Nach einem schwachen Lauf erhält die Aktie wieder Rückenwind — diesmal von einem Analysten, der genau das ausspricht, was viele Investoren bislang zögerlich macht: Rheinmetall ist gemessen am Potenzial zu günstig.
Oddo-BHF-Analyst Yan Derocles hat die Aktie auf „Outperform“ hochgestuft. Er kappte zwar sein Kursziel auf 1.670 Euro, signalisiert damit aber weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs von rund 1.221 Euro auf Tradegate. Das Argument ist klar: Rheinmetall wird mit einem Abschlag von mehr als zwanzig Prozent gegenüber dem Durchschnitt der europäischen Rüstungskonkurrenz gehandelt — bei gleichzeitig deutlich dynamischererem Wachstumspotenzial bis 2030.
Warum die Aktie zuletzt so stark unter Druck geriet
Rheinmetall gehört neben BMW zu den schwächsten DAX-Werten der vergangenen drei Monate, mit einem Minus von rund zwanzig Prozent. Die Gründe sind nachvollziehbar: Anleger zweifelten daran, wie schnell die hohen Auftragsbestände tatsächlich in Umsatz und Gewinn umgewandelt werden können. Hinzu kamen Fragen, ob das aktuelle Produktportfolio zu den sich verändernden Schwerpunkten moderner Konflikte passt — Drohnentechnologie und KI-gestützte Aufklärung gewinnen gegenüber klassischer Panzertechnik an Gewicht.
Das erklärt den Bewertungsabschlag, macht ihn aus Derocles‘ Sicht aber nicht gerechtfertigt. Wer langfristig denkt, bekommt die Düsseldorfer Wachstumsstory derzeit günstiger als seit langer Zeit.
Geopolitik bleibt der große Unsicherheitsfaktor
Der breiteren Kurserholung im Rüstungssektor hilft die weiterhin volatile Lage im Nahen Osten. Die Mitte der vergangenen Woche unterzeichnete Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Irankonflikts erwies sich als brüchig: Der Iran drohte abermals, die Straße von Hormus zu schließen, israelische Streitkräfte meldeten zuletzt eine Einstellung der Kampfhandlungen im Südlibanon. Das geopolitische Umfeld bleibt also ambivalent — einerseits Hoffnung auf Deeskalation, andererseits anhaltende Unsicherheit, die Verteidigungsbudgets hoch hält.
Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris hat Rheinmetall zuletzt strategische Partnerschaften präsentiert, die auf genau jene Wachstumsfelder zielen: Drohnenabwehr und Präzisionswaffen. Das könnte mittelfristig auch die Zweifel am Produktmix zerstreuen.
Die nächste Bewährungsprobe liefern die Halbjahreszahlen — ein konkretes Datum steht noch aus. Zeigen sie, dass die Auftragsbestände zügig abgearbeitet werden, dürfte der Bewertungsabschlag gegenüber der europäischen Konkurrenz schwer zu verteidigen sein.
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