Rheinmetall gerät heute erneut unter Druck: Die Aktie verliert 3,9 Prozent und notiert bei 1.009,00 Euro, nachdem sie bereits am Dienstag bei 1.050,00 Euro geschlossen hatte. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 7,7 Prozent.
Auslöser ist Medienberichten zufolge weniger ein unternehmensspezifisches Ereignis als vielmehr ein steigender Ölpreis, der den gesamten deutschen Aktienmarkt belastet. Auch Rüstungskonkurrenten wie BAE Systems und Thales gaben nach, während die US-Werte Lockheed Martin und Northrop Grumman zulegten.
Der Kursrutsch fügt sich in einen längeren Abwärtstrend ein. Seit Jahresbeginn steht bei Rheinmetall ein Minus von 35 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro aus dem Oktober 2025 beträgt der Abstand mittlerweile 50 Prozent. Der Kurs liegt damit deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.097,58 Euro.
Belastet hatte die Aktie bereits im Sommer ein Spiegel-Bericht, wonach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius eine Einstellung des Fregatten-Projekts F126 plant – eine Nachricht, die JPMorgan seinerzeit als „herben Rückschlag“ bezeichnete, da Rheinmetall dadurch seine Ziele für den Auftragseingang verfehlen dürfte.
Auftragsbücher füllen sich weiter
Operativ zeigt sich das Unternehmen davon bislang wenig beeindruckt. Mitte August meldete Rheinmetall einen weiteren Großauftrag der Bundeswehr über 149 mobile Rettungsstationen mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro. Zusammen mit einer früheren Order summiert sich der Gesamtauftrag damit auf über 600 Millionen Euro.
Am Freitag kam ein deutlich kleinerer, aber strategisch relevanter Auftrag hinzu: Die kanadische Tochtergesellschaft erhielt von der US-Marine einen Folgeauftrag für Ersatzkomponenten der mobilen Startgeräte MSU-200NAV im einstelligen Millionenbereich, Auslieferungen sind zwischen Ende 2026 und Ende 2028 vorgesehen.
Diese Einzelaufträge reihen sich in eine lange Liste von Vertragsabschlüssen der vergangenen Monate ein – von einem Skynex-Flugabwehrauftrag über mehrere hundert Millionen Euro im Juli bis zum rumänischen Großauftrag über 5,7 Milliarden Euro für Panzer, Flugabwehr, Schiffe und Munition aus dem Juni. Der Auftragsbestand des Konzerns überschritt im zweiten Quartal die Marke von 80 Milliarden Euro.
Zahlen übertreffen Erwartungen, Cashflow bleibt Belastung
Auch die Geschäftszahlen sprechen für sich: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um rund 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 562 Millionen Euro lag fast 20 Prozent über der Markterwartung von 469,9 Millionen Euro.
Allerdings erwartet Rheinmetall für das laufende Jahr einen deutlich negativen operativen Free Cashflow, belastet durch verschobene Anzahlungen und gestiegene Kundenforderungen – ein Punkt, den Anleger angesichts der ohnehin angespannten Marktstimmung genau beobachten dürften.
Für die kommenden Monate rückt zudem das Arminius-Projekt in den Fokus: Die parlamentarische Behandlung der Boxer-Großbestellung für die Bundeswehr ist für den 9. Dezember angesetzt, eine Vertragsunterzeichnung könnte wenige Tage später folgen. Angesichts der Diskrepanz zwischen robusten operativen Daten und der schwachen Kursentwicklung dürfte dieser Termin zum nächsten wichtigen Prüfstein für das Vertrauen der Anleger werden.
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