Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender Armin Papperger steht wegen möglicher russischer Mordpläne unter besonderem Personenschutz. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag berichtete, begleiten ihn Personenschützer selbst in der Düsseldorfer Konzernzentrale ständig.
Das Schutzniveau entspreche demjenigen eines Bundeskanzlers. Die Meldung rückt die geopolitische Dimension des Rüstungskonzerns in den Vordergrund, während Anleger zugleich die jüngste Geschäftsentwicklung und eine frische Analystenmeinung einordnen müssen.
Insider kaufen trotz Kursrückgang
Auffällig ist die Reaktion aus dem Unternehmen selbst: In den vergangenen 90 Tagen haben Insider ausschließlich Aktien zugekauft, insgesamt 15 Transaktionen im Wert von rund 17,4 Millionen Euro. Fünf Insider, darunter Vorstandsmitglieder, stockten ihre Bestände auf – obwohl die Aktie in diesem Zeitraum um 22,1 Prozent nachgegeben hat.
Papperger selbst tätigte zwei Käufe mit einem Gesamtvolumen von 1.016.324 Euro. Solche Käufe signalisieren üblicherweise Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung, auch wenn sie kurzfristige Kursschwankungen nicht verhindern.
Diese Schwankungen sind derzeit erheblich. Nach der Präsentation der neuen Fregatte GMF 140 vor gut einer Woche hat die Aktie rund 4,5 Prozent verloren – ein Wert, der sich exakt in der Sieben-Tage-Veränderung von minus 4,53 Prozent aus den aktuellen Handelsdaten widerspiegelt.
Aktuell notiert das Papier bei 1.149,60 Euro und legt am heutigen Dienstag um 0,44 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch bei gut 2.007 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres bleibt die Aktie damit 42,72 Prozent entfernt.
Nach Rekordquartal: Skepsis bei mwb research
Der Kursdruck der vergangenen Wochen hat auch mit der Reaktion auf den Halbjahresbericht zu tun, den Rheinmetall am vergangenen Donnerstag vorgelegt hatte.
Operativ lieferte der Konzern ein starkes zweites Quartal: Der Umsatz kletterte um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis stieg um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro, die operative Marge verbesserte sich auf 17,1 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern und der Gewinn je Aktie gingen dagegen leicht zurück, auf 124 Millionen Euro beziehungsweise 2,66 Euro.
Belastend wirkte vor allem die gesenkte Jahresprognose: Rheinmetall rechnet nun mit 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz für 2026, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Grund ist der Stopp des Fregattenprojekts F126 durch die Bundesregierung, das die vom Konzern übernommene Werft NVL als Generalunternehmer verloren hatte.
Als Reaktion auf die veränderten Aussichten stufte das Analysehaus mwb research die Aktie am 6. August von Hold auf Sell herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro.
Auftragsbestand als Gegengewicht
Dem gesenkten Umsatzausblick steht ein weiter wachsender Auftragsbestand gegenüber. Zum 30. Juni erreichte das Backlog 80,467 Milliarden Euro, deutlich mehr als die 55,972 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
Allein im zweiten Quartal kamen Auftragsnominierungen über 11,371 Milliarden Euro hinzu, darunter ein Vertrag über Loitering Munition mit der Bundeswehr sowie ein Auftragspaket mit Rumänien im Rahmen des EU-Programms SAFE.
Für das Gesamtjahr peilt Rheinmetall weiterhin ein operatives Ergebnis von 2,676 Milliarden Euro und eine Dividende je Aktie von 15,60 Euro an – beides Prognosewerte, die eine deutliche Steigerung gegenüber 2025 abbilden würden.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein wachsender Auftragsberg und anhaltende Insiderkäufe stehen einer gesenkten Umsatzprognose und einer verschärften Sicherheitslage rund um die Konzernspitze gegenüber. Die Sicherheitsmeldung um Papperger unterstreicht dabei, wie unmittelbar geopolitische Spannungen inzwischen auch das Unternehmen selbst berühren.
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