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Rheinmetall mit Citigroup-Upgrade, OHB über 400 Prozent — Renk verdaut KNDS-Exit

Rheinmetall erhält Citigroup-Upgrade, OHB verzeichnet Kursrallye. Renk trotzt KNDS-Ausstieg, MTU erholt sich vom Jahrestief.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Citigroup stuft Rheinmetall auf Kaufen hoch
  • OHB-Aktie legt über 400 Prozent zu
  • Renk meistert Verkauf durch Großaktionär KNDS
  • MTU erholt sich trotz vorsichtiger Analysten

Auftragsrekorde, wohin man blickt. 73 Milliarden Euro bei Rheinmetall, 6,9 Milliarden bei Renk, 3,35 Milliarden bei OHB. Die europäische Rüstungsindustrie verzeichnet Backlog-Stände, die noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wären. Nur: Der Markt kauft Rekord-Orderbücher nicht mehr blind. Er will Umsatz sehen, Marge, Cashflow. Genau an diesem Punkt trennen sich gerade die Gewinner von den Nachzüglern.

Rheinmetall: Milliarden-Auftrag trifft auf Quartalsenttäuschung

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat Mitte Mai die Beschaffung von rund 600 ungeschützten Militär-Lastwagen bei Rheinmetall MAN Military Vehicles genehmigt — Volumen: etwa eine Milliarde Euro. Bestellt werden 576 HX2-Lkw mit 15 Tonnen Zuladung und 34 kleinere HX2-Modelle. Die Lieferung soll bis November 2026 abgeschlossen sein. Es ist bereits der vierte Abruf aus einem Rahmenvertrag über bis zu 6.500 Fahrzeuge.

Für die Aktie kam der Auftrag zur rechten Zeit. Die Q1-Zahlen hatten den Kurs unter Druck gesetzt: 1,94 Milliarden Euro Umsatz lagen deutlich unter der Konsenserwartung von 2,3 Milliarden. Das operative Ergebnis stieg zwar um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro, die Marge kletterte auf 11,6 Prozent. Für das Gesamtjahr hält das Management an einem ambitionierten Umsatzplus von 40 bis 45 Prozent fest.

Neuen Rückenwind liefert die Citigroup. Analyst Charles Armitage stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Kaufen“ hoch, mit einem Kursziel von 1.408 Euro. Seine Begründung: Der Markt habe auf Friedenshoffnungen im Ukraine-Konflikt überreagiert. Der operative Bedarf an Munition und Waffensystemen bleibe auf Jahre hinaus hoch. JPMorgan sieht das Ziel sogar bei 1.500 Euro — bei einem aktuellen Kurs von 1.215,60 Euro ein erheblicher Abstand.

  • Auftragsbestand: 73 Milliarden Euro (Rekord, +32 % gg. Vorjahr)
  • Q1-Umsatz: 1,94 Milliarden Euro (unter Konsens)
  • Analysten-Konsens Kursziel: 2.009 Euro (20 Experten)

CEO Armin Papperger erwartet im zweiten Quartal stärkeres Wachstum bei Umsatz und Auftragseingang. Lieferverzögerungen bei Militär-Lkw und Produktionsverschiebungen im spanischen Munitionswerk Murcia sollen dann umsatzwirksam werden.

Renk: Großaktionär KNDS casht aus — die Aktie steigt trotzdem

KNDS, der deutsch-französische Panzerbauer hinter dem Leopard 2, hat sich von 5,8 Millionen Renk-Aktien getrennt. Die beschleunigte Platzierung brachte 262 Millionen Euro ein. KNDS hält nun noch rund 10 Prozent an dem Augsburger Getriebespezialisten und unterliegt einer 180-tägigen Stillhalteperiode.

Bemerkenswert: Die Aktie schloss am Platzierungstag bei 47,80 Euro mit einem Plus von 3,3 Prozent — deutlich über dem impliziten Platzierungspreis. Die institutionellen Käufer hielten offensichtlich an ihren Stücken fest. Aktuell notiert Renk bei 48,77 Euro, gut 11 Prozent über dem erst Mitte Mai markierten Jahrestief.

KNDS will die Erlöse nutzen, um die eigene Finanzkraft vor dem geplanten Börsengang zu stärken. An der operativen Zusammenarbeit ändert sich nichts — Renk bleibt Getriebelieferant für den Leopard 2.

Die Quartalszahlen stützen den Kurs. Im ersten Quartal meldete Renk einen Auftragseingang von 582 Millionen Euro — den besten Jahresauftakt der Unternehmensgeschichte. Der Umsatz stieg um 4 Prozent auf 283 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 10 Prozent auf 42 Millionen Euro, die Marge kletterte auf 15,0 Prozent. Die Jahresprognose steht: über 1,5 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.

Der mögliche KNDS-Börsengang im Juni oder Juli könnte ein doppeltes Signal senden. Mehr Transparenz bei Landsystemen stärkt die Bewertungsgrundlage für die gesamte Branche — Renk eingeschlossen.

OHB SE: ESA-Sieg krönt eine Kursrallye von über 400 Prozent

Ende 2025 notierte OHB bei 116,60 Euro. Heute sind es rund 635 Euro. Über 400 Prozent Plus seit Jahresbeginn — eine Performance, die in der europäischen Rüstungsbranche ihresgleichen sucht. Die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 10,88 Milliarden Euro.

Frischer Treibstoff kam diese Woche von der ESA. Nach zehnmonatiger Evaluierung wählte die Europäische Weltraumorganisation die Erdbeobachtungsmission SOVA-S als eines von zwei Projekten aus vier Finalkonzepten für die nächste Entwicklungsphase im Scout-Programm. OHB Czechspace fungiert als Hauptauftragnehmer. Der Satellit — der größte jemals in Tschechien gebaute — soll atmosphärische Schwerewellen untersuchen und die Wettervorhersage verbessern. Start: 2030. Im Januar 2027 beginnt die Implementierungsphase.

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Die Fundamentaldaten untermauern die Kursexplosion. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 15 Prozent auf 200,8 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 3,35 Milliarden Euro einen Rekord — 45 Prozent über dem Vorjahreswert. Für 2026 stellt OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro in Aussicht, für 2028 mehr als 2 Milliarden.

Parallel treibt OHB die strategische Neuausrichtung voran. Gemeinsam mit dem KI-Spezialisten Helsing gründete der Bremer Konzern das Joint Venture „KIRK“ für weltraumbasierte taktische Überwachung und Aufklärung. Ein softwarezentrierter Ansatz, der OHB im wachsenden Markt für Weltraum-Verteidigung positioniert.

MTU Aero Engines: Erholung vom Jahrestief, aber Berenberg bremst

MTU hat im Mai Boden gutgemacht. Von 273 Euro am Monatstief zog die Aktie auf zuletzt 286,90 Euro an — ein Plus von gut 5 Prozent in einer Woche. Der Münchner Triebwerksbauer profitiert vom freundlicheren Umfeld für Luftfahrtwerte und einer robusten Ertragslage im Wartungsgeschäft.

Berenberg sieht das allerdings kritischer. Die Privatbank stufte MTU Anfang Mai von „Buy“ auf „Hold“ ab und senkte das Kursziel von 420 auf 350 Euro. Begründung: Die Bewertung laufe der langsamer als erwarteten Luftfahrt-Erholung davon. Auf der Gegenseite vergaben Kepler Capital, Deutsche Bank und DZ Bank allesamt Kaufempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 388,60 Euro.

Operativ lieferte MTU 2025 starke Zahlen: 16 Prozent Umsatzwachstum, 29 Prozent EBIT-Wachstum und Margen von 15,5 Prozent. Für 2026 rechnet das Management mit gedämpfterem Wachstum — 8,6 Prozent beim Umsatz, 3,7 Prozent beim EBIT. Höherer GTF-Mix und Hochlaufkosten belasten die Marge.

MTU nimmt im Sektor eine Sonderrolle ein. Als zivil-militärischer Hybrid fließen sowohl steigende NATO-Budgets als auch die Erholung des Passagierverkehrs in die Kasse. Auf der militärischen Seite liefert MTU Triebwerkskomponenten für europäische Kampfflugzeuge — langfristige Verträge, die von Verteidigungshaushalten statt Passagierzahlen abhängen. Im Mai beteiligte sich die Wartungstochter MTU Maintenance Lease Services zudem strategisch an TRecs, einem Spezialisten für digitales Triebwerks-Lebenszyklusmanagement.

Boeing: 200 statt 500 Jets — China-Deal enttäuscht halb

Chinas Handelsministerium bestätigte vergangene Woche ein Abkommen über den Kauf von 200 Boeing-Flugzeugen inklusive Triebwerken und Ersatzteilen. US-Präsident Trump sprach von einem „Potenzial für bis zu 750 Maschinen, wenn sie gute Arbeit leisten.“ Ein möglicher Folgeauftrag könnte beim geplanten September-Besuch Xi Jinpings in Washington konkretisiert werden.

Die Enttäuschung lag im Detail. Analysten hatten mit bis zu 500 Maschinen gerechnet, darunter 737 MAX und Großraumflugzeuge. Dass es nur 200 wurden, drückte den Kurs am 15. Mai spürbar. Am 20. Mai erholte sich die Aktie um rund 3 Prozent. Aktuell notiert Boeing bei 189,40 Euro — nahe am 200-Tage-Durchschnitt.

Trotz der Enttäuschung markiert der Deal die erste größere chinesische Boeing-Bestellung seit 2017. Das verschafft dem Konzern einen Brückenkopf im weltgrößten Luftfahrtmarkt. Die Quartalszahlen stützen den vorsichtigen Optimismus: 14 Prozent Umsatzwachstum und ein Rekord-Auftragsbestand von 695 Milliarden Dollar.

Offene Baustellen bleiben die Zertifizierungsverzögerungen bei 737 MAX 7, MAX 10 und 777X. Letzteres Programm hat in Q1 eine wichtige FAA-Phase abgeschlossen, die erste Auslieferung wird aber erst 2027 erwartet. Das Management peilt für 2026 einen positiven freien Cashflow von 1 bis 3 Milliarden Dollar an. 16 Analysten empfehlen den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 269 Dollar.

Auftragsrekorde allein genügen dem Markt nicht mehr

Die europäische Rüstungsbranche steht an einem Wendepunkt in der Wahrnehmung. Die Orderbücher quellen über, die NATO-Budgets steigen, die geopolitische Nachfrage ist real. Was der Markt jetzt sehen will, ist Execution — die Fähigkeit, Aufträge tatsächlich in Umsatz, Marge und Cashflow umzuwandeln.

  • Rheinmetall muss im zweiten Quartal beweisen, dass der 73-Milliarden-Backlog kein Papiertiger ist
  • Renk beobachtet den möglichen KNDS-Börsengang als Katalysator für die eigene Bewertung
  • OHB setzt mit dem KIRK-Joint-Venture und der ESA-Mission auf Weltraum-Verteidigung als nächste Wachstumsstufe
  • MTU balanciert zwischen GTF-Belastungen und doppeltem Rückenwind aus Zivil- und Militärgeschäft
  • Boeing braucht die 777X-Zertifizierung und eine Vertiefung des China-Deals, um die Bewertungslücke zu den europäischen Wettbewerbern zu schließen

Die zweite Jahreshälfte 2026 wird zur Nagelprobe. Wer liefert, wird belohnt. Wer nur bucht, riskiert den nächsten Kursrücksetzer.

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