Rheinmetall gerät von zwei Seiten unter Druck: Am Mittwoch verlor die Aktie trotz eines Fortschritts bei der Radartechnik Skymaster 2,6 Prozent und schloss bei 1.180,00 Euro. Nun kommt ein strukturelles Problem hinzu, das über den Tagescharme hinausreicht – der Rohstoffnachschub für die Rüstungsproduktion.
Die USA blockieren ab dem 27. August für ein Jahr den Export von Wolframschrott. Wolfram ist ein Schlüsselmetall für Treibladungsmodule, wie sie in der Munitionsfertigung eingesetzt werden. Rheinmetall baut derzeit in Aschau eine neue Pulverfabrik mit einer Kapazität von mehr als einer Million solcher Module – ein Projekt, das auf verlässliche Rohstoffversorgung angewiesen ist.
Alternative Bezugsquellen rücken in den Fokus
Als möglicher Ausweg gilt der kanadische Wolframproduzent Almonty, der Anfang Juli die Produktion am südkoreanischen Standort Sangdong aufgenommen hat.
Der österreichische Hartmetallhersteller Plansee hat seinen Abnahmevertrag mit Almonty bereits um 21 Jahre verlängert – ein Signal dafür, dass sich die Branche auf eine langfristige Diversifizierung weg von US-Wolframschrott einstellt. Zusätzlich fördert Kanada das Sisson-Projekt in New Brunswick, an dem auch Adelayde Exploration mit einer Fläche von knapp 9.780 Acres beteiligt ist.
Für Rheinmetall bedeutet der US-Exportstopp keine unmittelbare Produktionsgefahr, wohl aber einen zusätzlichen Beschaffungsaufwand. Die Aschau-Fabrik ist auf hohe Stückzahlen ausgelegt, und jede Verzögerung bei der Materialzufuhr könnte den geplanten Kapazitätsaufbau verlangsamen.
Anleger dürften die Entwicklung der alternativen Lieferketten in den kommenden Monaten genau beobachten, zumal Rüstungsunternehmen ohnehin unter verschärfter geopolitischer Beobachtung stehen.
Charttechnisches Bild bleibt angespannt
Der Kursrückgang vom Mittwoch reiht sich in eine seit Monaten schwierige Phase ein. Die Aktie notiert 41 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das sie am 3. Oktober 2025 erreicht hatte.
Zugleich lässt der Kursverlauf der vergangenen Woche mit einem Plus von 0,5 Prozent kaum Rückschlüsse auf eine klare Richtung zu – die Aktie bewegt sich seitwärts, während im Hintergrund neue Belastungsfaktoren wie der Wolfram-Exportstopp auftauchen.
Die Gemengelage bleibt für Rheinmetall-Anleger unübersichtlich: Auf der einen Seite stehen technologische Fortschritte wie die Skymaster-Radartechnik, auf der anderen Seite wachsende Unsicherheit bei kritischen Rohstoffen.
Wie schnell sich alternative Lieferketten über Almonty, Plansee und kanadische Projekte tatsächlich etablieren lassen, dürfte mitentscheidend dafür sein, ob die Aschau-Fabrik ihr volles Produktionspotenzial zeitnah ausschöpfen kann.
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