent allein am Montag. Bemerkenswert ist, dass die Nachfrage über Spot-Bitcoin-ETFs davon unberührt blieb: In der Woche bis Samstag flossen rund 987 Millionen Dollar netto in entsprechende Produkte. Das strukturelle Kaufinteresse institutioneller Anleger bleibt also intakt, auch wenn der kurzfristige Kurs unter dem gestiegenen Zinsausblick und den Nahost-Spannungen leidet.

Nahost-Spannungen: Ölpreis als zusätzliches Inflationsrisiko

Ein weiterer Faktor heizt die Zinsdebatte an: Der Ölpreis zog zu Wochenbeginn weiter an, WTI kletterte am Dienstagmorgen um rund 1 Prozent auf über 92 Dollar. Hintergrund sind Drohungen Irans, im Falle neuer US-Angriffe Energieinfrastruktur im gesamten Golf-Raum ins Visier zu nehmen. Für Anleger ist das keine Randnotiz: Steigende Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck genau in dem Moment, in dem Fed und EZB ohnehin auf einem restriktiveren Kurs sind – ein Umstand, der die Bund-Rendite-Story der vergangenen Tage noch verschärfen könnte.

Das große Bild

Die kommenden Tage liefern gleich drei Prüfsteine: die EZB-Entscheidung am Donnerstag, US-Inflationsdaten vor der Fed-Sitzung am 15./16. September und die Rheinmetall-Investorenkonferenzen bis Donnerstag. Die eigentliche Erkenntnis dieser Woche liegt aber schon jetzt auf dem Tisch: Steigende Zinsen behandeln nicht alle verschuldeten Wachstumsstorys gleich. Sie bestrafen Rheinmetall für Lieferprobleme und eine sportliche Bewertung, verschonen Siemens Energy trotz politischer Turbulenzen, prämieren Bankaktien und strafen Immobilienwerte ab. Wer in kapitalintensive Zukunftsthemen investiert ist, sollte genau hinschauen, woran der jeweilige Kursrückgang tatsächlich hängt – am Diskontsatz allein, oder an einem konkreten operativen Problem. Nur Ersteres ist mit sinkenden Zinsen reversibel.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.