Der Verlust eines Riesenprojekts hinterlässt Spuren. Nach der Stornierung des Fregattenprogramms F126 durch die Bundesregierung muss Rheinmetall die finanziellen Folgen verarbeiten. Die Anleger reagieren nervös auf die neuen Schätzungen.
Der Preis des Stornos
Ende Juni stoppte das Verteidigungsministerium das milliardenschwere Marineprojekt. Den Zuschlag erhielt stattdessen der Konkurrent TKMS. Nun beziffert Rheinmetall den Schaden. Im laufenden Jahr könnte der Umsatz um bis zu 300 Millionen Euro sinken.
Auch bei den Neuaufträgen verfehlt der Konzern seine ursprünglichen Pläne. Im zweiten Quartal erreicht der Auftragseingang voraussichtlich nur ein niedriges zweistelliges Milliarden-Niveau. Zuvor hatte das Management rund 20 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Analysten ziehen Konsequenzen
Die Wall Street bewertet das Update unterschiedlich. Analyst David H Perry von JPMorgan senkte sein Kursziel von 1.500 auf 1.350 Euro. Er behält die Einstufung auf „Neutral“ bei. Als Grund nennt Perry vor allem schleppende Auftragsvergaben der Bundesregierung.
Zusätzlich verändern sich die Technologien in der Wehrtechnik schneller als erwartet. Perry hält die Konzernziele bis zum Ende des Jahrzehnts daher für extrem ehrgeizig.
Die britische Bank Barclays bewertet die Lage deutlich optimistischer. Das Kursziel sinkt hier nur minimal von 2.035 auf 2.000 Euro. Die Analysten raten weiterhin zum Kauf der Aktie. Sie rechnen für das zweite Quartal mit einem starken Umsatzwachstum von 59 Prozent.
Warten auf den August
An der Börse dominiert aktuell die Skepsis. Am Freitag schloss das Papier bei 1.097,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein massives Minus von über 31 Prozent auf der Anzeigetafel. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 46,5 derzeit ein komplett neutrales Terrain.
Das Unternehmen bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Das stornierte F126-Projekt machte weniger als drei Prozent der langfristigen Prognose aus. Für klare Verhältnisse wird der 6. August sorgen. Dann veröffentlicht Rheinmetall seine Quartalszahlen und bewertet die exakten Auswirkungen auf das Gesamtjahr.
